Damit es auch beim 101. Mal gut geht

Schon tausend Mal gemacht, aber bei alltäglichen Tätigkeiten lauern Gefahren. Hier klettert ein Straßen.NRW-Mitarbeiter über eine Verkehrsschutzwand.

Schon tausend Mal gemacht, aber bei alltäglichen Tätigkeiten lauern Gefahren. Hier klettert ein Straßen.NRW-Mitarbeiter über eine Verkehrsschutzwand.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Straßen.NRW sensibilisiert seine Mitarbeiter auf einem Risikoparcours für Alltagsgefahren.

Wenn 100 Mal etwas Gefährliches gut geht, könnte man meinen, dass es beim 101. Mal gar nicht mehr gefährlich ist. Und dann wird es natürlich besonders gefährlich.

Es liegt vermutlich in der Natur des Menschen, dass sich mit der Zeit bei jeder Tätigkeit eine gewisse Routine einschleicht und die Sinne in alltäglichen Situationen nicht mehr ganz so geschärft sind, wie sie es beim ersten Mal waren. Riskant wird das aber besonders, wenn man sich im Berufsalltag permanent in Gefahr begibt. So wie es die Mitarbeiter von Straßen.NRW tun – rund 2600 Straßenmeister, die ihre alltägliche Arbeit meistens im fließenden Verkehr verrichten, auf Autobahnen und Landstraßen, umringt von ungeduldigen und drängelnden Autofahrern.

Mitarbeiter sollen über ihre Arbeit ins Gespräch kommen

Um dabei für mehr Gefahrenbewusstsein und Sicherheit zu sorgen, hat der Landesbetrieb in Zusammenarbeit mit der Unfallkasse NRW einen Risiko-Parcours entwickelt, der als Schulungsmodul alltägliche Gefahrenquellen simuliert und gerade auch bei den älteren und erfahrenen Straßenmeistern das Bewusstsein für die Risiken des Alltags wieder erhöhen soll. Federführend beteiligt an der Entwicklung war der Verkehrspsychologe Sebastian Rabe, der auch als Moderator die Schulungen in den Straßenmeistereien durchführt. Dabei gehe es nicht darum, dass er den Mitarbeitern etwas beibringt. „Es geht darum, dass die Mitarbeiter über ihre Arbeit ins Gespräch kommen und darüber auch die Gefahren neu wahrnehmen.“

84 Straßenmeistereien gibt es in NRW. Nachdem die Autobahnmeistereien bereits geschult wurden, sind nun die Meistereien für Bundes-, Land- und Kreisstraßen an der Reihe. Eine Woche ist dazu der Risikoparcours an der Straßenmeisterei in Gerlingsen aufgebaut, gestern waren die knapp 20 Straßenmeister aus Herscheid zu Gast, um sich schulen zu lassen.

Konkret geht es da etwa um die einfache Entscheidung, wann man gefahrlos aus dem Auto aussteigen kann. In einer Halle ist dazu eine eine Straße nachempfunden, ein Streckenwagen von Straßen.NRW hat angehalten, um eine kleine Baustelle für eine Straßenreparatur einzurichten. Auf Bildschirmen vor und hinter dem Wagen sowie im Rückspiegel fließt der Verkehr. Der Proband muss sich entscheiden: Wann steige ich aus? Das Ergebnis wird diskutiert und allmählich wird jeder Handgriff, jede kleine Entscheidung, die im Alltag wie selbstverständlich gefällt wird, besprochen und ins Bewusstsein geholt.

Das Gleiche passiert beim Ausbessern eines simulierten Schlaglochs, bei der man neben der Arbeit immer auch den Verkehr im Auge haben muss. Oder beim Überklettern einer Verkehrsschutzwand am Straßenrand. Es geht um die alltäglichen, scheinbar einfachen und ungefährlichen Dinge, die aber doch ein großes Risiken bergen, wenn man sie achtlos übersieht.

Straßen.NRW sieht sich mit derlei Bemühungen auf dem richtigen Weg, denn die Sicherheit bei der Arbeit ist schon länger ein großes Thema und die Unfallzahlen gehen stetig zurück. Den letzten Todesfall hat es 2015 gegeben. Im Jahr 2018 waren es nur noch vier Unfälle, bei denen fünf Mitarbeiter verletzt wurden. Wenn nun alle Mitarbeiter auf dem neuen Risiko-Parcours geschult worden sind, soll er als festes Modul in das Fortbildungsprogramm aufgenommen werden.

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