Stadtleben

Brandschutz als Dauerthema

Im Gespräch (v. li.): Christian Eyring, Christopher Rosenbaum, Volker Noack von der Feuerwehr Iserlohn.

Im Gespräch (v. li.): Christian Eyring, Christopher Rosenbaum, Volker Noack von der Feuerwehr Iserlohn.

Foto: Tim Gelewski

Iserlohn.  Nicht nur im Rathaus – Brandschutzmängel sind ein Dauerthema. Im Gespräch erklären drei Experten der Feuerwehr, warum sie oft unentdeckt bleiben

Das Jahr 1996, das Feuer im Flughafen Düsseldorf – für den Brandschutz in Deutschland markiert der Vorfall eine Zäsur. Zwar wurden die Vorschriften in der Folge nicht allumfassend verschärft – klare Anforderungen an Brandwände, Treppenhäuser und Rettungswege hatte es schon zuvor gegeben – nach der Katastrophe wurde aber aufmerksamer hingeschaut.

Und dies auch in Iserlohn. Allerdings: „Das Baurecht der 60er Jahre fällt uns heute oft auf die Füße“, sagt Christopher Rosenbaum. Was der Abteilungsleiter Einsatzvorbereitung bei der Feuerwehr Iserlohn meint: Aufgrund der in der Vergangenheit niedrigeren Standards gibt es bei den Gebäuden der Stadt unterschiedliche Qualitäten beim Brandschutz. Und somit oft Nachbesserungsbedarf.

Brandsicherheit bedeutet nicht immer große Maßnahmen

Oft sind es Bürger, die sich um die Sicherheit im Brandfall sorgen, die die Feuerwehr rufen, die dann vor Ort an Häusern nach möglichen Gefahrenquellen oder Lücken beim Brandschutz sucht. Manchmal ist es auch die Feuerwehr selbst, wie beispielsweise mal in der Fabrik an der Oberen Mühle, die bei Einsätzen Mängel entdeckt, die dann von den Eigentümern zu beseitigen sind.

Nicht immer hat das große Maßnahmen zur Folge. Möglich ist das aber schon. Im vergangenen Jahr musste beispielsweise in Gerlingsen eine Aufstellfläche für eine Drehleiter errichtet werden. An der Oberen Mühle hat die IGW die Sicherheit an einem Gebäudeteil mit einem Gerüst gesichert. Ein Provisorium – hier muss noch eine Außentreppe als zweiter Fluchtweg her.

Bei Gebäuden, die etwa in den 60er und 70er Jahren errichtet wurden, gilt oft Bestandsschutz – „außer es wird eine eindeutige Gefahrenquelle identifiziert“, sagt Volker Noack, Sachgebietsleiter Gefahrenvorbeugung. „Dann muss etwas unternommen werden.“

Der Unterschied zwischen aktuellen und Brandschutzanforderungen etwa der 60er zeigt sich zum Beispiel bei fehlenden Rauchmeldern, schlecht abgedichteten Brandschutztüren, Wandstärken – und vor allem beim Thema Erreichbarkeit. Früher reichte es aus, wenn eine von mehreren Wohneinheiten im Obergeschoss eines Hauses mit der Drehleiter erreichbar war. Man ging davon aus, dies wäre als zweiter Rettungsweg neben dem Treppenhaus ausreichend – selbst dann, wenn ein Geschoss so aufgeteilt ist, dass ein Durchgang zwischen allen Wohnungen gar nicht möglich ist.

„Heute muss jede Wohnung mindestens ein anleiterbares Fenster haben“, erklärt Noack weiter. Oder eben ein zweites zugängliches Treppenhaus als zweiten Fluchtweg.

„Schulen und Krankenhäuser werden noch mal anders behandelt“, erklärt Christian Eyring, der zum 1. Januar die Stelle von Volker Noack übernimmt. „Die müssen immer zwei Treppenhäuser haben.“

Das Unverständnis vieler Bürger, warum die Brandschutzmängel im Rathaus, Baujahr 1974, nicht schneller bemerkt wurden, können die Experten nur bedingt nachvollziehen. Zwar gebe es neben den Kontrollen, die die Verwaltung selbst durchführt, alle sechs Jahre eine Brandverhütungsschau im Rathaus durch die Feuerwehr – „eine gutachterliche Untersuchung kann das aber nicht ersetzen“, sagt Rosenbaum. Weil eben nur auf Funktion geprüft wird – und die Einrichtungen in der Vergangenheit genehmigt wurden.

Mängel wie im Rathaus – „so etwas bleibt häufig lange unentdeckt“, ist sich Noack sicher.

Die Feuerwehr reagiert auf die unterschiedliche Qualität bei den Brandschutzstandards im Stadtgebiet vor allem mit taktischen Maßnahmen. „Was baulich nicht in Ordnung ist, wird in erster Linie mit Menschen kompensiert“, erklärt Rosenbaum.

Bedeutet: Für schwer erreichbare Objekte oder solche, in denen viele Menschen leben oder arbeiten, gibt es Sonder-Einsatzpläne, in denen geregelt ist, wie viel Personal, welche und wie viele Geräte im Notfall geschickt werden müssen. Rund 100 Sonderfälle sind im Stadtgebiet notiert. Das Rathaus Iserlohn ist nur einer davon.

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