Ausbildung

Bundesweiter Vorreiter: 20 Jahre Verbundstudium in Iserlohn

 Im Gebäude des Märkischen Arbeitgeberverbandes an der Erich-Nörrenberg-Straße fand das Pressegespräch statt.

Im Gebäude des Märkischen Arbeitgeberverbandes an der Erich-Nörrenberg-Straße fand das Pressegespräch statt.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  Das Model von Iserlohn der FH Südwestfalen fand viele Nachahmer. Doch selbst das Land Bayern brauchte lange, um ähnlichen Erfolg zu haben.

Das Verbundstudium als Erfolgsmodell? Im Jahr 2000 war damit noch nicht zu rechnen. Nur durch eine gewisse Risikobereitschaft konnte der Studiengang überhaupt etabliert werden. Im Rückblick sei es der richtige Schritt zur richtigen Zeit gewesen, sagt Horst-Werner Maier-Hunke, der die Anfänge hautnah miterlebt und gestaltet hat. „Vor 20 Jahren wurde ein seinerzeit einmaliges Studienmodell an der Märkischen Fachhochschule in Iserlohn gestartet: Ein ingenieurwissenschaftlicher Verbundstudiengang, der eine technische Berufsausbildung und ein Maschinenbaustudium vereinte und berufs- und ausbildungsbegleitend studierbar war“, heißt es einer aktuellen Pressemitteilung des Märkischen Arbeitgeberverbandes.

Hinter den Kulissen ist um die Jahrtausendwende aber Einiges los, berichtet Maier-Hunke, der sich im Pressegespräch als „der letzte Zeitzeuge“ vorstellt. Im Jahr zuvor habe es nur noch 24 Vollzeitstudenten für Maschinenbau an der FH Iserlohn gegeben, der Kampf um Mittel und politische Hilfe fand zeitgleich in Düsseldorf und in der Region statt. „Das größte Problem, das wir hatten, war das Geld“, so Maier-Hunke. „Wir waren alle verarmt.“

Dennoch gelingt es dem heute 82-Jährigen knapp fünf Millionen Mark zu sammeln und den Verbundstudiengang fließen zu lassen. Die ansässigen Unternehmen sehen im Jahr 2000 schon den sich abzeichneten Fachkräftemangel am Horizont und beteiligen sich nach einigem Zögern. „Die Firmen waren verunsichert, ob man so etwas anbieten kann“, sagt Ralf Stoffels, Präsident der Südwestfälischen Handelskammer (SIHK). Anschließende Gespräche mit den Hochschulen, eine duale Ausbildung zu ermöglichen, seien vergleichsweise einfach gewesen, so Maier-Hunke. Lediglich die Städte und Gemeinden hätten sich in den vergangenen 20 Jahren zurückgehalten.

Bayern lange nicht so erfolgreich wie Südwestfalen

Die damalige NRW-Bildungsministerin Gabriele Behler hingegen unterstützte die Idee, die schnell zum Vorbild in ganz Deutschland werden sollte. „Ein paar Jahre später habe ich mit dem bayerischen Kultusminister gesprochen“, sagt Maier-Hunke. „Damals gab es in Bayern genauso viele Verbundstudenten wie an der Fachhochschule Südwestfalen.“ Aus dem Risikoprojekt war innerhalb weniger Jahre ein Erfolgskonzept geworden.

Heute seien etwa 600 Studierende für Maschinenbau an der FH Südwestfalen eingeschrieben, sagt Rektor Prof. Claus Schuster. Insgesamt absolvieren aktuell 4000 Personen in NRW ein duales Studium.

Für Maier-Hunke, Schuster und Stoffels ist es trotz der vergangenen Erfolge wichtig, die Entwicklungen in Gegenwart und Zukunft zu erkennen und in das Studium zu integrieren. Die Digitalisierung wurde auch im Bereich Wissenschaft und Lehre durch den pandemiebedingten Lockdown im März und April enorm beschleunigt. „Wir haben lange überlegt, wie wir eine onlinebasierte Lehre überhaupt ausrollen“, sagt Schuster. „Innerhalb von zwei Wochen nach dem Lockdown war der digitale Wandel in dem Bereich abgeschlossen.“

Das soll bei der Weiterentwicklung des Studienangebotes der Fachhochschule Südwestfalen helfen. „Die Ortsunabhängigkeit der Lehre wird in Zukunft intensiv beleuchtet werden“, so Schuster, der auch eine neue Konkurrenz aus der Wirtschaft sieht: „Heute stehen wir im Wettbewerb mit den Unternehmen, die vor zehn Jahren noch unsere Partner waren.“

Das will SIHK-Präsident Stoffels so nicht stehen lassen. „Wir sehen es eher als Ideenwettbewerb: Wie setzen wir die digitale Lehre am besten um?“ Denn Stoffels ist davon überzeugt, dass vieles aus den coronabedingten Arbeitsweisen bleiben werde. Vielleicht bringt dieser Wettbewerb Unternehmen und Hochschule gleichermaßen voran.

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