Künstlerportrait

Chorstipendianten sind gefeierte Weltstars

The King's Singers im Parktheater

The King's Singers im Parktheater

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die King’s Singers überzeugen auch nach über 50 Jahren mit ihren sechsstimmigen Harmonien.

Es war das letzte Konzert vor der Osterpause der King’s Singers. Das britische A-Capella-Ensemble machte auf seiner Welttournee nach Auftritten in Italien, Frankreich und Amerika auch im Parktheater Halt – zur Freude manches Iserlohners. So auch Marieluise Spangenberg, die lange Zeit das Kulturleben in Iserlohn gestaltet und geprägt hat. „Ich habe die King’s Singers irgendwann in den 1970er Jahren in Großbritannien live gesehen und wollte seitdem immer, dass sie auch mal nach Iserlohn kommen. Daher freue ich mich, dass sie jetzt im Parktheater zu Gast sind und das sogar ausverkauft“, erzählte sie am Sonntagabend vor dem Konzert. Seit den 1970er Jahren hat sich die Besetzung der King’s Singers zwar des Öfteren verändert, doch überzeugten sie das Publikum auch nach 50 Jahren mit gesanglicher Perfektion und ernteten tosenden Beifall und Standing Ovations. Bevor es in den wohlverdienten Urlaub ging, hat sich King’s Singer Jonathan Howard noch zu einem Interview mit der Heimatzeitung getroffen.

Seit fünf Jahrzehnten weltweit auf den Bühnen unterwegs

Die King’s Singers wurden Ende der 1960er Jahre von sechs Chorstipendiaten am King’s College an der University in Cambridge gegründet. „Die wurden gefragt, ob sie für ein großes „feast“ (Festmahl) singen würden“, erzählt Jonathan Howard über die Anfänge der Gruppe. „Sie wurden gefragt, ob sie lustige Sachen oder auch geistliche Musik und andere klassische Stücke singen würden. Das hat diesen sechs Sängern gefallen, und deshalb haben sie einfach weiter gesungen. Am 1. Mai 1968 wurde die Gruppe zum ersten Mal professionell eingeladen, um bei einem Konzert in London zu singen. Das nennen wir unseren Geburtstag.“

Zur Gründungszeit waren noch alle Mitglieder Collegestudenten an der Cambridge University, aber seitdem hat sich die Besetzung oftmals geändert. Insgesamt haben bereits 28 Sänger ihr Talent in dem Ensemble unter Beweis gestellt, die von überall aus der Welt her kommen. Doch wie wird man zu einem King’s Singer? „Wir haben Auditions. Und es ist normalerweise so, dass die Leute eingeladen werden, man kann sich also nicht dafür bewerben“, erklärt Jonathan Howard. Es gibt viele Sänger, die einen Platz in der Gruppe einnehmen wollen würden, doch müssen sich die ausgewählten Kandidaten einer schwierigen Prüfung unterziehen. „Wir haben dann einige Runden vorsingen. Die Kandidaten singen immer mit der Gruppe und nicht zur Gruppe, das heißt sie lernen Musik der King’s Singers, und wir schauen, wenn sie in der Gruppe stehen und mit uns singen müssen, wie die Chemie ist, ob sie eine gute Intonation haben, wie die Stimme zu unseren Stimmen passt, und eventuell wird jemand ausgesucht.“ Seit Januar sind zwei neue Mitglieder hinzugestoßen, ein ganzes Jahr lang wurde nach den richtigen Kandidaten gesucht.

Dass Anfang des Jahres gleich zwei neue Mitglieder in die Gruppe gekommen sind, ist etwas außergewöhnlich, denn normal wechselt immer nur einer der Sänger. Die vielen Wechsel verändern natürlich auch hin und wieder die Gruppendynamik, aber auch neue Inspirationen fließen mit ein. „Die Gruppe hat aber immer noch die gleiche Hoffnung, dass man viel Spaß auf der Bühne haben kann, und man eine große Vielfalt von Musik präsentieren kann, ohne den besonderen Genuss von jeder Art zu verlieren“, erklärte Jonathan Howard.

Der Erfolg gibt der A-Capella- Gruppe recht, denn neben vielen anderen Auszeichnungen erhielten sie auch zwei Grammy Awards, sowie einen Emmy Award und einen Platz in der Hall of Fame des Gramophone Magazins. Doch was macht den Erfolg der King’s Singers aus, der nun seit weitaus mehr als 50 Jahren anhält? Jonathan Howard erklärt sich dieses Phänomen folgendermaßen: „Ich glaube es kommt auf zwei Sachen an. Erstmal: Wir wollen immer eine ganz besondere Beziehung zu dem Publikum entwickeln, das heißt, es ist zwar nur Musik auf der Bühne, aber da sind sechs sehr nette Leute, die viel Spaß haben wollen, aber auch das Publikum bewegen wollen. Und ich glaube die zweite Sache ist die Vielfalt an Musik. Wir haben in unserem Repertoire mehr als 3000 Stücke, und in einem Konzert wollen wir immer eine große Mischung von Genres und Stilen präsentieren, damit man hören und sehen kann, wie verschiedene Musikrichtungen zusammen passen können, wenn man sie gut nebeneinander stellt und wenn man sie richtig präsentiert. Das machen relativ wenig Musiker, deshalb sind wir vielleicht berühmt und beliebt.“

Die Geschichte der Tudors mit Musik erzählt

In ihren Konzerten wollen die King’s Singers immer auch eine Geschichte erzählen. Mit ihrer Show „Royal Blood“, die sie im Parktheater präsentierten, versetzten sie das Publikum ins England des 16. und 17. Jahrhunderts, der Zeit der Tudors. Die Musik zu der Zeit war sehr wichtig, um die Meinungen des Volkes, aber auch der Königin und des Königs darzustellen. „Es ist ja total interessant, weil wir gerade in England die ganze Zeit über Brexit sprechen, aber Brexit ist überhaupt nicht so interessant wie das, was im Tudor-England passiert ist, und das wird ganz klar in dieser Musik gezeigt“, erklärte Jonathan Howard.

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