Arbeitslose

Bewerbungen im Minutentakt

Mit zuvor vereinbarten Terminen und spontan konnten sich die Bewerber im Goldsaal bei den Firmenvertretern vorstellen.

Mit zuvor vereinbarten Terminen und spontan konnten sich die Bewerber im Goldsaal bei den Firmenvertretern vorstellen.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Das erste große Job-Speed-Dating mit mehr als 200 Teilnehmern war ein voller Erfolg.

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Das „Speed Dating“ ist zumeist denjenigen ein Begriff, die sich auf Partnersuche begeben wollen. Im Minutentakt lernen sich potenzielle Partner kennen – und im besten Fall am Ende auch lieben. Ähnlich hat es sich gestern im Goldsaal der Schauburg dargestellt, allerdings ging es dort um das Kennenlernen von Arbeitsuchenden und Unternehmen.

In ganz kleiner Form hatten Jobcenter und Agentur für Arbeit ausgewählte Kunden bereits zu Veranstaltungen dieser Art in die eigenen Räume eingeladen, am Donnerstag gab es nun die große Premiere in Zusammenarbeit mit dem Bereich Bildung der TÜV Nord gGmbH. Friedhelm Kock, Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur, erklärt, wie es zur Kooperation kam: „Das Ganze benötigt viel Vorbereitung, die wir und das Jobcenter nicht leisten können. Die Kunden müssen persönlich informiert werden.“ Hermann Oecking, Geschäftsführer des Bildungsbereichs beim TÜV Nord mit Sitz in Essen, ergänzt: „Die Teilnehmer wurden drei Tage lang vorbereitet, unter anderem in Einzelcoachings, beim Erstellen ihrer Bewerbungsflyer und in Gruppenphasen. Dabei ging es unter anderem um Vorstellungsgespräche, die viele Teilnehmer oft seit Jahren nicht erlebt haben.“ Wichtig sei auch ein „gewisses Volumen von Arbeitgebern“, so Kock, die erforderlich seien, um den Kunden ein möglichst gutes Spektrum bieten zu können. „Die Unternehmen mögen das Format“, weiß Oecking.

Im Zehn-Minuten-Takt hieß es also am Donnerstag für die 234 ausgewählten Kunden von Jobcenter und Arbeitsagentur, entweder zu bereits im Vorfeld vereinbarten Terminen zu erscheinen, oder auch spontan bei den Vertretern von 30 heimischen und überregionalen Firmen vorzusprechen. „Kurze, prägnante Dialoge, keine kompletten Vorstellungsgespräche, keine umfassenden Bewerbungsmappen“, nennt Kock das Erfolgsrezept des Job-Speed-Datings in lockerer Atmosphäre, das Hemmschwellen abbauen soll. „Wir sprechen von einer Vermittlungsquote zwischen 20 und 40 Prozent“, sagt Oecking. Und selbst diejenigen, die nicht erfolgreich seien, würden aus der Veranstaltung deutlich selbstbewusster gehen.

Ob Menschen mit Schwerbehinderung, Langzeitarbeitslose, Hilfskräfte oder Facharbeiter – die Liste der Angebote für die Teilnehmer war lang. Bäckerei-Ketten suchen Verkäuferinnen, andere Firmen Fachleute für Maschinenbau oder Lagerlogistik, es gab Angebote für Schulbegleiter für Kinder mit Einschränkungen, Kundenberater bei Banken und viele weitere Jobs mehr. „Wir haben bewusst auf Zeitarbeitsfirmen verzichtet“, so Kock.

Persönlicher Kontakt und Flyer werden geschätzt

Ein alteingesessenes Iserlohner Unternehmen war mit Breer Gebäudedienste vertreten. Nils Kowalski und Niclas Sommer hatten bereits am späten Vormittag mehr als 30 Gespräche geführt. „Bei einigen Bewerbern hat man gemerkt, dass sie mit den Vorschlägen von Jobcenter oder Arbeitsagentur nicht einverstanden sind. Deutlich mehr Interesse gab es bei denjenigen, die sich von sich aus vorgestellt haben“, erklärt Nils Kowalski. Niclas Sommer lobte die übersichtlichen Bewerbungsflyer und den persönlichen Kontakt. Eine Teilnehmerin, die anonym bleiben wollte, verriet: „Ich bin gespannt, fand die Art der Veranstaltung gut, wobei die Vorschläge vom Arbeitsamt nicht ganz meinen Vorstellungen entsprechen.“

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