Verkehr

Aufbruchstimmung für das Fahrrad

Die Initiative „Aufbruch Fahrrad“ tritt für mehr Fahrradverkehr ein. Vor allem in den Innenstädten

Die Initiative „Aufbruch Fahrrad“ tritt für mehr Fahrradverkehr ein. Vor allem in den Innenstädten

Foto: Arne Dedert/dpa

Iserlohn.   Angesichts von verstopften Straßen und erhöhten Feinstaubbelastungen will der ADFC mit einer Volksinitiative den Radverkehr in NRW erhöhen.

„Stoppt den Kindermord“ – mit dieser Forderung sind im Jahr 1971 die holländischen Mütter auf die Straße gegangen, um gegen die lebensbedrohlichen Auswirkungen des immer weiter zunehmenden Autoverkehrs zu protestieren. Die Lösung in Holland war damals die Stärkung des Fahrradverkehrs – mit großem Erfolg: Den rund 400 im Straßenverkehr getöteten Kindern von 1971 stehen in den Niederlanden nur noch 14 im Jahr 2010 gegenüber.

Deutschland hat diese Entwicklung in den 70er Jahren nicht mitgemacht. Vergleichbar mit den heutigen Verhältnissen ist die holländische Geschichte natürlich nicht. Sie zeigt aber, dass es geht, dass mehr Radverkehr keine von je her gegebene Eigenart ist, sondern dass eine solche Entwicklung politisch gesteuert werden kann. Genau das möchte die Initiative „Aufbruch Fahrrad“ nun auch in NRW anschieben: 25 Prozent Fahrradverkehr bis 2025 lautet die Forderung einer im Juni gestarteten Volksinitiative, die vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mitgetragen wird.

Die Zeiten und Probleme haben sich natürlich geändert. Heute ist es vor allem die Umweltverträglichkeit und der drohende Verkehrskollaps in den Städten, der zur verkehrspolitischen Zeitenwende anregen soll. Die Lösung dieser Probleme sei das Fahrrad, sagt Martin Isbruch. Der Vorsitzende des ADFC im Märkischen Kreis hat die Ziele und die Volksinitiative jetzt beim ADFC-Treff im Café Hilbrand vorgestellt. Angesichts von verstopften Straßen und erhöhten Feinstaubbelastungen sieht er das Fahrrad bundesweit auf dem Vormarsch. Und nicht nur die Entwicklung in Holland zeige, dass die Politik den Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehr durch eine verbesserte Infrastruktur und eine stärkere Förderung effektiv erhöhen könne. In vielen großen Städten haben die Ziele der Radfahrer bereits Eingang in die Zielvorgaben auf kommunaler Ebene Einzug gehalten. Nun soll das auch in Bayern und NRW auf Landesebene geschehen.

Mit 66 000 Unterschriften geht es in den Landtag

„Aufbruch Fahrrad“ hat dazu den Weg der Volksinitiative gewählt. Über eine ein Jahr laufende Sammlung müssen rund 66 000 Unterschriften eingereicht werden, damit das Thema im Landtag behandelt wird. Das Ziel lautet ein Ausbau des Fahrradverkehrs auf 25 Prozent. Derzeit liegt der Anteil im Landesmittel bei acht Prozent. In Iserlohn – so Isbruch – sogar noch leicht darunter bei sechs Prozent. Wobei sich der Anteil in der Innenstadt mit elf Prozent schon sehen lassen könne. Doch gerade den innerstädtischen Verkehr hat die Initiative im Blick. In Iserlohn finde rund 75 Prozent des Verkehrs in der Innenstadt statt, 50 Prozent aller Autofahrten seien kürzer als fünf Kilometer. „Da müssen wir ansetzen“, sagt der ADFC-Vorsitzende aus Iserlohn. Demgegenüber stehen seriöse Erhebungen, denen zufolge sich 80 Prozent der Bevölkerung eine andere Mobilität – auch mit mehr Radverkehr – wünschen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung nutzt bereits das Fahrrad als Verkehrsmittel – also nicht nur für Sport und Freizeit. Und es wäre laut Umfragen ein Drittel mehr, wenn die Strukturen besser wären.

Verbesserte Infrastrukturfür mehr Sicherheit

„Radfahrer fühlen sich nach wie vor unsicher auf den Straßen“, benennt Isbruch die größte Hürde, die einer Steigerung des Radverkehrs im Wege steht – und die gerade in Iserlohn, wo es sehr schwierig sei, die Innenstadt mit dem Rad sicher zu erreichen, gut zu beobachten sei. Genau das könne mit mehr und optimierten Radverkehrsanlagen deutlich verbessert werden. Die Zeiten, in denen der Radverkehr zusehen musste, was ihm im Straßenraum übrig bleibt, seien vorbei. Er müsse nun Priorität in den Städten haben, und bei den heutigen Verkehrsproblemen komme keine Kommune mehr an der Förderung des Radverkehrs vorbei.

Konkret fordert „Aufbruch Fahrrad“ neun Maßnahmen:
Mehr Verkehrssicherheit auf Straßen und Radwegen
NRW wirbt für mehr Radverkehr
1000 Kilometer Radschnellwege für den Pendelverkehr
300 Kilometer überregionale Radwege pro Jahr
Fahrradstraßen und Radinfrastruktur in den Kommunen
Mehr Fahrrad-Expertise in Ministerien und Behörden
Kostenlose Mitnahme im Nahverkehr
Fahrradparken und E-Bike Stationen
Förderung von Lastenrädern.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben