Wohnen

B&S Iserlohn hat den demografischen Wandel im Blick

Jörg Schulte, Vorstandsmitglied der B&S (li.), und Hans Berkling, Technischer Leiter, auf dem Balkon einer der neuen Wohnungen an der Gutenbergstraße. Von dort kann man sogar den Danzturm sehen.

Jörg Schulte, Vorstandsmitglied der B&S (li.), und Hans Berkling, Technischer Leiter, auf dem Balkon einer der neuen Wohnungen an der Gutenbergstraße. Von dort kann man sogar den Danzturm sehen.

Foto: Andreas Drees / IKZ

Iserlohn.  Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft schließt an der Gutenbergstraße eine Etappe der Modernisierung und Aufstockung ab.

Auch wenn sich das Bauvorhaben dem Ende entgegen neigt, sind noch etliche Handwerker in den unterschiedlichsten Bereichen in dem Doppelhaus aktiv. Bis auf Kleinigkeiten sind die neuen Wohnungen im Dachgeschoss fertig, in den kommenden Wochen werden die Mieter einziehen. Die B&S, die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Iserlohn, hat die Modernisierung ihrer Objekte in der Iserlohner Heide, die Anfang der 1960er Jahre errichtet wurden, einen weiteren Schritt vorangetrieben. Mit dem Haus Gutenbergstraße 18-20 wird nun ein zusammenhängender Abschnitt abgeschlossen, dessen Gebäude ab der Nummer 2-4 rund um eine innenhofartige Grünfläche gelegen sind, die zu einem kleinen Park mit Spielplatz und Boulebahn aufgewertet wurde.

Vor allem in den Treppenhäusern ist noch der alte Zustand zu sehen, außerdem die neuen Elektroleitungen und die Übergänge jeweils zwischen dem alten Treppenhaus und dem neuen Anbau, der nicht nur Platz für den Aufzug enthält, sondern auch Abstellflächen auf jeder Etage, etwa für Kinderwagen und Rollatoren. Nach dem Einzug geht es dort an die Feinarbeiten. Seit 2004 modernisiert die B&S nach und nach die Objekte in diesem Bereich, die alten Flachdächer waren schadensanfällig. „Das war ein Grund, warum wir das in Angriff genommen haben“, berichtet Jörg Schulte, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der B&S. Ein weiterer: „Wir haben den demographischen Wandel im Blick gehabt und müssen unsere Gebäude entsprechend nachrüsten.“ Außerdem wurde in Wärmedämmung investiert, die bisherigen Loggien durch vorgebaute Balkone vergrößert.

Aufzüge und Platz für Kinderwagen und Rollatoren

Hans Berkling, Architekt und technischer Leiter bei der B&S, hat die Details im Blick. „Wir haben bei den Gebäuden jedes Jahr ein bisschen was anders gemacht“, erzählt er und verweist auf die oberen Balkone, die anders als die zuerst überarbeiteten Häuser nun mit Dächern versehen sind. Im letzten Doppelhaus der Reihe fallen die Anbauten mit dem Aufzug großzügiger aus. Aber in einem Punkt stimmt die Ausstattung in allen Gebäuden überein: Zugänge, Treppenhäuser und Außenbereiche kommen jetzt ohne Stufen aus, die Wohnungen sind barrierearm. „Dann können die alle bis 100 hier wohnen bleiben“, formuliert Berkling salopp ein Ziel: Das Wohnumfeld der älteren Mieterschaft auf deren Bedürfnisse anzupassen. Inzwischen stellen Schulte und Berkling fest, dass Senioren nach dem Umbau auf einen Auszug verzichten. Im Gegenteil: Es seien auch Ältere eben wegen der weggefallenen Stufen eingezogen.

Während sich im bestehenden Teil des Hauses jeweils drei Wohnungen pro Treppenhaus befinden, wurden im neu errichteten Dachgeschoss zwei Wohnungen zu jeweils rund 115 Quadratmeter geplant und in Holzbauweise auf das vorhandene Flachdach aufgesetzt, vier neue also in diesem Jahr. „Das ist der Standard, der überall drin ist“, erklärt Berkling beim Blick in die modernen Bäder. Zwei sind es pro Wohnung mit barrierefreien Duschen, Regenbrause und allerlei Details, die auch im gehobenen Wohnungsbau zu finden wären. Hier oben gibt es nicht nur zwei Schlafzimmer und einen großen Wohnbereich mit abgeschlossener offener Küche, sondern auch einen recht großen Balkon, von dem man sogar den Danzturm sehen kann. Downlights in den Decken, Klimaanlage, üppige Elektrik und ein Boden in hellgrauer Eicheoptik – nach günstigem Wohnraum sieht das zunächst nicht aus. 6,75 Euro kostet hier der Quadratmeter kalt, die Warmmiete liege dann, so Schulte, etwas über 1000 Euro. Dank des genossenschaftlichen Modells – die Nutzer der Wohnungen sind Mitglied der Genossenschaft – ist das möglich. Für die bestehenden Wohnungen erhöhe sich die Miete um 70 Cent, maximal auf 5,70 Euro pro Quadratmeter, sagt Schulte. „Wir hatten kaum angefangen zu bauen, da waren die Wohnungen schon weg“, erzählt Berkling aus seiner Erfahrung. Die B&S führe eine Warteliste für ihre Wohnungen.

Der Komplex mit Mehrfamilienhäusern am Beginn der Gutenbergstraße wird in diesem Jahr komplett modernisiert sein, auch was die Außenanlagen mit den neuen barrierefreien Zugängen angeht. Der Innenhof an dieser Stelle war ja bereits im vergangenen Jahr fertig gestellt worden. Acht Objekte sind damit aufgestockt und runderneuert, sechs weitere in der Iserlohner Heide fehlen dann noch, wie Schulte feststellt. Das Haus Gutenbergstraße 30-32 wird vermutlich als nächstes an die Reihe kommen.

Finanzierung der Maßnahmen ohne Kreditaufnahme

Gut zwei Millionen Euro hat die Genossenschaft nach Schultes Angaben in diesem Jahr an dieser Stelle investiert, bisher insgesamt rund 7,8 Millionen in dem Bereich. Aus Sicht der B&S ist das Wohnen im Bereich der Gutenbergstraße attraktiv, auch wegen des Umfeldes. „Die Grünanlagen, das ist das, was den Bereich hier ausmacht“, erzählt Schulte bei einem Blick auf Spiel- und Bouleplatz für die Mieter, der außerhalb der Coronazeit dafür auch gut angenommen werde. Deshalb habe man als B&S auch die freien Bereiche nicht bebaut, „nachverdichtet“ heißt das im Immobilienjargon. Viele junge Familien seien inzwischen eingezogen. Die Mischung scheint zu passen. „Was wir gut geschafft haben, ist, dass die alten Leute jetzt bleiben“, lobt Berkling den Effekt der Investitionen.

Insgesamt 1312 Wohnungen umfasst der Bestand der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Iserlohn, rund 180 davon fallen unter die Regelungen des sozialen Wohnungsbaus und seien mit geförderten Kriterien finanziert. Für die aktuellen Investitionen würden keine Kredite aufgenommen, erläutert Schulte, die Eigenkapitalquote der Genossenschaft liege bei über 85 Prozent. Neubauten seien nicht geplant, stattdessen würden die bestehenden Häuser nach und nach umgebaut, wenn erforderlich.

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