Souvenirs, Souvernirs

Das 0-Euro-Schein-Phänomen

Kay Wohlfromm hat den 0-Euro-Souvenir-Schein mit dem Danzturm-Motiv nach Iserlohn gebracht.

Kay Wohlfromm hat den 0-Euro-Souvenir-Schein mit dem Danzturm-Motiv nach Iserlohn gebracht.

Foto: Stefan Janke

Iserlohn.  Kay Wohlfromm hat seiner Tochter einen Traum erfüllt und den „0-Euro-Souvenirschein“ für Iserlohn drucken lassen.

Die ersten Scheine hatte die Geldnoten-Druckerei im französischen Saint Jaques noch nicht verlassen, da trafen auch schon die Vorbestellungen via Internet aus der ganzen Welt ein. „Sammler aus Frankreich, den Niederlanden und Belgien meldeten sich. Sogar aus Hongkong und Australien kamen Anfragen“, sagt Kay Wohlfromm, in der dritten Generation Besitzer des kleinen Süßwaren- und Spirituosenladens am Alten Rathausplatz.

Er hat es Stadtmarketing-Leuten aus vielen anderen Städten weltweit nachgemacht und den ersten original „0-Euro-Souvenir-Schein“ für die Waldstadt drucken lassen und seitdem so manche Überraschung rund um das Phänomen Souvenir-Scheine erlebt.

Die Idee mit dem auf Iserlohn zugeschnittenen 0-Euro-Schein hatte – das betont der stolze Papa mehr als einmal – ja eigentlich seine zwölfjährige Tochter Madeleine mit nach Hause gebracht, nachdem ihr Souvenir-Geldscheine von der Burg Altena und der Dechenhöhle unter die Finger gekommen waren.

Und Madeleine ist es auch, die – schon Kaufmanns-Blut in den Adern – vorschlug, so ein cooles Souvenir für die Waldstadt drucken zu lassen. „Eigenes Geld in unserem Laden, das wäre doch der Hammer“, hat sie damals noch geträumt. Mit ihrem Handy machte sie schnell ein Foto vom Danzturm, und Vater Kay, der gleich begeistert von der Idee war, kümmerte sich ab sofort um die Umsetzung.

Mit Schloss Neuschwansteingibt’s Probleme

Zunächst einmal recherchierte der Iserlohner Kaufmann im Netz und stieß dabei auch auf den Artikel über einen bayerischen Souvenir-Schein, mit dem es Ärger gegeben hatte. Ohne die Genehmigung dafür einzuholen, hatte jemand das berühmte Schloss Neuschwanstein bei Füssen als Motiv gewählt und sich damit ein Eigentor geschossen: Die fertigen Souvenir-Scheine durften nicht mehr verkauft werden.

„Deshalb habe ich mich absichern wollen und bei der Rechtsabteilung der Stadt nachgefragt“, erinnert sich der Iserlohner. Als es vom Amt hieß, dass es keiner Genehmigung bedarf, nahm Wohlfromm Kontakt zur französischen Druckerei auf, die mittlerweile auch ein Büro in Berlin aufgemacht hat.

Im Laufe der „Ermittlungen“ und Recherchen wurde Wohlfromm immer klarer, welch’ einen Hype diese „Blüten“ weltweit ausgelöst haben, seitdem die ersten Scheine 2015 in Frankreich auf den Markt gekommen und schnell vergriffen waren. Heutzutage werden nicht wenige der Scheinchen bei eBay versteigert – „die Burg Altena bringt es da schon auf 15 Euro“, weiß Kay Wohlfromm.

Jedes Jahr ein neuer Schein mit neuem Motiv

Auch die Iserlohner Souvenir-Scheine können durchaus zum Sammlerobjekt werden, das Interesse ist jedenfalls da: „Als ich auf Facebook den Schein vorstellte, hatten nach wenigen Tagen schon mehr als 16.000 Leute den Artikel geliked“, sagt der 45-Jährige Familienvater.

Haptisch kommen die Scheine rüber wie eine echte Geldnote, selbst Wasserzeichen und Kupferstreifen fehlen nicht. Sie tragen außerdem ein Hologramm, ein Durchsichtregister, den Sicherheitshintergrund der Druckerei und eine individuelle Seriennummer – wie ein echter Geldschein. Neben dem Wahrzeichen der Stadt (im Falle Iserlohns der Danzturm in dieser ersten Auflage von 5000 Stück) prangt dann eine schöne „0“, die dem Geldwert des Scheins entspricht. Im Laden am Alten Rathaus, nur dort gibt es ihn, kostet er 3,80 Euro.

Die 2019er-Ausgabe soll nicht die einzige bleiben, das hat sich Kay Wohlfromm fest vorgenommen: „Ich möchte in Zukunft jedes Jahr neue Souvenir-Scheine herausbringen, natürlich immer mit einem anderen Motiv.“ Denn der erste Iserlohner 0-Euro-Schein hat sich schon jetzt zum echten Verkaufsschlager gemausert. Trotzdem: Von der „Nummer Eins“ wird es keine weitere Auflage geben, es bleibt bei 5000 Stück, von denen die meisten schon vergriffen sind.

Noch eine kleine Notiz am Rande: Nachdem der Hersteller publik gemacht hatte, dass er einen Iserlohner Schein herausgibt, sollen Sammler auch versucht haben, Exemplare beim hiesigen Stadtmarketing zu bestellen. Dort konnte man nur zum Alten Rathausplatz verweisen.

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