Landgericht

Beim Betteln ein Messer gezückt

Ein 42-jähriger Iserlohner (links) steht wegen schweren Raubes vor der 9. Großen Strafkammer des Hagener Landgerichts.

Ein 42-jähriger Iserlohner (links) steht wegen schweren Raubes vor der 9. Großen Strafkammer des Hagener Landgerichts.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn/Hagen.   Zehn Euro erbeutete ein drogensüchtiger Frührentner bei einer Attacke mit einem Teppichmesser. Er brauchte Geld für Drogen und Alkohol.

Drogendelikte, Beschaffungskriminalität, Raub, gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Erschleichen von Leistungen und Verstöße gegen das Waffengesetz – das sind einige der Delikte im langen Vorstrafenregister eines 42-jährigen Iserlohners. Seit Mittwoch muss sich der drogensüchtige Frührentner wegen besonders schweren Raubes vor dem Landgericht in Hagen verantworten.

In der vergangenen Woche saß der Iserlohner noch mit zwei Komplizen wegen gemeinschaftlichen Diebstahls auf der Anklagebank des Iserlohner Schöffengerichtes. Im Hellweg-Markt hatten sie im September 2018 Bohrmaschinen gestohlen, um mit deren Verkauf an Drogen zu kommen (wie berichtet).

Angeklagter bedroht Rentner auf Supermarktparkplatz

Vor dem Hagener Landgericht gab er gestern zu, mit einem Teppichmesser am 13. September auf dem Rewe-Parkplatz am Bädekerplatz einen Rentner angegriffen zu haben. Er wollte diesem aber nur Angst machen, indem er mit dem Messer vor seinem Gesicht herumgefuchtelt habe, erklärte der Angeklagte. Das schilderte sein Opfer ganz anders. Er fühlte sich von dem Unbekannten, der ihn zunächst nur angebettelt hatte, schon bald bedroht. Mit den Worten „Tu mich nicht beleidigen“ konterte der Drogensüchtige die heftige Abwehr des Mannes. Und drohte mit dem Teppichmesser in Augenhöhe herumfuchtelnd: „Ich schlachte Euch alle ab. Tu die Kohle raus.“ Der Hemeraner habe den Angeklagten zunächst zurückgewiesen, ihm dann aber doch zehn Euro gegeben, schilderte der Zeuge das Geschehen. Und sein damaliger Eindruck war: „Ich dachte, das ist ein Täter, der sich als Penner tarnt.“

Nach der Messerattacke sei er dann in sein Auto gestiegen und weggefahren. Unterwegs habe er nochmal angehalten und den Sachverhalt stichwortartig auf einen Briefumschlag festgehalten. Erst am Tag drauf erstattete er Anzeige und ließ ein Phantombild anfertigen. Zwei Monate später traf er den Mann wieder, der wieder auf dem Rewe-Parkplatz die Kunden anbettelte. Der Hemeraner alarmierte die Polizei, die den Bettler auf dem Parkplatz stellte. Der stritt allerdings den Raub kategorisch ab, berichtete ein Polizeibeamter. „Ich wollte mir doch die Einnahmequelle nicht verbauen“, soll der Beschuldigte zu Protokoll gegeben haben. Denn manchmal haben ihm Leute, die er um Geld angepumpt habe, einen Job im Haushalt oder im Garten gegeben. „Die hätten mir nicht wieder vertraut, wenn ich das wirklich gemacht hätte.“

Der überfallene Mann ist seit der Teppichmesserattacke in psychotherapeutischer Behandlung, leidet an Herzrasen, Schlafstörungen und Schreckhaftigkeit, berichtete er von Folgen des Raubüberfalls.

Missbrauch, Alkohol, Drogen und Obdachlosigkeit

Der Angeklagte, Vater eines Kindes, schilderte schlaglichtartig sein verkorkstes Leben: Missbrauch seit frühester Kindheit, liebloses Elternhaus, Kindheit bei den Großeltern, abgebrochene Schule und Ausbildungen, früher Kontakt zu Alkohol und Drogen, Straftaten, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit. Zuletzt konsumierte er neben Methadon und Heroin eine Kiste Bier am Tag. Am 10. Mai geht der Prozess, für den drei Verhandlungstage angesetzt sind, mit einem psychiatrischen Gutachten und den Plädoyers weiter. Für besonders schweren Raub sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren vor.

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