Tradition

„Da wird einem warm ums Herz“

Schöner die Flammen nie brannten: Beim Hof Moneke in Sümmern sorgte das Osterfeuer für gute Laune.

Foto: Tim Gelewski

Schöner die Flammen nie brannten: Beim Hof Moneke in Sümmern sorgte das Osterfeuer für gute Laune. Foto: Tim Gelewski

Iserlohn  Freunde und Nachbarn treffen sich bei den traditionellen Osterfeuern in den Iserlohner Stadtteilen

. Was kann schöner sein als einen Sonnenuntergang am Osterfeuer erleben? Das Abendrot, die untergehende Sonne und später die funkelnden Sterne am Himmel setzen bei den brennenden Reisig- und Holzhaufen am Samstag noch besondere Glanzlichter und optimieren die besondere Atmosphäre. Organisatoren und Besucher zeigen sich stark beeindruckt und feiern die Traditionsfeuer im Freundes- und Bekanntenkreis mit den Bewohnern ihrer Stadtteile.

Stockbrot ist neben Grillgut der Renner bei den Kindern. Und natürlich die Ostereier, die der Osterhase verteilt oder beim Gang durch das Osterfeld auf der Kuhwiese in Rheinen verloren hat. Die Erwachsenen lassen sich Bratwürstchen, Waffeln und Kuchen auf dem Gelände der Iserlohner Turnerschaft an der Kantstraße schmecken. Dort trifft sich die Nachbarschaft aus Wermingsen und dem Buchenwäldchen mit den Freunden der dritten IBSV-Kompanie. Der Zug Wermingsen freut sich über die gute Besucher-Resonanz. „Feuer bringt Wärme. Da wird einem warm ums Herz“, sagt Jochen Pfänder beim Anblick der prasselnden Flammen und stößt mit seinen Freunden auf das Osterfest an. „Osterfeuer sind gute Tradition, sind schon fast ein zu schützendes Kulturgut“, meint Josef Hemmecker und lacht seinen Enkel Fabian an, der sich das Stockbrot schmecken lässt.

Gute Nachbarschaftin Wermingsen

„Wir haben eine gute Nachbarschaft“, freut sich Monika Walther über das gute Verhältnis zwischen dem Zug Wermingsen und den Anwohnern. DJ Günther sorgt für Stimmung, auch weil er zu fortgerückter Stunde die Musikwünsche der Besucher erfüllt.

Rund um das Osterfeuer am Stadtteiltreff Heide-Hombruch bietet das Gelände am Samstag den vielen Kindern Abwechslung an den Schaukeln oder den anderen Spielgeräten. Drinnen stellen sie beim Ringewerfen und beim Ostereierfärben mit Marmorierfarbe ihr Geschick und ihre Kreativität unter Beweis. „Die Organisatoren haben sich große Mühe gemacht“, lobt Lore Van der Meer vom Nußberg die österlichen Dekorationen und die Angebote für Groß und Klein. Andrea Wendling aus der Nachbarschaft und Hiltraud Eichner aus Hemer stimmen zu.

Mit Stockbroten am Schwedenfeuer und der Feuerschale für die Kinder und dem großen Osterfeuer auf der Wiese begeht der Reitverein Iserlohn-Dahlsen das Osterfest in der wunderschön gelegenen Reitanlage der Familie Eckey im Grüner Tal in Dahlsen seit nunmehr 2003. „Wir hatten erst Bedenken wegen des nasskalten Aprilwetters“, zeigt sich Vorsitzender Marcus Eckey zufrieden mit dem Verlauf des Festes, das die Vereinsmitglieder mit den Bewohnern aus Dahlsen und Umgebung in der Reithalle und auf dem Gelände feiern. Angesichts der rund 120 Gäste, die sich neben Kaltgetränken auch selbst gemachte Salate, Steaks, Putenschinken und Bratwürstchen schmecken lassen, bilanziert er: „Dann hat sich der ganze Aufwand gelohnt.“ Sahnehäubchen ist der Auftritt der Romantik Sailors.

Generationenwechsel durch Ortswechsel in Kalthof

Der Umzug vom Sportplatz zur Hunde- und Pferdewiese am Glockenturm hat bei den Besuchern des traditionellen Kalthofer Osterfeuers der Vereinsgemeinschaft einen Generationenwechsel eingeläutet, stellt Michael Maiwald, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Kalthof, Leckingsen, Refflingsen, mit leuchtenden Augen fest. Angesichts des guten Zuspruchs auch junger Familien mit Kindern bilanziert er sichtlich zufrieden: „Wegen des Ortswechsels waren wir anfangs aufgeregt. Ich bin zufrieden, dass die Leute den Wechsel angenommen haben.“ Am frühen Abend sind Kindergartenkinder mit der brennenden Fackel vom Dorfplatz hergelaufen und haben das Osterfeuer mit den Feuerwehrleuten angesteckt. Die Freiwilligen der Löschgruppe Leckingsen sind mit von der Partie der Organisatoren und fiebern dem 112-jährigen Bestehen der Löschgruppe entgegen, das sie am 6. Mai mit einem Tag der offenen Tür begehen wollen.

Der gebürtige Letmather Andree Van de Bürrie und Carsten Arndt aus Leckingsen lassen sich wie viele andere Ortsansässige beim Anblick der Flammen ihre Landbiere schmecken und genießen das dörfliche Miteinander. Landwirt Uli Brinckmann schiebt brennenden Heckenschnitt und Holzscheite mit dem Trecker-Lader zusammen, so dass das Feuer nochmal einen richtigen Schub bekommt.

Atmosphärisches und Herzhaftes in der Feldscheune

Auf dem Hof Mikus am Osterfeldweg lassen sich am Samstag die Gäste am Feuer oder in der Feldscheune herzhafte Käsesuppe, Leberkäse, Rühreier und Grillwürstchen schmecken. Immer wieder gerne kommt eine Gruppe von befreundeten Familien aus Hennen hierher, erzählt Erika Michel, dass dieser Termin neben familiären Treffen einen festen Platz in ihrem Kalender hat, seit sie vor 19 Jahren aus Süddeutschland in den Iserlohner Norden gezogen ist. Aus Iserlohn kommen ähnlich lange Sabine Hilbrandt und ihr Freund zum Osterfeuer nach Rheinen: „Wegen der ganz besonderen Atmosphäre und dem großen Feuer auf dem Gelände des Hofes Mikus.“

Magische Momente am Feuer auf dem Osterfeld

Doris Mikus zeigt sich über den enormen Besucherandrang begeistert, auch wenn sie und ihre Familie und die zahlreichen Helfer der Dorfgemeinschaft alle Hände voll zu tun haben. In Siebener- oder Achterreihen stehen die Menschen rund um die Feuerstelle auf dem Osterfeld, als die Sonne untergeht und für magische Momente sorgt.

Ähnlich erleben das auch die Besucher des Osterfeuers am Dorfgemeinschaftshaus an der Heidestraße, unter ihnen viele Mitglieder des Vereinslebens und der Löschgruppe Drüpplingsen der Freiwilligen Feuerwehr.

Erst am Sonntag wird dann das von der Sümmeraner St.-Sebastian-Schützenjugend organisierte und wie immer gut besuchte Osterfeuer bei Hof Moneke entzündet. Angesichts des Hagels am Morgen hofft nicht nur Jugendabteilungs-Betreuerin Stefanie Schwarz am frühen Abend darauf, dass der Wind den zu erwartenden Rauch nicht in Richtung Besucher und Festzelt treibt. „In der Regel haben wir da aber Glück“, sagt Stefanie Schwarz, und sollte am Ende Recht behalten. Nach dem Entzünden wird dann gefeiert, die Kinder rösten Stockbrot, während am Grillstand eifrig „rekrutiert“ wird. Mit Flyern wird um Nachwuchs geworben, „mitnehmen“, lautet die Anweisung der Belegschaft an die jüngeren Gäste am Verkaufstresen.

Als dann das Feuer lodert, vergrößern nicht nur die Häuslers aus Sümmern und Freunde den Abstand ihres Stehtischs zu den Flammen. „Sonst wird man ja gegrillt hier“, scherzt Ralf Häusler, der am frühen Abend in gemütlicher Runde laut eigener Aussage aber die heimische Couch schon leise „rufen“ hört. „Vor 20 Jahren wären wir bis zum Ende dabei gewesen, das sollen jetzt die Jungen machen.“

Deutlich ruhiger lassen es Sonntag bei ihrem Osterfeuer die Sümmeraner Kirchengemeinden angehen. Nach einer ökumenischen Andacht in der St.-Gertrudis-Kirche geht es nach draußen, wo Pfarrerin Dr. Sabine Kersken von der Kreuzkirche das Feuer entzündet.

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