Weltreise

Aus dem Aquarium direkt in die „Pool-School“

„Rucksackfamilie“ Zieba auf Weltreise, hier auf Koh Phangan

„Rucksackfamilie“ Zieba auf Weltreise, hier auf Koh Phangan

Foto: Privat

Iserlohn.  Thomas, Nora, Tommy und Jackie Zieba, die Rucksackfamilie aus Iserlohn, sind seit elf Wochen auf Weltreise.

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Thomas, Nora, Tommy und Jackie Zieba, die Rucksackfamilie aus Iserlohn, hatten im Sommer ihren Hausstand verkauft und sind am 2. August auf Weltreise gegangen. Seit elf Wochen sind sie fern der Heimat. Hier ist ihr erster Bericht.

„Uns geht es gut. Wir sind gerade auf Bali und genießen unsere Reise. Wir sind seit elf Wochen unterwegs und haben Einiges erlebt. Inzwischen fühlt es sich auch nicht mehr nur wie ein Urlaub an. Wir sind im Reiseleben angekommen. Meist suchen wir uns für wenige Tage eine Unterkunft und erkunden die Umgebung. Wenn es uns gefällt, bleiben wir länger, ansonsten zieht es uns weiter. Wir lieben dieses spontane Reisen und, dass wir so flexibel sind.

Unsere bisherige Route führte uns über Koh Samui nach Koh Phangan (Thailand), von da aus über Kuala Lumpur nach Borneo (Malaysia) und nun nach Bali (Indonesien). Wir hätten uns keinen besseren Start für die Reise aussuchen können. Nachdem wir den Jetlag ausgeschlafen hatten, waren wir mittendrin in der thailändischen – einer vollkommen anderen – Kultur.

Überraschungs-Torte unter Palmen serviert

Für die erste Woche hatten wir einen Bungalow vorgebucht. Danach sollte es spontan weitergehen. Wir wohnten direkt in einer Korallenbucht, konnten schon am Strand mit den buntesten Fischen schnorcheln und fühlten uns wie in einem Aquarium. Wir fuhren mit zu Bussen umgebauten Pickups (Songthaews) über die Insel, schwammen unter einem Wasserfall und feierten den ersten Weltreise-Geburtstag am Strand. Tommy wurde fünf Jahre alt und bekam vom Restaurantteam eine Überraschungs-Geburtstagstorte unter Palmen serviert. So süß!

Von da aus ging es mit dem Speedboot und hohem Wellengang nach Koh Phangan. Hier konnten wir noch drei Wochen bleiben, da wir beschlossen hatten, immer ohne Visa zu reisen und nur die „Visa on arrival“ nutzten, die uns erlaubten, 30 Tage in Thailand (und später auch in den beiden anderen Ländern) zu bleiben. Wir wären hier ansonsten vermutlich schon hängen geblieben. Die Insel hat Traumstrände, super leckeres Essen, und wir haben so viele tolle Leute kennen gelernt, mit denen wir viele schöne Tage verbracht haben. Hier haben wir vor allem andere Familien getroffen, die auch mit ihren Kindern die Welt bereisen. So spannend, zu hören, wie ihre Reisen verlaufen sind.

Abends sind wir mit allen zusammen regelmäßig auf den Night Food Market in Thongsala zum Essen gegangen. Hier gab es eine riesige Auswahl an einheimischem und internationalem Essen und super leckere Frucht-Smoothies. Jeder konnte sich sein Essen aussuchen; und dann haben wir uns an einem großen Tisch der Markthalle getroffen und zusammen gegessen: Fried Rice, Nudeln, Sticky Rice, Smoothies, Spring Rolls, Salate . . .

Wir können gut verstehen, warum es viele Leute hierhin verschlägt und warum viele von ihnen länger bleiben.

Tagsüber fuhren wir mit zwei Motorrollern quer über die Insel – schon die Fahrten waren ein Highlight. Wir fuhren zu Tempeln, den schönsten Stränden, die wir bisher gesehen haben, Wasserfällen und Aussichtspunkten im Dschungel. Thomas hat einen Tauchschein gemacht und war am Sail Rock tauchen, einem Felsen, der mitten im Meer aus dem Wasser ragt. Ein idealer Tauchspot, um mit dem Tauchen zu beginnen. Hier sind unzählige bunte Korallenfische, Papageienfische und auch Barracudas zu sehen.

Da Nora unterwegs den Schulstoff der vierten Klasse durcharbeiten muss, begannen wir hier auch mit unserer „Pool-School“. Das Klassenzimmer wurde gegen einen Tisch am Pool getauscht; und vor allem Mathe und Deutsch hat sie von nun an regelmäßig geübt. Dafür haben wir die Bücher aus Deutschland mitgebracht. Das Lernen klappt gut, auch wenn wir es nicht jeden Tag schaffen; (oder auch gerade deswegen) feste Lernzeiten zu haben. Gelernt wird, wenn Zeit und Lust dazu ist. So kann es auch sein, dass Nora drei Tage hintereinander ein ganzes Mathethema durcharbeitet und dann eine Weile mehr Deutsch lernt. An Reisetagen, wenn wir weiterziehen, fällt es dann einfach aus.

Borneo-Artikel macht neugierig auf Orang Utans

Tommy hat sich der „Pool-School“ angeschlossen und übt nun auch immer motiviert mit. Er rechnet und fängt schon an zu lesen. Jackie hat in einer Zeitschrift zufällig einen Artikel über Borneo entdeckt, in dem von den letzten Orang Utans im malaysischen Regenwald berichtet wurde. So stand unser nächstes Ziel fest. Wir wollten nach Borneo in den Dschungel fliegen und Orang Utans sehen. Da die Flüge über Kuala Lumpur gehen, machten wir dort einen Zwischenstopp und waren plötzlich, nach vier Wochen ruhigem Inselleben, mitten in der Großstadt. „Wow“, war das erste was uns allen einfiel, als wir vom Flughafen in die Stadt fuhren. Wolkenkratzer, Menschen aus allen Teilen der Erde und ein Appartement im 34. Stock mit Infinitypool auf dem Dach. Das nennt man Kontrastprogramm.

Wir genossen das Sightseeing, auch wenn das Klima hier in der Stadt den Kindern teils zu schaffen machte. Man konnte an einem Tag so viele unterschiedliche Kulturen und Stadtteile sehen, dass man hier quasi eine Weltreise machen konnte: malaysisch, westlich, arabisch, chinesisch, indisch und bestimmt noch einige mehr. Wir fuhren meist mit dem Bus, und trotz der ganzen Wolkenkratzer gab es viele Grünflächen und sogar ein geschütztes Areal mit echtem Regenwald, der mitten in der Stadt erhalten erhalten. Direkt unter dem KL-Tower. Das ist einzigartig auf der Welt.

Unser Flug ging nach einer Woche Kuala Lumpur weiter. Und plötzlich waren wir in Kuching, einem Ort, von dem wir noch nie im Leben gehört haben und der uns nach kurzer Zeit absolut begeistert und fasziniert hat. Wir wohnten in einem „Home­stay“ bei einer ganz lieben malaysischen Familie. Sie haben einen achtjährigen Sohn, Brian, der sich genauso sehr wie Nora und Tommy über unseren Besuch freute. Endlich mal ein Kind zwischen all den Backpackern, denen wir sonst so begegneten. So wurde es eine tolle Zeit mit ihrem neuen Freund, und der Abschied fiel schwer. Wir verlängerten tatsächlich zwei Mal unseren Aufenthalt, weil wir uns nicht trennen konnten.

Von hier aus haben wir auch unsere Ausflüge in den Dschungel gestartet. Wir waren im Semmengoh Naturreservat, einem Gebiet des Regenwaldes, wo Orang Utans ausgewildert werden und dann wieder frei im Dschungel leben. Dort waren wir nun mitten im Dschungel und warteten, als sich plötzlich in der Ferne die Baumkronen bewegten. Nach kurzer Zeit sah man einen riesigen Orang Utan, der sich gemächlich von Baum zu Baum schwang und immer näher auf uns zu kam. Als er zur Futterstelle ging, wurde er vom Ranger, mit einem Sicherheitsabstand von gut zwei Metern, gefüttert. Da hat man erst recht gemerkt, dass man nicht im Zoo ist, sondern mitten im Dschungel und diese Tiere in freier Wildbahn sieht. Eines unserer bisherigen Highlights!

Eine weitere Tour führte uns in den Bako Nationalpark, den man nur per Bootsfahrt durch den Mangrovenwald erreicht. Das Highlight waren Nasenaffen, die wild von Baum zu Baum sprangen.

Mit Atemschutzmasken durch Kuching

Das Wetter auf Borneo war leider nicht so gut. Im indonesischen Teil der Insel wurden weite Flächen des Regenwaldes abgebrannt, und der dadurch entstandene „haze“ zog genau in unsere Richtung. Die Einheimischen erklärten uns, dass es jedes Jahr im Sommer zu weitflächigen Brandrodungen auf den Feldern in Indonesien kommt. Dieses Jahr war es allerdings besonders schlimm, wir liefen mit Atemschutzmasken durch Kuching.

An manchen Tagen haben wir unser Homestay mit den Kindern gar nicht verlassen, da der Luftqualitätsindex (LQI) teils auf über 250 kletterte und in einem gesundheitsgefährdenden Bereich lag (Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt einen Wert um die 20). Wir wären ansonsten gerne länger geblieben, entschieden uns jedoch dazu, weiterzureisen.

Bali wartete auf uns. Wir reisten also weiter nach Indonesien. Doch bevor wir Bali erkundeten, ging es nach Nusa Penida, einer kleinen Insel direkt neben Bali. Eigentlich wollten wir nur für einen Tauchausflug hinüber fahren. Doch die Insel gefiel uns so gut, dass wir am Ende eine Woche bleiben sollten.

Die letzte Woche hier auf Bali haben wir zusammen mit einer anderen Reisefamilie verbracht. Wir haben uns in Borneo im Dschungel bei den Orang Utans kennen gelernt und waren uns sofort sympathisch. Da sie nun auch nach Bali gereist sind, stand fest, dass wir uns wiedersehen wollten.

Und so haben wir eine Woche zusammen in einem wunderschönen Homestay mit riesigem Pool und jeder Menge Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische und sogar ein Adler lebten hier) verbracht. Auch unsere Freunde aus Koh Phgangan, die bereits seit über zwei Jahren die Welt bereisen, waren inzwischen auf Bali angekommen, und wir haben uns in Ubud wiedergesehen.

So toll, wie unterwegs Freundschaften entstehen und wir uns tatsächlich schon ein zweites Mal getroffen haben. Mal sehen, ob sich unsere Wege noch einmal kreuzen. Aber nun geht es für uns erst mal weiter. Australien wartet auf uns! Wir fliegen von Bali aus nach Sydney und freuen uns auf das nächste Kapitel „Ozeanien“. Weitere Berichte über diese Weltreisende bei Instagram unter dem Account „rucksackfamilie“.

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