Parkhalle

Das Ende einer 45 Jahre alten Notlösung

Die Parkhalle ist einsturzgefährdet. Am Mittwoch ließ die Stadt Warnschilder anbringen und einen Bauzauninstallieren.

Foto: Michael May

Die Parkhalle ist einsturzgefährdet. Am Mittwoch ließ die Stadt Warnschilder anbringen und einen Bauzauninstallieren. Foto: Michael May

Iserlohn.   Ein Gutachten hat schon 2009 deutlich bescheinigt, dass die Iserlohner Parkhalle im Kern marode ist.

Am Tag nach der Hiobsbotschaft beginnt das politische Tauziehen auf der Alexanderhöhe: „Wir sind bereit“, heißt die Botschaft unisono aus den Reihen der beiden großen Fraktionen von CDU und SPD – um so schnell wie möglich einen Neubau für die marode Parkhalle zu ermöglichen. Im Detail setzen sich die Fraktionen derweil höchst unterschiedlich mit dem Thema auseinander.

Dabei wirft die Debatte, die nunmehr um Iserlohns wichtigen Veranstaltungsort entbrennt, vor allem zwei ganz nüchterne Fragen auf: Wie soll das finanziert werden? Und wer stampft die Bauplanung in kurzer Zeit aus dem Boden? Denn eines ist klar: Mit einer Fülle an Schulbauten, Schillerplatz-Gestaltung und Rathaus-Sanierung hat die Waldstadt millionenschwere Großprojekte vor der Brust – bei wachsenden Schulden und mehr als ausgelasteter Bauverwaltung. Für eine Lösung auf der Alexanderhöhe muss ein anderes Projekt wohl zurückstehen.

SPD: Feierstätte im Herzen der Stadt erhalten

Das Aus für die Parkhalle kam dabei aus Sicht der SPD-Fraktion „nicht wirklich überraschend“. Sollte das Gebäude vor der endgültigen Schließung stehen, sei es umso wichtiger, „den bereits 2014 von der SPD angestoßenen Vorschlag in die Tat umzusetzen“: einen Anbau ans Parktheater weiter zu planen. „Es ist und bleibt die einzig vernünftige Lösung, den Theaterstandort auf der Alexanderhöhe zu stärken und gleichzeitig eine Feierstätte im Herzen unserer Stadt zu erhalten“, erklären die Sozialdemokraten.

Die Zeit drängt aus Sicht der SPD. So schlagen die Genossen vor, auf einen Architektenwettbewerb beim geplanten Anbau an die Parkhalle zu verzichten und die Planung im Rathaus selbst zu übernehmen: Allen sei bewusst, dass Iserlohn mehrere große Bauvorhaben realisieren müsse. Aber die Bauverwaltung habe in der Vergangenheit nachdrücklich bewiesen, dass sie in der Lage sei, Großbauten „sehr gut selbst abzuwickeln“. Alle im Rat vertretenen Parteien seien nun aufgerufen, „einen belastbaren Ablaufplan“ für die Bauvorhaben zu erstellen.

CDU: Baudezernent und Bürgermeister gefordert

„Wir fragen uns, wie die Prioritäten im Rathaus gesetzt werden“, betont indes die CDU: „Seit Jahren befindet sich die Parkhalle in einem desolaten Zustand“, heißt es in einer Mittelung. Gemeinsam mit der SPD habe die CDU 2015 den Antrag gestellt, den schon damals geplanten Anbau an das Parktheater so auszudehnen, „dass die Erweiterung Platz für Veranstaltungen für bis zu 1000 Personen schafft“. Bis dahin sollte die Parkhalle durch Reparaturen erhalten werden.

Mit dem Neubau würde dann die Alexander­höhe als traditioneller Veranstaltungsort, aber auch als Heimstätte für die Bürgerschützen des IBSV bewahrt. Mit Mehrheit sei dies 2016 im Stadtrat auch beschlossen worden, wie Fraktionschef Fabian Tigges und Thorsten Schick klarmachen.

Nach der Notfallschließung der Parkhalle am Dienstag sehen die Christdemokraten vor allem Baudezernent Mike-Sebastian Janke und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens „in der Pflicht, die richtigen Schlüsse zu ziehen“. Dabei bohrt die CDU kritisch nach, wieweit die Bauverwaltung auf die aktuelle Situation vorbereitet war.

Fazit der CDU: „Es macht wenig Sinn, jetzt mehr Geld in eine so marode Halle zu investieren.“ Die Union sei bereit, für einen Neubau entsprechende Mittel für 2018 im Haushalt bereitzustellen.

Gutachten liegt schon seit acht Jahren vor

Zur Wahrheit über die Parkhalle gehört jedoch auch, dass sie schon 1972 als günstige Zeltkonstruktion nur für eine Lebensdauer von 20 Jahren errichtet wurde. Stattdessen haben Verwaltung und Politik noch zehn, zwölf Jahre nach dem „Verfallsdatum“ Anbauten genehmigt: etwa 2002 für das Billard-Café und 2004 für ein großes Stuhllager. Nur fünf Jahre später flattert auf Anforderung des Kommunalen Immobilien-Managements (KIM) ein Gutachten auf den Tisch, das die Halle samt Anbauten als Ruine kennzeichnet. Verrostete Blechverstrebungen, bröckelnde Waschbetonplatten, Risse in der Fassade, kaputte Bodenbeläge, mangelhafte Entwässerung der Dächer, Feuchtigkeitsschäden, mangelhafte Elektroinstallation und vieles mehr listen die Gutachter 2009 auf 63 Seiten auf.

Ergebnis: Vier bis fünf Millionen Euro müssten investiert werden – und selbst dann bliebe die Parkhalle ein Provisorium. „Wir können das Thema nicht auf die lange Bank schieben und noch Jahre warten“, erklärte der damalige Baudezernent Olaf Pestl.

Das alles ist Verwaltung und Politik seit Jahren bekannt. Doch passiert ist nichts. Auf einen Schlag stehen nunmehr Absperrzäune rund um die Parkhalle, die Pächter und Nutzer gucken vorerst in die Röhre – einschließlich der Beschäftigten.

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