Menschen

Das Spiel mit den feinen Aromen

Flagge zeigen in Sachen Bier:

Flagge zeigen in Sachen Bier:

Foto: Privat

Iserlohn.   Stephan Hilbrandt vom Nußberg ist Weltmeister der Sommeliers für Bier.

Riechen, schwenken, schauen, kosten, den Genuss als ein Ritual des Schönen zelebrieren: Was bei Wein seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, ist in Sachen Bier noch Neuheit. Das deutsche Nationalgetränk – es hat eher den Ruf eines Kneipen-Trunks und Party-Beschleunigers, weniger den, eine Angelegenheit für Freunde feiner Geschmäcker zu sein.

Dass dem mitnichten so ist, erzählt in der Heimatzeitung Stephan Hilbrandt. Und der muss es wissen, darf sich der 32-Jährige, aufgewachsen am Nußberg, doch seit wenigen Wochen (und für zwei Jahre) Weltmeister der Sommeliers für Bier nennen. Bei einem Wettbewerb in München setzte sich Hilbrandt gegen 69 Konkurrenten aus 15 Nationen durch.

„Man muss Ungewöhnliches nahe bringen können“

Was also macht überhaupt einen guten Bier-Sommelier aus? „Er sollte angemessen beschreiben, etwas schmackhaft machen, dem Gast auch ungewöhnliche Geschmäcker nahe bringen können“, sagt der Iserlohner, der mittlerweile in Bonn lebt.

Bei dem Wettbewerb musste sich Hilbrandt Fragen zu Mischung, Prozess, Rohstoffen und Trends stellen. Außerdem mussten künstliche Fehlaromen und Stile erschmeckt werden, bevor es galt, Jury und Publikum ein Bier anzupreisen, dessen Sorte die Teilnehmer erst auf der Bühne erfuhren.

Seine Ausbildung zum Sommelier hat Stephan Hilbrandt erst 2015 absolviert. Hauptberuflich arbeitet er in der „Software-Qualitätssicherung“, was im Vergleich zum Sommelier ungleich weniger glamourös klingt. „Es ernährt einen aber besser“, scherzt der Bier-Kenner, der mit seiner Passion inzwischen aber nebenberuflich am Start ist und Verköstigungen und Heimbraukurse anbietet (biersommelier.hilbrandt.com).

In Sachen Bier-Genuss gelte es beim kühlen Blonden übrigens ähnlich wie bei Wein und Whisky bestimmte Folgen einzuhalten, erklärt Hilbrandt. „Nicht zu kräftig, nicht zu hopfig einsteigen“, empfiehlt der Experte, der 2012 mit dem Brauen begann und so zur Sommelier-Beruf kam.

Iserlohner Bier eher nicht zu Schokolade servieren

Was viele nicht wissen: Bier – das geht in seinen zahlreichen Variationen auch gut zu Käse oder Schokolade. Zu letzterer würde Hilbrandt ein einfaches Pils aber nicht empfehlen, „eher ein Porter“. Gut kombinierbar seien auch Chili-Pralinen mit „Imperial Stout“, einem starken schwarzen Bier. „Das ist dunkel, rostig, ,kaffeeig’ – das bringt die Röstaromen gegenseitig hervor.“ Ein Iserlohner-Pils, wenn es das denn noch gebe, würde man zu Schokolade eher nicht trinken, sagt der Experte.

In Sachen Vielfalt allerdings, räumt Hilbrandt ein, haben andere Länder, selbst die US-Amerikaner, den Deutschen teilweise den Rang abgelaufen. „Da hat sich der Markt schnell gut entwickelt.“ Inzwischen liege Vielfalt vor allem bei Kleinbrauereien hierzulande wieder im Trend. „Was untergäriges Bier angeht, haben wir nach wie vor einen guten Ruf. Wir trauen uns nur oft nicht, kreativ zu sein.“

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