100 Jahre „Altes Stadtbad"

Badetempel mit den „Zügen einer Basilika"

Foto: IKZ

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„Möge es immer da sein und bleiben eine Quelle der Gesundheit und Erholung für alle Bewohner der Stadt”, diese Worte sprach Stadtbaurat Falkenroth am 12. Mai 1908 zur Eröffnung des „Alten Stadtbades”.

Immerhin ein Teil des ehrwürdigen Gemäuers, das neben „B & U” das bedeutendste Jugendstilgebäude in Iserlohn war, kann somit in diesem Jahr auf eine 100 Jahre alte Existenz zurückblicken.

1906 genehmigte die Stadtverordnetenversammlung den Plan zum Bau des „Städtischen Schwimm- und Heilbades”, 360 000 DM waren veranschlagt - am Ende verschlang die Badeanstalt fast das Doppelte. Für den Bau verantwortlich zeichneten die Architekten Meißner und Liborius aus Magdeburg, Stadtbaurat Falkenroth überarbeitete die Pläne. Der Bade-Tempel am damaligen Bahnhofsweg (heute Poth) hatte prachtvolle Jugendstil-Elemente, im Innern fanden sich lichtdurchflutete Räume. Dr. Ing. Norbert Aleweld sah gar „Züge einer Basilika”. Am ersten Badetag sprangen 6000 Besucher ins kühle Nass. Im Jahr 1909 zählte die Stadt insgesamt 152 172 Badende.

Schon 1919 wurde die Schwimmfreude getrübt, das Bad musste wegen Kohlemangel nach dem Ersten Weltkrieg für mehrere Monate geschlossen werden.

1921 ging das Bad in die Verantwortlichkeit der Betriebswerke über. 1930 wurde eine „Chlorisierungs-Anlage” eingebaut. Nicht nur Schwimmen stand hoch im Kurs, auch die Heilanwendungen waren gefragt. Es gab eine Dampfsauna, ein Fichtennadelbad, Fangopackungen und mehr. 1945 wurde das alte Stadtbad durch Bomben zerstört, die britische Besatzungsmacht machte sich allerdings bald an den Wiederaufbau. 1947 wurde es stundenweise für die Bevölkerung freigegeben. 1949 stellte die Stadt Iserlohn den zerstörten Seitenflüfel wieder her.

Wie aus einer Preisliste im Stadtarchiv ersichtlich wird, kostete 1955 das Schwimmen im Bad 50 Pfennig. Für ein Schaumbad zahlten die Iserlohner 2 Mark, für ein Ganzheilbad 2,50 Mark und für eine Ganzkörper-Fangopackung 3,25 Mark.

1958 übernahmen die Stadtwerke die Verantwortung für das Bad, es wurde umfassend renoviert (beispielsweise gab es eine neue Filtrieranlage, und die Kessel wurden ausgetauscht).

Doch die Tage des Bades waren gezählt, nach der Eröffnung des Gartenbades wurde 1969 das Schwimm-Bassin im „Alten Stadtbad” stillgelegt, die Räume standen lange Zeit leer. Von 1977 bis 1984 bot der „Iserlohner Verein für vorbeugende Gesundheitspflege” Sauna und Irisch-Römisches Dampfbad an.

Für die restlichen Räume gab es verschiedene Nutzungsvorschläge, vom Vogel-, Fisch- und Pflanzenhaus über ein Kulturzentrum bis zum Parkhaus. Anfang der 1980er Jahre brannte die Diskussion um die Zukunft des alten Gebäudes wieder auf. Einige waren für einen Abriss, doch bald gab es Proteste aus der Bevölkerung, sogar eine Bürgerinitiative gründete sich. Durch aufmerksame Bürger konnte 1982 zumindest das Jugendstil-Mosaik an der Südwestfassade vor dem Verfall gerettet werden. „Pracht-Ruine” war seinerzeit das Schlagwort in der Heimatzeitung.

Im Juli 1982 wurde die Evangelische Kirchengemeinde endgültig Besitzerin des Gebäudes, im Tausch hatte man der Stadt Grundstücke am Fritz-Kühn-Platz abgetreten. Die Gemeinde wollte eine Seniorenwohnanlage am Poth bauen. Nach vielen Diskussionen, Gutachten und Leserbrief-Schlagabtauschen wurde schließlich eine einvernehmliche Lösung gefunden. Das „Alte Stadtbad” wurde 1986 abgerissen - bis auf den Turm, die Treppenanlage und die Südwestfassade einschließlich Mosaik. Auch ein „Ochsenauge”, vier Wasserspeier, das Hauptportal, ein Treppengeländer und mehr wurde vor dem Abriss gerettet. Die schönen Jugendstilfenster wurden jedoch leider schon vor dem Abriss zerstört.

Es entstand dann 1987 die Evangelische Seniorenwohnanlage „Altes Stadtbad”, die mit den alten Jugendstil-Elementen ein besonderes Flair hat und in deren Begegnungszentrum viele Veranstaltungen stattfinden. In der Anlage wird übrigens am Samstag, 23. August, ab 11 Uhr auch das Sommerfest „100 Jahre Altes Stadtbad” gefeiert.

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