Corona-Gottesdienst

Bauernkirche Iserlohn - Mitsummen unter der Maske erlaubt

Bei den ersten evangelischen Gottesdiensten in der Bauernkirche nach der Lockerung der Coronabestimmungen mussten sich Besucher und Mitwirkende (re.: Martina Espelöer) umgewöhnen.

Bei den ersten evangelischen Gottesdiensten in der Bauernkirche nach der Lockerung der Coronabestimmungen mussten sich Besucher und Mitwirkende (re.: Martina Espelöer) umgewöhnen.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Iserlohn.  Bei den ersten evangelischen Gottesdiensten nach den Corona-Lockerungen betont Martina Espelöer betont tröstende Kraft des Gebets.

Durch die Lockerung der Coronaschutzverordnung haben am Wochenende auch die heimischen Protestanten erstmalig wieder zum gemeinsamen Gebet zusammengefunden. Unter „merkwürdigen Umständen“, wie Pfarrer Jürgen Löprich am Sonntag in der Bauernkirche einräumte. Die Besucher mussten am Eingang ihre Personalien angeben, die Hände desinfizieren, im Gebäude Mundschutz tragen, und pro Haushalt blieb um jeden Teilnehmer großzügig Platz.

Die für viele vermutlich schwerwiegendste Einschränkung lautete: Mitsingen verboten. „Sie dürfen aber unter der Maske mitsummen“, versuchte Löprich zu trösten. Superintendentin Martina Espelöer berichtete später in ihrer Predigt von ihrer eigenen Erfahrung auf dem Weg in den „Lockdown“. Dass es keine Gottesdienste mehr geben würde, habe sie sich anfangs gar nicht vorstellen können. Als die Gläubigen den Kirchenglocken dann tatsächlich nur vom eigenen Fenster aus lauschen konnten und auch sie selbst sich anschickte, zu Hause zu beten, habe eine Freundin angerufen: „Wir haben dann zusammen am Telefon gebetet. Es ist schwerer, so den Rhythmus zu halten, aber dieses Erlebnis hat mich tief berührt.“

Martina Espelöer sprach über das Leid und Sterben in Krankenhäusern vor allem in jenen Ländern, in denen die Pandemie die meisten Opfer fordert: „Wenn man dann hört: ,Dein Wille geschehe’, stockt einem doch der Atem.“ Im Evangelium heiße es aber auch: „Fürchtet euch nicht.“ Christen müssten akzeptieren, dass sie nicht alles verstehen können, hätten im Gegenzug aber die Hoffnung auf Erlösung.

„Wir müssen uns Gott anvertrauen. Das bedeutet auch, dass wir uns ausliefern“, betonte die Superintendentin und zeigte sowohl anhand von Bibelgeschichten über Jesus als auch an dem von den Nationalsozialisten ermordeten Dietrich Bonhoeffer auf, dass auch an diesen „der Kelch nicht vorübergegangen ist“. Beide hätten sich auf die „große Trostkraft des Gebets“ besonnen, die nichts von ihrer Wirksamkeit verloren habe und die nicht davon abhängig sei, dass jemand fest im Glauben stehe.

Wer aus Zweifel nicht beten könne, dem empfahl sie, trotzdem in die Kirche zu kommen und dem gemeinsamen Gebet zu lauschen. Die Krise könne der Kraft des Glaubens nichts anhaben: „Die wirkt auch mit Mund-Nasen-Schutz und anderthalb Metern Abstand.“

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