Kriminalität

Betrügerische Spendensammler auf Tour

Dieses Bild ist gestellt: Mit derartigen Unterschriftenaktionen sind „Klemmbrett-Betrüger“ auch in Iserlohn unterwegs.

Dieses Bild ist gestellt: Mit derartigen Unterschriftenaktionen sind „Klemmbrett-Betrüger“ auch in Iserlohn unterwegs.

Foto: IKZ

Iserlohn.   Osteuropäische Banden operieren in ganz NRW nach derselben Masche und nutzen die Hilfsbereitschaft der Menschen aus, um sie auszurauben. In Iserlohn sind aktuell „Klemmbrett-Betrüger“ unterwegs.

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„Bei Real und in der Innenstadt am Schillerplatz sind wir jetzt wiederholt von jungen Leuten angesprochen worden, die mit einer Unterschriftenliste um Unterstützung für Taubstumme warben“, berichtet Dagmar Rust aus Sümmern . Die Fachlehrerin einer Förderschule stutzte: „Ich arbeite in dem Bereich, ich kenne Euch nicht“, habe sie den jungen „Spendenwerbern“ zur Antwort gegeben und gleich die Unterschrift oder eine Geldspende verweigert mit dem Hinweis: „Das ist nicht seriös. Auch der Begriff Taubstumme ist überholt, man spricht von Gehörlosen, habe ich denen gesagt. Dann waren sie gleich ,anti’ und gingen ihrer Wege.“ Die Unbekannten hätten sich dann mit anderen Unterschriftensammlern in der Nähe ausgetauscht und seien danach schnell verschwunden.

Klemmbrett-Betrüger sammeln für Taubstumme

Ihre Nachfrage bei der Iserlohner Polizei ergab: „Die Klemmbrett-Betrüger sind wieder unterwegs. Gerade in den Sommermonaten treiben sie in vielen Städten ihr Unwesen und versuchen mit der Mitleidsmasche für angeblich karitative Zwecke gutgläubige Menschen auszunehmen. Mit den Klemmbrettern abgelenkt, werden die hilfsbereiten Passanten von den anderen ‘Taubstummen’ beklaut.“

Bei der Recherche im Internet entdeckte ihr Mann Rudolf Rust ähnliche Unterschriftenlisten, mit denen auch in anderen Städten Spendensammelbetrug meist in Verbindung mit Taschendiebstahl betrieben wird: „Die gleichen Symbole, ein Rollstuhlfahrer, die Deutschlandflagge und ein Europazeichen und der Hinweis auf das „Zertificat des regionalen Verbundes für Taubstumme und köperbehinderte Personen und für arme Kinder“, für die ein internationales Zentrum geschaffen werden soll. Auch dort sollten sich Unterstützer mit Namen und Adresse eintragen. Dahinter waren dann die Spenden vermerkt. Die in laienhaften und in fehlerhaftem Deutsch geschriebenen Listen enthielten keine Kontoverbindungen der vermeintlichen Hilfsorganisation.

Polizeisprecher Dietmar Boronowski bestätigte: „Organisierte Banden für Trickdiebstähle sind aktuell in der Iserlohner Innenstadt auf offener Straße, in Einkaufszentren, auf Parkplätzen und vor Geldautomaten unterwegs. Mit Klemmbrettern oder anderen Methoden lenken sie die Leute ab, um ihnen Geld oder Handys aus den Taschen ziehen.“ Die Polizei habe etliche besorgte Anrufe von Personen erhalten, die von den dubiosen Spendensammlern angegangen wurden. Die verdächtigen Personen wurden wiederholt überprüft und erkennungsdienstlich behandelt und Ermittlungen wegen Trickbetruges, Diebstahl oder Bandendiebstahl aufgenommen. Wenn die Verdächtigen einschlägig in Erscheinung getreten seien, werden weitere Schritte eingeleitet, angefangen von einem Platzverweis bis zu Festnahmen.

Zumeist Osteuropäer mit Wohnsitzen im Ruhrgebiet

„Zu 99 Prozent handelt es sich um Personen aus Osteuropa mit festem Wohnsitz in Dortmund oder Duisburg, die NRW-weit im Einsatz sind“, berichtet Dietmar Boronowski weiter. Es sei aber ein Kampf gegen Windmühlen angesichts der flexibel operierenden Banden: „Meistens kommt nicht viel dabei rum, weil die Taten im Versuchsstadium stecken blieben.“ Oder die Geschädigten melden sich nicht oder zu spät, wenn die Sammler schon wieder über alle Berge sind. Die Polizei warnt vor solchen Betrügern und bittet um Hinweise unter 9199-0. Wie bereits berichtet, können seriöse Spendensammler sich ausweisen und tragen Gütesiegel wie etwa vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI).

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