Schillerplatz

„Bürgerbeteiligung ist ein Witz“

Der Schillerplatz, der früher Lehmkuhle hieß. Unter ihm schlummert ein Millionen-Risiko.

Der Schillerplatz, der früher Lehmkuhle hieß. Unter ihm schlummert ein Millionen-Risiko.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Jahrelang hat die Stadt für Bürgerbeteiligung beim Projekt Schillerplatz geworben. Die Nachricht vom Millionen-Risiko aber sollte geheim bleiben.

Über dem Schillerplatz braut sich ein Gewitter zusammen: Seit Wochen liegt ein Gutachten vor, in dem die Risiken beschrieben sind, die unter dem Schillerplatz seit alten Zeiten lauern. Sie sind der Grund dafür, warum der Aufsichtsrat der Schillerplatz GmbH am Samstag in einer Krisen-Klausursitzung über die Ergebnisse und Konsequenzen der Bodenuntersuchung debattiert hat. Es ist eine schlechte Nachricht (wir berichteten), dass mindestens zehn und bis zu 20 Millionen Euro nötig sind, um den Boden unterm Schillerplatz zu stabilisieren. „Weich wie ein Pudding“, sagt ein Teilnehmer.

Alles das wurde hinter den verschlossenen Türen des Aufsichtsrates erörtert, nach außen darf nichts dringen. Geheimsache Schillerplatz, wie die inoffiziellen Stellungnahmen verlauten lassen. „Ich darf zwar dazu offiziell nichts sagen, aber das Verfahren ist sehr kritikwürdig“, sagt zum Beispiel Hans Immanuel Herbers, Fraktionsvorsitzender von UWG-Piraten im Rat und Mitglied des Aufsichtsrates der Schillerplatz GmbH.

Es sei schon eine Krux, dass alle wichtigen Themen hinter den verschwiegenen Mauern der Aufsichtsräte städtischer Gesellschaften besprochen würden. „Der Schillerplatz und seine Zukunft geht alle Iserlohner an“, ist Herbers überzeugt. Deshalb sei es „ein Witz“, vor drei Wochen die Bürger ins Rathaus einzuladen, um ihre Ideen und Vorstellungen vom neuen Schillerplatz zu hören. „Wenn es wirklich wichtige Informationen gibt, dann sollen die Bürger das als letzte erfahren. Das passt nicht zusammen“, sagt Herbers.

Erst vor vier Wochen, am 11. Januar, waren die Bürger ins Rathausfoyer eingeladen. Bis zum 9. Januar konnten die Iserlohner sich auch mit Postkarten am Ideen-Wettbewerb für den „neuen“ Schillerplatz beteiligen. Allein, jetzt, wo es ans Eingemachte unterm Platz geht, um die Relikte und Risiken im Zusammenhang mit dem Galmei-Bergbau – das Erz wurde bis zum Jahr 1900 unterm Platz abgebaut, der früher als Lehmkuhle bekannt war – will man sich lieber nicht-öffentlich besprechen, was mit dem Schillerplatz zu tun ist, wenn ein zweistelliger Millionenbetrag mehr zu Buche schlägt. „Das ist etwas, was die Bürger unserer Stadt sehr wohl etwas angeht“, sagt Herbers. „Es muss ein Ende haben, dass diese Dinge im stillen Kämmerlein besprochen werden. So wird man nicht erreichen, dass die Leute sich für ihre Stadt einbringen.“

Seit die Stadt im Jahr 2014 das Karstadt-Kaufhaus gekauft hat, macht man sich in Politik und Verwaltung Gedanken, schmiedet Pläne und startet Projekte rund um einen möglichen „neuen“ Schillerplatz mit dem Kaufhaus als Leuchtturm, der einen tiefer gelegten Schillerplatz überragen soll. 2015 feierte Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens ein Bürgerfest zum Auftakt, 682 Iserlohner machten bei der Befragung mit, eine Schillerbox wurde installiert, der frühere Bauderzernent Mike Sebastian Janke kündigte als Ziel das Jahr 2016 an: Er hoffe, sagte er damals, dass man bis dahin alle politisch relevanten Entscheidungen für den Platz vorliegen habe.

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