Insolventes Abrechnungszentrum

AVP-Insolvenz: Mindestens eine Iserlohner Apotheke betroffen

Apothekerin Silvia Wulf weiß, dass die Insolvenz des Rechenzentrums AVP für betroffene Apotheken auch existenzgefährdend werden könnte

Apothekerin Silvia Wulf weiß, dass die Insolvenz des Rechenzentrums AVP für betroffene Apotheken auch existenzgefährdend werden könnte

Foto: Carolin Meffert

Iserlohn.  Das Abrechnungszentrum AVP ist insolvent. Auch in Iserlohn gibt es mindestens eine Apotheke, der nun Gelder fehlen.

„Fehlen Ihnen jetzt auch 100.000 Euro?“ – diese Frage habe Silvia Wulf, Inhaberin der Marktapotheke in der Iserlohner Innenstadt, von einem Kunden bereits gestellt bekommen. Dass das Düsseldorfer Rechenzentrum AVP insolvent ist, beschäftigt nicht nur rund 1000 Apotheker in NRW, sondern auch die Menschen vor Ort. Silvia Wulf selbst ist nicht davon betroffen, sie arbeitet mit einem anderen Rechenzentrum zusammen. „Für die Kollegen, die davon betroffen sind, ist es natürlich eine schwierige Situation“, weiß sie. Denn zwischen 70 bis 80 Prozent machen die ärztlichen Rezepte für den Umsatz aus. „Das kann durchaus existenzgefährdend sein.“

Auch Dr. Till Ossenkop, Inhaber der Schiller-Apotheke, ist selbst nicht betroffen, erklärt jedoch, wie der Abrechnungsprozess verläuft. In den 1950er und 1960er Jahren hätten die Apotheken selbst die Rezepte sortiert und an die Krankenkassen geschickt, um die Erstattungen einzufordern. Rechenzentren wie AVP, ARZ oder Noventi übernehmen heute als Dienstleister diese Aufgabe. An zwei Stichtagen erhalten die Apotheken Abschläge. „Es wird ein Abschlag am Anfang des Monats gezahlt“, erklärt der Apotheker. Dabei werde zunächst geschätzt, wie hoch der Betrag der gekauften Medikamente sein werde. „Wenn wir von einem Betrag von 100.000 Euro ausgehen und sich später herausstellt, dass es um die 110.000 Euro waren, dann bekommen die Apotheken Mitte des Monats die Differenz ausgezahlt“, erklärt er. Auf der einen Seite warten die Apotheken auf die Zahlungen der Krankenkassen, auf der anderen Seite stellt der Großhandel, von dem die Apotheken die Medikamente beziehen, eine Rechnung. „Wenn dann ein Teil ausfällt, wird es natürlich problematisch“, verdeutlicht Silvia Wulf.

Mindestens eine Apotheke in Iserlohn betroffen

Mindestens eine Apotheke in Iserlohn ist von der Zahlungsunfähigkeit des Rechenzentrums betroffen, wie eine erste nicht repräsentative Umfrage unserer Zeitung ergeben hat. Namentlich möchte die Inhaberin der Apotheke nicht genannt werden. In ihren Augen sei das Jahr 2020 von Beginn an „ein Griff ins Klo“ gewesen. Erst habe Corona alles auf den Kopf gestellt, und nun komme noch die Insolvenz von AVP hinzu.

Einen Vergleich zieht sie für die betroffenen Apotheken dabei zum normalen Einzelhandel. „Das ist so, als würden alle in einem Einzelhandelsgeschäft einen Monat lang einkaufen und keiner bezahlt.“ Denn all das, was sie für die Krankenkassen geleistet habe, werde nun nicht bezahlt. „Es fehlt jetzt einfach das Geld.“ Dass ihre Apotheke durch die Situation insolvent gehe, davon geht sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus. „Aber man muss halt hoffen, dass man jetzt irgendwie das Geld bekommt.“

Möglichkeit für Überbrückungskredite

Wie geht es für die Apotheke weiter? Als Erstes will sich die Apothekerin darum kümmern, das Abrechnungszentrum zu wechseln. Zudem würden alternative Möglichkeiten in die Bresche springen. „Da sind auch durchaus einige bereit, verfrühte Vorschüsse zu bezahlen. Es gibt zum Beispiel eine Apotheken- und Ärztebank, die auch entgegenkommend ist, was Zwischenfinanzierung und Überbrückungskredite angeht“, weiß sie.

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