Corona-Krise

Corona als Chance für neue Wege

In weiter Ferne und doch so nah: Der neunjährige Julius wird für den wöchentlichen Klavierunterricht per Skype in den Raum von Paul Breidenstein geschaltet.

In weiter Ferne und doch so nah: Der neunjährige Julius wird für den wöchentlichen Klavierunterricht per Skype in den Raum von Paul Breidenstein geschaltet.

Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.  Die Musikschule stellt auf Unterricht per Handy um und zeigt, dass sie auch modern kann.

Links am Flügel neben der Tastatur baut Paul Breidenstein sein Handy auf. Im richtigen Winkel sind so seine Hände und sein Gesicht zu sehen. Und wenn sein Schüler auf der anderen Seite der Leitung dasselbe macht, steht dem Unterricht per Handy nichts mehr im Wege. „Das macht richtig Spaß“, sagt der Leiter der Musikschule Iserlohn, der ganz offensichtlich ein Faible für solche technischen Neuerungen hat.

„Die Musikschule hat geschlossen“, war vor einer Woche in einer Pressemitteilung der Stadt zu lesen. Parallel zu den Schulen, Kindergärten und allen anderen Bildungseinrichtungen hatte auch die städtische Musikschule ihren Hauptsitz an der Gartenstraße und die Trillingsche Villa in Letmathe zugesperrt. „Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit“, sagt Paul Breidenstein. „Wenn die Schüler nicht zu uns kommen können, dann gehen wir mit dem Angebot eben zu ihnen.“

In der Musikschule sei man sich auf der Leitungsebene sehr schnell einig gewesen, dass man das einfach einmal ausprobieren wolle. Natürlich könne ein solches Telefon-Unterrichts-Angebot nicht den echten Unterricht in der Musikschule ersetzen, weswegen auch die Regelung bestehen bleibt, dass die Unterrichtsentgelte während der Corona-Schließung komplett an die Eltern zurückgezahlt wird.

Der Fernunterricht ist also komplett kostenfrei. Ein „Goody“ in schlechten Zeiten, wie Paul Breidenstein sagt. „Wir wollen ja schließlich, dass die Kinder wieder ein Ziel haben, einen Grund, ihr Instrument mal auszupacken.“ Das helfe auch sehr gegen die Langeweile in der Zeit ohne Schule und Hobbys. Natürlich freiwillig: Kein Kind sei verpflichtet, das Angebot per Telefon anzunehmen. Es sei ja auch kein wirklich zu hundert Prozent verlässlicher oder vergleichbarer Ersatz für den richtigen Unterricht.

Gestern ging es nun los. Alle 32 Lehrkräfte, die instrumentalen Einzelunterricht erteilen, wurden angewiesen, alle ihre Schüler zu kontaktieren. Das sind immerhin knapp 800 Kinder. Das Einverständnis der Eltern muss eingeholt werden. Und wenn es keine Einwände gibt, werden nun im Laufe der Woche alle Iserlohner Musikschüler erstmals fernmündlich oder -bildlich unterrichtet. Wie genau, das hängt von den technischen Möglichkeiten der Lehrkräfte und der Schüler ab. Rein telefonisch sei der Unterricht schon möglich. Falsche Töne fallen auch da schon auf.

Erste Rückmeldungen sind durchweg positiv

Besser aber gehe es natürlich über Skype, allein schon wegen der Fingersätze auf den Tasten, Saiten oder Ventilen. Und mit Bild könne er auch seine beliebten Notenrätsel anbringen. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, Videos per WhatsApp hin- und herzuschicken oder Unterrichtsmaterial über E-Mail auszutauschen. Der Kreativität ist da keine Grenze gesetzt.

„Das ist ziemlich aufregend. Auch für mich“, gibt Paul Breiden­stein zu, dass er auch mit seinem ersten Skype-Unterricht gestern Nachmittag völliges Neuland betreten hat. „In den bedrückenden Zeiten, die wir gerade erleben, ist das aber einmal eine positive Aufregung“, sagt er. Und die ersten Rückmeldungen, die er bisher bekommen hat, seien auch sehr positiv. „Wir begreifen die Krise da als Chance“, sagt der Musikschulleiter zu dieser technischen Weiterentwicklung. „Wir können zeigen, dass wir auch modern können.“ Und gut für den zwischenmenschlichen Umgang sei das auch. „Beim Skype-Unterricht lernt man sehr schnell, dass man sich gegenseitig aussprechen lassen muss und sich nicht ins Wort fallen kann.“ Auch eine ganz gute Nebenwirkung.

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