Schule

Capoeira ist für alle da

In der Sporthalle stiegen die Capoeira-Könner vom

In der Sporthalle stiegen die Capoeira-Könner vom

Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.   An der Gesamtschule Iserlohn wird es im neuen Austauschprogramm sportlich.

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Was ist das denn? Karate? Breakdance? Oder beides? Tatsächlich hat Capoeira etwas von beidem, und man könnte es leicht als eine Mischung aus Tanz und Kampfsport beschreiben – Kampftanz oder Kampfkunst. Was der aus Brasilien stammenden Sportart letztlich aber nicht gerecht wird, wie der Capoeira-Lehrer William Gomes-Pasche, der ebenfalls aus Brasilien stammt, erklärt. „Wir sind keine Tänzer und keine Kämpfer. Wir sind Spieler“, sagt er.

Aber was für ein Spiel ist das? Es ist wohl einfacher, nicht danach zu fragen, was Capoeira ist, sondern danach, was Capoeira alles ist. „Capoeira ist Poesie, Capoeira ist Musik. Es kann auch mal zur Sache gehen und gefährlich werden. Hier ist Capoeira aber Harmonie pur und alles, was gut und schön ist. Capoeira ist eine Kultur“, sagt der 40-Jährige und schiebt hinterher, dass Capoeira vor allem auch sein Leben ist.

Gestern war er zusammen mit drei weiteren Trainern des Judo-Sportvereins Lippstadt an der Gesamtschule Iserlohn zu Gast, um allen Schülern in einstündigen Workshops in der Sporthalle am Nußberg in diese Kampfkunst einzuführen. Capoeira für alle.

Hintergrund für dieses außergewöhnliche Engagement ist das neue Erasmus-Austausch-Projekt der Schule. Denn nach „Jazz meets Anataolia“, das im März gestartet ist und bei dem die Schul-Bigband „JazZination“ bereits zu Gast in Istanbul war und nun den Gegenbesuch erwartet, steht das neue Projekt schon in den Startlöchern. Der Titel „Roda of global cultures – Capoeira als alternative Interaktionsmöglichkeit im Zeitalter der Digitalisierung“, ist zwar recht sperrig, zeigt aber, dass das Projekt hinter dem rein Sportlichen auch theoretische Tiefe hat. Vor allem wird der Austausch aber noch deutlich größer, wie der Koordinator Lütfi Salman erklärt. Denn bei dem Capoeira-Projekt machen nicht nur die Iserlohner und die Istanbuler mit, sondern auch Schulen aus Portugal und Belgien. Ende des Jahres geht es los. Dann wird eine 20-köpfige Schülerschar von der Gesamtschule aufbrechen und die Partnerschulen in den drei Ländern besuchen.

Die Gesamtschule denkt für sich beim Thema Capoeira aber noch größer. „Wir wollen die Sportart hier fest verankern und nachhaltig am Leben halten“, sagt Schulleiterin Barbara Brühl. Capoeira für alle eben. Und damit alle auch wissen, worum es geht, wenn der Sport demnächst in AGs oder anderen Formen angeboten wird, gab es gestern ein flächendeckendes Kennelernen. Vier Trainer vom Judo-Sportverein Lippstadt haben vorgemacht, wie es geht. Beeindruckende Akrobatik mit Salti und Kraftelementen, kämpferische Einlagen in hoher Geschwindigkeit mit Sprüngen und spielerisch angedeuteten Tritten, und dann wieder rhythmisch-fließende Bewegungen – Harmonie pur.

Bei den Schülern kam das extrem gut an. Bei Yves sowieso, denn der Schüler der Stufe 11 betreibt seit viereinhalb Jahren aktiv Capoeira im Iserlohner Verein „Arte Negra“ in der Almelo-Halle. Und das ist nicht spurlos an ihm vorüber gegangen: Der junge Mann ist muskelbepackt und legt im Kampf mit einem der Trainer schon eine beeindruckende Kür hin. Auch Bilal ist begeistert. Der 15-Jährige kennt Capoeira aus dem Fernsehen, hat jetzt aber zum ersten Mal hautnah erlebt, was das bedeutet. „Cool, was die so drauf haben“, sagt er und traut sich auch schon selbst ein erstes Mal in den Ring. Auch Elsa, ebenfalls 15 Jahre alt, staunt über die Fähigkeiten der Capoeira-Spieler. „Das ist ja extrem sportlich“, sagt sie und bezweifelt, dass sie das selbst einmal kann.

Genau das ist aber natürlich Sinn der Sache. „Capoeira kann jeder machen, egal wie sportlich, wie schwer oder wie alt“, sagt William Gomes-Pasche. Und vor allem soll der Sport am Nußberg nicht bei den Schülern Halt machen. „Wir wollen ihn für alle öffnen – für Schüler und Lehrer, aber auch für ganz Iserlohn“, sagt Lütfi Salman. „Unsere Schule soll ein Ort der Begegnung werden. Wir wollen Schule einmal neu definieren.“

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