Landfahrer

„Bis 13 Uhr muss der Platz geräumt sein“

Nach massivem Polizeiaufgebot, aber konfliktfrei, setzte sich die Kolonne der irischen Landfahrer am Freitag gegen 12 Uhr am Seilersee in Bewegung.

Foto: Michael May

Nach massivem Polizeiaufgebot, aber konfliktfrei, setzte sich die Kolonne der irischen Landfahrer am Freitag gegen 12 Uhr am Seilersee in Bewegung. Foto: Michael May

Iserlohn.   Für die irischen Landfahrer ist der Ausflug nach Iserlohn nur ein kurzes Gastspiel geblieben. Unter massivem Aufgebot der Bereitschaftspolizei haben sie den Seilersee-Parkplatz geräumt.

Am Ende war es nur eine Stippvisite: Rund 400 bis 500 irische „Landfahrer“ mussten am Freitagmittag die Waldstadt wieder verlassen. Mit starker Präsenz machten Polizei und Stadt deutlich, dass in Iserlohn für die „Travellers“ kein geeignetes Terrain für wildes Campieren zu finden ist. So schnell, wie die Landfahrer mit ihren rund 100 Wohnmobilen und Camping-Anhängern am Donnerstagabend gekommen waren, so schnell waren sie dann im strömenden Regen vom Schotterparkplatz am Seilersee auch wieder verschwunden.

Von Gummersbach aus hatten sich die Landfahrer am Donnerstagnachmittag zunächst in Menden gesammelt. Die Stadt untersagte jedoch das Campieren auf Battenfelds Wiese, und sie mussten weiterziehen. Aber wohin? Schließlich stand die Nacht bevor für die fahrenden Familien, die mit Kind und Kegel unterwegs waren – und dann Richtung Iserlohn steuerten.

Zuflucht geben für eine Nacht

„Es ging darum, den Menschen nicht noch eine längere Fahrt mitten durch die Nacht zuzumuten“, erklärt Ordnungsamtsleiterin Angela Schunke. So signalisierte der Bereitschaftsdienst des Ordnungsamts am Donnerstagabend in Absprache mit der Polizei „zähneknirschend", dass die Landfahrer über Nacht auf dem Seilersee-Parkplatz bleiben dürften, erläutert Angela Schunke. Länger aber auch nicht.

Irische Landfahrer reisen ab aus Iserlohn

400 bis 500 irische "Gipsys" mussten am Freitagmittag den Seilersee-Parkplatz in Iserlohn räumen.
Irische Landfahrer reisen ab aus Iserlohn

Das interpretierten die „Gipsys“, wie sie sich im Gespräch am Freitag selbst nannten, jedoch ganz anders. „Die Stadt hat uns zugesagt, dass wir bis Dienstag bleiben können“, betonte einer der Landfahrer, der mit Angela Schunke am Seilersee diskutierte. Seinen Namen wollte er nicht sagen, er sei auch kein offizieller Sprecher der Landfahrer – aber aus seiner Stimme schien zumindest der Frust der ganzen großen Gruppe zu sprechen.

Will uns Deutschland die Reisefreiheit nehmen?

Ihre Argumente: Die Zeit der Verfolgung bis 1945 ist vorbei. Wir sind Iren, gehören zur Europäischen Union und haben Reisefreiheit. Will uns der deutsche Staat dies nehmen? So sprachen die irischen Landfahrer gestern immer wieder von „Rassismus“, zumal ihnen die Polizei einen Handzettel mit Karte überreicht hatte: Der gesamte Märkische Kreis als „Restricted Area“ für die irischen Landfahrer.

Mehr noch: Das Iserlohner Ordnungsamt habe sogar gesagt, die Landfahrer seien in ganz Deutschland unerwünscht: „150 Leute von uns können das bezeugen“, betonte der irische Landfahrer. Und warum nehme Deutschland Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien oder Afrika auf, während Landfahrer aus Irland vom Parkplatz vertrieben würden?

So fuhren die reisenden Iren nach durchfeierter Nacht und im strömenden Regen eines tristen Freitags verbal große Geschütze auf. Auf solche Debatten ließen sich Ordnungsamtsleiterin Angela Schunke und die Polizei aber nicht ein. „Ich betone das noch einmal: Es geht hier nicht um Nationalitäten und Personen.“ Es gebe für eine solch große Gruppe einfach in Iserlohn keine Möglichkeit zu campieren. Es habe auch nie eine Zusage bis Dienstag gegeben, unterstrich Angela Schunke. Zumal das Gelände am Seilersee am Sonntag für den lange geplanten Trödelmarkt bereit stehen müsse.

Polizei: Im Kreis ziehen alle an einem Strang

Der Handzettel wiederum „sollte ein klares Signal sein, dass dies für alle Kommunen im Märkischen Kreis gilt, und wir alle an einem Strang ziehen“, erklärt Polizeisprecher Marcel Dilling. Zum einen, weil es im ganzen Kreis keine entsprechenden Campingflächen gebe – zum anderen aber auch wegen der Entwicklung in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.

Denn völlig friedlich, wie es am Donnerstagabend zunächst schien, ist die Stippvisite der Landfahrer nicht geblieben. Teils zu Fuß, teils mit Autos machten sie sich auf, um Iserlohns Kneipenszene kennenzulernen. Da war auch eine Menge Alkohol im Spiel, einige Gläser gingen offenbar zu Bruch. Auf den Straßen ließen manche „Gipsys“ derweil die Motoren wummern und die Reifen quietschen. Deshalb blieb die Polizei auch die ganze Nacht über wachsam. Insgesamt seien rund 100 Personen und 60 Fahrzeuge kontrolliert worden, bilanziert Marcel Dilling.

Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Denn am Ende war zwar – in einem Pulk von Landfahrern – an einer Tankstelle in der Mendener Straße ein Ire ohne Zahlung davongefahren, ein anderer hatte der Polizei den „Hitlergruß“ gezeigt – und ein Dritter war nach kurzer Flucht mit etwas über 0,5 Promille am Steuerrad erwischt worden.

Aber bei allen anderen rund 60 Autokontrollen am Donnerstagabend war kein einziger der irischen Fahrer alkoholisiert. Auch die Abreise am Freitag zur Autobahn brachte zwar am Seilersee-Platz etwas stockenden Verkehr, aber verlief nach Polizeiangaben „friedlich und störungsfrei“.

Bis 13 Uhr müssten die „Travellers“ den Platz geräumt haben, machte Ordnungsamtsleiterin Angela Schunke klar. Es war just fünf Minuten vor zwölf. Wenige Minuten später fuhr eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei vor, die sich zuvor am Hemberg gesammelt hatte. Und gegen 12.20 Uhr waren die Landfahrer wieder unterwegs auf der Autobahn. Wohin, das blieb am Freitag offen.

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