Serie „Nachhaltig leben“

Darf’s ein Gläschen mehr sein?

Foto: Oliver Berg

Iserlohn.   Gesund, günstig, energiesparend und umweltschonend: Die Verbraucherzentrale empfiehlt Leitungswasser zu trinken.

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„Das Thema Klimaschutz“, sagt Bernhard Oberle, Umweltberater bei der Iserlohner Verbraucherzentrale, „kann ja kompliziert sein.“ In diesem Fall aber nicht: „Wer Abfall vermeiden, Energie und Kosten sparen und das Klima schützen will, der sollte Leitungswasser trinken.“

Ein klares Plädoyer, das Oberle mit einem kleinen Mäppchen voller guter Argumente belegen will. Stichwort Kosten: Etwa 0,4 Cent kostet in Iserlohn ein Liter Leitungswasser. Mineralwasser liegt in der Regel mindestens beim zehnfachen Preis, also bei 40 Cent oder höher. Wer also zwei Liter Mineralwasser pro Tag trinkt gibt 292 Euro im Jahr aus – Leitungswasser-Trinker gerade ein Hundertstel. Und: „Tafelwasser, etwa vom Discounter, ist meist auch nur abgefülltes Leitungswasser“, sagt Oberle.

Laut Hochrechnung der Verbraucherzentrale werden in Iserlohn 13,5 Millionen Pfandflaschen im Jahr gekauft. Allerdings: „Pfand bedeutet nicht gleich Mehrweg“, sagt Oberle. Vielen Kunden sei der Unterschied dabei nicht klar. Ausnahmeregelungen, wie bei Fruchtsäften, tragen auch nicht eben zu mehr Bewusstsein bei.

Die Pet-Flasche mit der dünnen Hülle, gängig etwa bei 1,5 Liter-Flaschen – sie wird geschreddert und meist zu Granulat verarbeitet. „Was einen hohen Energieaufwand erfordert, ebenso wie der Transport von Wasserflaschen“, sagt Oberle. „Das war ja auch ein Grund, warum die Hersteller von Glas- zu Plastikflaschen übergegangen sind.“

Wer also Verpackung sparen und unnötige Transport vermeiden will, solle zum Leitungswasser greifen. „Die Klimabelastung, die durch all dies entsteht, ist in etwa 600 Mal höher, als wenn aus der Leitung getrunken wird“, sagt der Umweltberater. „Außerdem wurde im letzten Jahr Mikroplastik in Wasserflaschen nachgewiesen.“ Zwar seien die Folgen noch nicht genau erforscht – „gut für den Menschen ist es aber mit Sicherheit nicht“.

Als einen Schritt, um die Verbraucher zum Konsum von mehr Leitungswasser zu bewegen, will die Verbraucherzentrale sich dafür einsetzen, dass in der Stadt sogenannte Refill-Stationen entstehen. In Gastronomie oder auch Schulen sollen Kunden dann Trinkflaschen kostenlos wieder befüllen dürfen. Ein entsprechendes Siegel und Hintergründe zu der Idee sollen im Sommer bekanntgegeben und auch in ausführlicher Form beworben werden.

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