Wohnungsmarkt

Bei der IGW ist wieder ein Plus unterm Strich

Geschäftsführer Olaf Pestl, Simone Szabo (kaufmännische Leiterin), die neue Prokuristin Julia Anneke Kunz, der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Schmitt und der scheidende Prokurist Gerhard Rademacher (v.li.) stellten die IGW-Bilanz vor.

Foto: Andreas Drees

Geschäftsführer Olaf Pestl, Simone Szabo (kaufmännische Leiterin), die neue Prokuristin Julia Anneke Kunz, der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Schmitt und der scheidende Prokurist Gerhard Rademacher (v.li.) stellten die IGW-Bilanz vor. Foto: Andreas Drees

Iserlohn.   Die Investitionen der vergangenen Jahre zahlen sich durch eine sinkende Leerstandsquote aus. Die Gesellschaft hat Pläne für die Altstadt und für Kalthof.

Ein Geschäftsjahr mit neuen, großen Projekten, die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Unternehmens und ein Jahresabschluss, der unter dem Strich erstmals seit 2009 wieder einen Überschuss ausweist: Olaf Pestl, Geschäftsführer der IGW – Iserlohner Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH, blickte am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresabschlusses 2016 offensichtlich zufrieden zurück auf die Entwicklung, die das Iserlohner Wohnungsunternehmen genommen hat. In der Bilanz 2016 steht ein Jahresüberschuss von rund 225 000 Euro, nach einem Fehlbetrag von 836 000 im Jahr 2015 ein Sprung nach vorne.

Für das Minus am Ende des Jahres 2015 waren hohe, vorgezogene Investitionen in den Bestand verantwortlich, aber die Modernisierungsaufwendungen der Vorjahre zahlen sich nun aus. „Wir haben es geschafft, durch Investitionen in den Bestand die Leerstandsqoute nach unten zu korrigieren“, erklärte Pestl bei der Bilanz-Pressekonferenz. Die lag zum 31. Dezember 2016 bei 4,4 Prozent der Wohnungen, zehn Jahre zuvor hatte der Wert noch bei 11,8 Prozent gelegen. Nach wie vor investiert die IGW in den Bestand: 20,58 Euro pro Quadratmeter betrugen die Kosten im Jahr 2016 und liegen damit über dem Branchenschnitt. Die durchschnittliche Kaltmiete betrug bei der IGW im Jahr 2016 exakt 4,58 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Für modernisierte Wohnungen gibt es viele Interessenten

Das sieht Pestl als Grund, warum die IGW keine einzige Wohnung mit Vermietungsschwierigkeiten im Bestand habe. Am Jahresende 2016 standen zwar 70 Wohnungen leer, die waren und sind jedoch zur umfassenden Erneuerung vorgesehen. „Sobald sie renoviert sind, habe ich sie sofort wieder vermietet“, sagt der Geschäftsführer. Die Fluktuationsquote, also der Anteil der gekündigten Mietverhältnisse, lag 2016 bei 8,6 Prozent und damit etwas niedriger als noch 2015. Das spreche zwar für die Qualität der IGW-Wohnungen, hänge aber auch mit dem Wohnungsmarkt insgesamt zusammen: Denn wer keine passende neue Wohnung findet, der bleibt eben.

So hat sich die IGW dann auch im Jahr 2016 erstmals seit vielen Jahren wieder aktiv mit Neubauten beschäftigt, allen voran mit dem Projekt Rahmenstraße 14/16 und Kluse 45, das mit Ausnahme von Außenarbeiten im Jahr 2017 im Mai und im Oktober 2016 planmäßig fertiggestellt und bezogen wurde. 33 Wohnungen mit modernen Grundrissen samt Tiefgarage sind dort entstanden, dazu zwei Gewerbeeinheiten. Das Gebäudeensemble in stadtnaher Lage, an deren Planung sich Interessenten und spätere Bewohner beteiligt hatten, ist aus Sicht der IGW ein voller Erfolg. Aktuell ist dort nur eine einzige Wohnung frei, deren Vermietung Olaf Pestl aber gelassen entgegensieht. Das Gebäude sei die „städtebaulich richtige Antwort“ auf die Prägung des Gebietes gewesen, sagt der IGW-Geschäftsführer und betont, er glaube an die Möglichkeit, ein „Quartier“, also einen Bereich in der Stadt durch Baumaßnahmen weiterzuentwickeln.

Planerisch und bautechnisch hatte zudem die „Bauhaussiedlung Schlieper“ das Jahr 2016 geprägt. Nach der vorausgegangenen Diskussion über Abriss oder Erhaltung unter Denkmalschutz sieht Olaf Pestl dort ein Erfolgsprojekt, „das darf ich mittlerweile sagen“, nach dem er vor fünf Jahren noch Zweifel hatte. Nach dem Projektstart im Jahr 2016 geht es 2017 mit voller Kraft weiter. Inzwischen sieht der Bereich von außen betrachtet wie ein Neubau aus. Von 17 Ausbauhäusern, die aus den ehemaligen architektonisch geradlinigen Notwohnungen entstanden sind, haben zehn bereits neue Käufer gefunden, für weitere gibt es Interessenten. Einen Häuserblock mit zwölf Wohnungen baut die IGW zur Vermietung neu aus, zum 1. Oktober 2017 sollen dort die Bewohner einziehen. Bis auf zwei Wohnungen sind schon alle Wohnungen vermietet. In der Bilanz für 2016 erscheinen vor allem die Kosten des Projekts, da die Kaufverträge erst 2017 abgeschlossen wurden und noch werden.

Bauprojekt mit „Beginen“ und DRK wächst am Baarbach

Vollständig abgeschlossen wurde 2016 der Umbau des Gebäudes Mühlentor 13, in dem seither behinderte junge Menschen in Gemeinschaft selbstbestimmt wohnen. Ebenfalls fertiggestellt wurden 2016 insgesamt 50 modernisierte Wohnungen für Flüchtlinge, und auch der Umbau des Hansahauses zu Wohnraum für Flüchtlinge fiel in das Bilanzjahr 2016. Im Frühjahr begann der Umbau, erste Abschnitte wurden schon im September an die Stadt übergeben.

Die Projekte, mit denen sich die IGW aktuell und in Zukunft befasst, sind zum Teil bereits benannt. Die Bauarbeiten für das Wohnprojekt mit „Beginen“ (alleinlebende Frauen) und der DRK-Kindertagesstätte an der Wallstraße in Baarbach-Nähe haben begonnen, aktuell werden Pläne für den Bereich Am Zeughaus/Südengraben entwickelt, wo Gastronomie und Wohnungen im Quartier entstehen sollen. 2018 soll ein Architektenwettbewerb für den Bereich Mühlentor in Richtung Kurt-Schumacher-Ring ausgeschrieben werden, wo die IGW abrissreife Häuser ersetzen will. Die Innenstadt liegt Pestl am Herzen, „weil wir überzeugt sind, dass diese Quartiere Zukunft haben“.

Auch Kalthof steht auf der Agenda: Überlegungen, dort Service-Wohnen in „gemischten Strukturen“ anzubieten, befinden sich in einer frühen Phase.

Julia Anneke Kunz ist die neue Prokuristin

IGW-Geschäftsführer Olaf Pestl wie auch der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Schmitt lobten beim Bilanzpressegespräch unisono die Mitarbeiterschaft des Unternehmens, die trotz der Projekte und des Jubiläums nicht angewachsen sei. Pestl wartet aktuell auf einen Neuzugang im Planung Stadtentwicklung, dann sollen einige Projekte aktiv vorangetrieben werden.

Derweil geht der technische Leiter und Prokurist Gerhard Rademacher nach 33 Jahren im Unternehmen in den verdienten Ruhestand. Als er 1984 ins Unternehmen kam, erschloss die IGW gerade als Bauträger das Neubaugebiet Sümmern-Rombrock. Heute sind die Projekte eher im innerstädtischen Bereich zu finden.

Die Nachfolge Rademachers als Prokurist tritt Julia Anneke Kunz an, Diplom-Ingenieurin und Leiterin des Bereichs Stadtentwicklung. Sie gehört seit Januar 2014 zum Team der IGW und möchte gerne in ihrer Funktion „gute Fußabdrücke im Stadtgebiet hinterlassen“.

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