„HeimArt“

Aus der Metropole in die Waldstadt

Fleur Deakin arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken. Oft verwendet sie Harz, mitunter auch Gips. Das Bild „Midnight Guardian“ rechts an der Wand wurde bereits ausgezeichnet.

Fleur Deakin arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken. Oft verwendet sie Harz, mitunter auch Gips. Das Bild „Midnight Guardian“ rechts an der Wand wurde bereits ausgezeichnet.

Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.  20 Jahre war Fleur Deakin erfolgreich in London, nun sucht sie neue Herausforderungen.

Ihrem Drang, London zu entfliehen und etwas Neues zu wagen, hat Fleur Deakin kürzlich nachgegeben. Sie hat Iserlohn den Vorzug gegeben, die Metropole verlassen. „Ich hatte mich dort nach 20 Jahren in einer Routine gefangen gefühlt, eingeengt“, beschreibt sie ihre Beweggründe.

Dass sie in der Waldstadt gelandet ist, resultiert aus der Tatsache, dass ihr Partner Charles Gardner künftig den neuen Irish Pub „The New Crown“ an der Oststraße führen und sie dort mitarbeiten wird. Immobilienbesitzer Paul Moss fehlte der entsprechende Wirt, den er mit Gardner in einem britischen Internetforum gefunden hat. Im November 2019 gab es ein erstes Treffen, Fleur Deakin war mit dabei. Kurze Zeit später konnte sie ein Atelier im „Kissing & Möllmann“-Gebäude besichtigen – und hatte sich sofort verliebt. Die Gegensätze zwischen Alt und Neu, die Graffiti: Die Künstlerin kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Sie sieht in der „Fabrik“ auch eine Verbindung zu ihrer eigenen Arbeit, bei der sie ebenfalls verschiedene Oberflächen verwendet.

„Großzügige und bezahlbare Studios sind in Großbritannien selten zu finden“, erzählt sie. Und mit einem Lächeln fügt sie hinzu: „Außerdem mag ich die deutsche Currywurst.“ Direkt geflüchtet sei sie nicht aus ihrer Heimat, aber der Brexit habe schon auch eine Rolle gespielt. „Und es ist wichtig für Künstler, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen, sonst wird es langweilig“, sagt sie. Ihr Kunststudium hat Fleur Deakin in Brighton absolviert, 1995 zog sie nach London. Ihre ersten Arbeiten hatte sie mit Tippex und Stiften auf Karton gemalt, gleich am ersten Tag an einem Marktstand in Covent Garden verkaufte sie drei davon. „Ich habe mir damals gesagt, dass sich die Kunst lohnen muss, aber ich konnte von Anfang an davon leben“, berichtet sie.

2013 hatte sie die Gelegenheit, bei der Kunstmesse „The Other Art“ neben Tracey Emin auszustellen und gehörte 2017 zu den Top-Künstlern der „Battersea Art Fair“. Mit ihrem Bild „Midnight Guardian“ war sie ebenfalls 2017 bei der „National Open Art Competition“ vertreten – und gewann damit einen Preis. Dazu gehörte es, im „Oxo Tower“ auszustellen und zu wohnen. Das Bild, übrigens das letzte in London entstandene, drückt auch schon den Zwiespalt der Künstlerin aus, sich dort nicht mehr wohl zu fühlen.

Fleur Deakin ist nach eigenen Angaben eine der ersten Künstlerinnen, die mit Harz gearbeitet hat. „Ich verwende es mehr skulpturell, teils als Untergrund, um Tiefe zu erzeugen“, erklärt sie. Sie habe angefangen, Harz zu nutzen, „weil viele Leute Angst haben, Collagen zu kaufen, die dann auseinanderfallen“. Harz schütze Farben und Fotos gleichermaßen. Aber Fleur Deakin kann auch ohne, arbeitet teils mit Gips. Daher schleift und meißelt sie auch an ihren Werken herum. Blumen finden häufig den Weg auf ihre Leinwände, viele stehen aus ihrer Sicht symbolisch für etwas. „Stiefmütterchen sehen aus wie ein hysterisches, schreiendes Gesicht. Sonnenblumen mit ihren hängenden Köpfen wirken melancholisch und verlassen. Hibiskus, den ich sehr häufig in Iserlohn sehe, kommt esoterisch daher, bildet eine harmonische Verbindung zwischen maskulin und feminin“, sagt Fleur Deakin, die die Objekte ihrer malerischen Begierde oft fotografiert.

Ihre Bilder entstehen häufig in einer Art „geführtem Prozess“, entwickeln sich während der Arbeit. Um die möglichst konzentriert und gleichzeitig entspannt anzugehen, hört Fleur Deakin dabei gerne „Depeche Mode“, die Band aus ihrer Heimat verehrt sie seit Jahren. Derzeit will sie nicht nur ihre Deutschkenntnisse erweitern, sondern auch ihre Kollektion – um eine erste Solo-Ausstellung in Deutschland präsentieren zu können. Ihr Wunsch ist es, ein Werk für den öffentlichen Raum zu schaffen. „Ich erreiche meinen Traum täglich mehr, lebe ihn fast schon“, sagt sie.

Suche nach einer deutschen Galerie

Die Britin verlagert ihren Lebensmittelpunkt komplett nach Iserlohn, noch sucht sie nach einer Galerie in Deutschland, die sie künftig vertritt. Auch, weil sie hierzulande ein generell größeres Kunstinteresse verspürt als in ihrer Heimat. „Natürlich vermisse ich meine Familie in Großbritannien, aber über Social Media kann ich gut den Kontakt halten, außerdem ist man in nur einer Stunde mit dem Flugzeug dort. Hier ist es viel zentraler, um auch in andere Länder zu kommen“, sagt sie. In Iserlohn fühle sie sich „sehr sicher“. „Auch, wenn mir jemand vorgeworfen hat, ich würde wie eine Touristin aussehen“, gesteht sie und lacht danach herzlich.

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