Stadtleben

Das Netzwerk für die Nachbarschaft

Eine App für die Nachbarschaft: Prof. Dr. Ulrich Lehmann.

Eine App für die Nachbarschaft: Prof. Dr. Ulrich Lehmann.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Professor Ulrich Lehmann empfiehlt die App „Nextdoor“ zum Austausch im Quartier.

„Wir möchten Sie gerne in das Netzwerk ‚Nextdoor‘ von Google einladen. Vorteil: einfache und zielgenaue Kommunikation mit den nächsten Nachbarn“, wirbt Ulrich Lehmann in einem persönlichen Anschreiben, das er jetzt in der Nachbarschaft am Dördel in einige Briefkästen steckte. Der 64-jährige Hochschullehrer an der Fachhochschule Südwestfalen ist Experte für Künstliche Intelligenz und Prozessinformatik. Die Nachricht verfasste er auf einem Block der FH Südwestfalen, die mit dem Slogan wirbt: „Wir geben Impulse.“ Er fügte Kopien mit weiteren Informationen bei.

Prof. Lehmann hält diese Plattform für besonders praktisch in den Bereichen Einbruchschutz, Nachrichten und Soziales. „Es soll die Gesellschaft erfassen, die Gesellschaft soll etwas davon haben. Wir sollten es ausprobieren, was wir damit machen können. Leider wird in Deutschland zu viel diskutiert. Damit verliert man viel Zeit.“

App für den Austausch wachsamer Nachbarn

Die Idee kam dem Iserlohner Hochschulprofessor, der forschend im Bereich „Industrie 4.0“ unterwegs ist, bei einem Besuch in Gelsenkirchen: „In einem Vorgarten habe ich ein Schild gesehen mit der Aufschrift ‚Vorsicht! Wachsamer Nachbar‘.“ Nach eigenen Angaben des Google-Dienstes ist das kostenlose private soziale Netzwerk Nextdoor „die weltweit größte Nachbarschafts-App“. „Der Teil, der idealistisch rangeht, liegt bei 20 Prozent. Es eignet sich für alle Schichten.“ Lehmann hält das Netzwerk auch interessant für junge Eltern – um sich auszutauschen, bei Vertretungen, wenn ein Kind von der Kita abgeholt werden soll.

Ulrich Lehmann weiß aber um die Vorbehalte gegen derlei digitale Angebote: „Als ich einige Nachbarn eingeladen habe, haben sie mir signalisiert, dass sie nicht die Bereitschaft haben. Sie stellen sich lieber vors Haus und sprechen persönlich miteinander. Bei den Ü-60ern ist es schwieriger, obwohl die es brauchen, gerade wenn die Kinder weit weg sind.“ Er könne sich gut vorstellen, ebenfalls so ein Schild „Wachsamer Nachbar“ aufzustellen: „Vorausgesetzt, die Hausbewohner sind damit einverstanden.“ Er hält das abschreckender als eine Alarmanlage, wenn die Nachbarschaft sensibilisiert ist. Er berichtet von anonymen Kastenwagen, die häufig in seinem Wohngebiet unterwegs seien und von Unbekannten, die sich in der offenen Tiefgarage umgesehen hätten. „Es ist einfach, ein Foto und eine Nachricht rumzuschicken. Wir haben auch schon mal die Polizei informiert, als Alarmanlagen in der Nachbarschaft angingen und wir die betreffenden Nachbarn nicht erreicht haben.“ Da habe es auch schon mal Fehlalarm gegeben.

Polizeisprecher Dietmar Boronowski kennt die „Nachbarschaftsapp“ nicht. Er betont aber: „Wenn es Verdächtiges gibt, sollten die Leute uns sofort anrufen unter 110. Wir sind für die Menschen da, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.“

Ulrich Lehmann nutzt darüber hinaus WhatsApp seit zwei oder drei Jahren: „In der Familie haben wir es privat gestartet zum Austausch von Fotos, Filmen, Audiobeiträgen und Text-Nachrichten zwischen Berlin, Bochum und Iserlohn. Das ist richtig schön. Aber mittlerweile liegt der Anteil des Privaten bei 50 Prozent und Berufliches ebenfalls. Das wird bei Nextdoor nicht passieren.“ Er räumt ein, WhatsApp sei leichter zu bedienen: „Nextdoor ist nicht so geschmeidig, das sind die Sicherheitsbedingungen.“ Er ist überzeugt: „Man wird herausfinden, wie nützlich es ist, über das einfache Austesten.“

Nach Roosters-Siegen hängt Fan-Schal über der Brüstung

Ulrich Lehmann nutzt zudem die Kommunikation über handschriftliche Zettelbotschaften auf der Fußmatte im Hausflur mit seinen direkten Nachbarn, Eishockey-Spieler der Iserlohn Roosters. „Wenn sie gewonnen haben, hänge ich auch mal meinen Fan-Schal über die Brüstung, oder es gibt kleine Präsente in die eine oder andere Richtung: Rotwein, Bier oder Waffeln“.

„Für die Regionale Südwestfalen machen wir mit beim Programm ‘Digital Internet of Things’, um den Content zu liefern, wenn digitale Innovation gebraucht wird“, verweist er auf verschiedene Projekte, die die Fachhochschule mit anschieben möchte.

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