Interview

„Chance, die ich in Münster nicht bekomme“

„Neue Herausforderungen“: Jochen Köhnke ist der künftige Ressortleiter für Kultur und Integration. Köhnke wechselt zum 1. November von Münster nach Iserlohn.

Foto: Alexander Barth

„Neue Herausforderungen“: Jochen Köhnke ist der künftige Ressortleiter für Kultur und Integration. Köhnke wechselt zum 1. November von Münster nach Iserlohn. Foto: Alexander Barth

Iserlohn.   Interview mit Jochen Köhnke, dem neuen Ressortleiter für Kultur und Integration in Iserlohn.

Jochen Köhnke führt künftig Regie im Rathaus über ein völlig neues Ressort: Die Bereiche Kultur, Integration und Inklusion werden organisatorisch bei der Stadt Iserlohn zusammengefasst. Köhnke bekommt dabei einen von drei neu zu besetzenden Spitzenposten der Verwaltung. Dabei hatten die drei Auswahlverfahren zu hitzigen Diskussionen und juristischen Auseinandersetzungen geführt. Köhnke, gebürtiger Düsseldorfer, arbeitet seit Jahren als Dezernent für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten in Münster. Wir gingen mit Jochen Köhnke ins Interview.

Herr Köhnke, zunächst einmal noch herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 62. Geburtstag am Mittwoch.

Herzlichen Dank.

Wie gefällt Ihnen denn Iserlohn nach den ersten Besuchen?

Bevor man sich bewirbt, schaut man sich eine Stadt natürlich erst einmal an. Und ich muss sagen: unheimlich gut, sehr positiv. Nach meiner ersten Wahrnehmung wird Iserlohn nicht so gut nach außen vermarktet, wie es tatsächlich ist. Man kennt Iserlohn etwa durch die Kirchhoff-Gruppe oder die frühere Brauerei. Aber meine Frau und ich waren sehr überrascht – über die grüne Stadt, die Aufenthaltsqualität und über viele für uns bis dahin unbekannte Dinge. Wir haben etwa Barendorf kennengelernt, sind durch die Innenstadt gegangen, auch durch Letmathe – und waren erstaunt, wie gut die Stadt insgesamt aufgestellt ist. Wirklich beeindruckend für eine Stadt dieser Größenordnung sind die kulturellen Einrichtungen.

Wenn Ihre Frau Iserlohn so gerne mag, kommt sie mit von Münster hierher?

Wir werden nicht den ersten Wohnsitz in Iserlohn haben, aber meine Frau wird oft hier sein. Wir haben ein Haus in Münster, und unsere Töchter, die alle drei studieren, haben dort ihre Anbindung. Deshalb habe ich vom ersten Tag ganz offen gesagt, dass wir erst einmal nicht nach Iserlohn ziehen. Ich werde hier arbeiten, meine Aufgabe gut machen – und dafür sorgen, dass, wenn ich einmal nicht mehr hier bin, auch die Menschen außerhalb der SPD sagen: Gut, dass der Köhnke da war.

Werden Sie täglich zwischen Münster und Iserlohn pendeln?

Da kommt vieles in Bewegung. Im Moment habe ich beispielsweise gar kein Auto, weil ich derzeit auch kein Auto benötige. Das wird sich jetzt verändern. Ich möchte mir in Iserlohn eine kleine Wohnung suchen, und wir werden dann an den Wochenenden pendeln. Entweder fahre ich nach Münster, oder meine Frau kommt nach Iserlohn.

Angesichts des ganzen Aufwands: Sie sind jetzt 62 Jahre alt, da fragt sich schon manch Iserlohner: Der Köhnke wird qualifiziert sein, aber hat doch auch in Münster einen gut bezahlten Job – und nicht mehr lange bis zum Eintritt ins Pensionsalter. Warum kommen Sie nach Iserlohn?

Erst einmal eine Korrektur: Der Köhnke hat kein Pensionsalter, weil er nicht als Beamter nach Iserlohn kommt, sondern als Angestellter. Damit habe ich auch die Möglichkeit, ein wenig länger zu bleiben als andere. Und wenn ich mich hier gut einfüge, weiterhin gesund bleibe und die Menschen mich haben wollen, dann muss das auch keine Grenze von dreieinhalb oder vier Jahren sein. Aber das ist gar nicht der wesentliche Aspekt: Ich komme nach Iserlohn, weil ich hier eine Chance habe, die ich in Münster nicht bekommen würde.

Wie ist das zu verstehen?

Nun, in Münster habe ich momentan einen Bereich, die Migration. In diesem Bereich bin ich in Deutschland von Münster bis Aschaffenburg oder Zwickau gut ausgewiesen, habe eine gute Reputation und bin auch international vernetzt. Wir haben in Münster einen ordentlichen Umgang und gehen nicht mit gewetzten Messern los. Aber nach der für mich verlorenen Oberbürgermeisterwahl 2015 wird in Münster für mich auch nichts mehr dazukommen. Das ist eine normale Entwicklung, das muss man einfach klar sehen. Für mich bestand also die Frage, ob ich eingeschränkt meine Aufgabe in Münster weiterführe – oder eine neue Aufgabe übernehme, mit neuen Herausforderungen wie hier in Iserlohn.

Wie kam denn der Kontakt nach Iserlohn zustande?

Ganz klassisch durch die Zeitung. Die Stelle war ausgeschrieben, dann haben wir uns gekümmert ...

Da muss ich einmal dazwischen grätschen: Wir haben Ihren Namen schon gehört, da war die Stelle noch gar nicht ausgeschrieben.

Das kann durchaus sein – weil ich dem einen oder anderen auch das Signal gegeben habe, dass ich eine neue Aufgabe suche. Aber bewerben und entscheiden konnte ich mich erst nach der Ausschreibung. Natürlich habe ich gelesen, dass meine Name offenbar schon genannt worden war. Das hat mich auch sehr geärgert, und ich habe dann eine Zeit lang überlegt, ob ich mich überhaupt bewerbe. Das ist keine Kritik an Ihnen, das ist als Journalist schließlich Ihr Job. Aber Kritik an einer Community, die da ganz offensichtlich Dinge transportiert hat, die für mich noch gar nicht entschieden waren. Sei’s drum.

Ist das eine Bürde jetzt für Sie?

Nein. Ich bin da nicht sehr von Empfindlichkeiten begleitet. Eher sehe ich die Dinge umgekehrt: Ich habe das Gefühl, hier in Iserlohn eine sehr gute Grundlage zu haben, denn ich bin nicht nur von der SPD, sondern aus meiner Sicht auch von den anderen Parteien hier gut aufgenommen worden. Viele haben sich eben auch damit beschäftigt, wie ich arbeite, und dass die Produkte, die ich in Münster politisch auf den Weg gebracht habe, allesamt zu einstimmigen Beschlüssen führten.

In Münster sind Sie Dezernent für Migration. In Iserlohn kommt ein völlig neuer und gut besetzter Bereich hinzu – die Kultur. Ist das Ihr Ding?

Ja, und ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe. Im Kulturbereich bin ich durchaus zu Hause. Beispielsweise war ich 1998 in Münster verantwortlich für „350 Jahre Westfälischer Friede“, ein sehr großes Event der Stadt. Und auch aus meiner Aufgabe als Dezernent für Migration habe ich einen guten Einblick, wie eine Stadt mit Kunst und Kultur viel erreichen kann – angefangen von der Zusammenarbeit mit städtischen Bühnen bis hin zu eigenen Kulturprogrammen aus der Migrationsarbeit heraus.

In Iserlohn gibt es im Bereich der Kultur starke Akteure, allen voran Johannes Josef Jostmann als Chef des Parktheaters oder Rainer Danne als Leiter der Städtischen Galerie. Wie gehen Sie an die Kulturaufgabe heran?

Zunächst einmal mit einer positiven Haltung, weil ich sehe, was die Akteure in Iserlohn auf die Beine stellen. Ich muss hier das Rad ja nicht neu erfinden. Die Frage des Herangehens ist also weniger inhaltlicher Art, sondern mehr methodischer Art. Zuerst möchte ich mit den künftigen Kolleginnen und Kollegen zusammenkommen, eine Bestandsaufnahme machen und schauen, wie die Pläne für die Zukunft sind. Dabei müssen wir sehen, ob dies auch mit den anderen Vorstellungen der Verwaltung kompatibel ist – und die Frage stellen nach einem schlüssigen gemeinsamen Auftritt Iserlohns, den ich bisher, sozusagen als Marke, nicht wahrgenommen habe.

Haben Sie da schon eine Strategie?

Natürlich habe ich Gedanken dazu, aber der Zeitpunkt ist jetzt einfach noch zu früh. Zuerst möchte ich die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen führen. Erst einmal geht es ums Zuhören und dann möchte ich mit ihnen gemeinsam erarbeiten, wie wir die Stadt noch besser aufstellen können. Das gilt im Übrigen nicht nur für den Bereich Kultur, sondern auch für die anderen Bereiche, in denen ich tätig sein werde.

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