Baugeschichte

Denkmalplakette für die Johanneskirche

Pfarrer Tom Mindemann, Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens, Architekt Ernst Dossmann und Presbyter Karl Schreiber (vorne v. li.) freuten sich über die Denkmalplakette für die Johanneskirche. Im Hintergrund: Kirchbaumeister Ulrich Hebbinghaus und der städtische Denkmalpfleger Michael Knaack (re.).

Foto: Andreas Drees

Pfarrer Tom Mindemann, Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens, Architekt Ernst Dossmann und Presbyter Karl Schreiber (vorne v. li.) freuten sich über die Denkmalplakette für die Johanneskirche. Im Hintergrund: Kirchbaumeister Ulrich Hebbinghaus und der städtische Denkmalpfleger Michael Knaack (re.). Foto: Andreas Drees

Iserlohn.   Auch Architekt Ernst Dossmann freut sich über die Auszeichnung für das von ihm geschaffene Bauwerk.

Die Denkmalplakette des Landes zu verleihen, ist eine Aufgabe, die Michael Knaack aus der Abteilung Bauaufsicht und Denkmalpflege des Rathauses und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens gerne erledigen. Am Mittwoch waren die beiden Überbringer des markanten Schildes am Nußberg sehr willkommen und konnten somit auch der Öffentlichkeit die Nachricht eröffnen, dass die Johanneskirche unter Denkmalschutz gestellt worden ist: als Nummer 246 der Iserlohner Denkmalliste. „Dass sie schön ist, wussten wir schon vorher“, kommentiert Gemeindepfarrer Tom Mindemann lächelnd die Übergabe, bevor Denkmalexperte Michael Knaack rhetorisch nachfragt, ob er denn die elfseitige Begründung vorlesen möge.

Rhetorisch vor allem auch deshalb, weil mit Ernst Dossmann, mittlerweile 91 Jahre alt, der Architekt des Gebäudes erschienen ist, mit Krücken beidhändig aber auch mit einem exzellenten Gedächtnis an jede Menge Details aus der Bauzeit der evangelischen Kirche am Nußberg. Und so führt er selbst die Erschienenen – darunter auch Kirchbaumeister Ulrich Hebbinghaus und Karl Schreiber als Mitglieder des Presbyteriums – durch den Kirchenbau, dessen Grundsteinlegung im September 1959 stattgefunden hatte. Dabei erläuterte er unter anderem, welchen Einfluss die konische Form der Außenwände auf die bekannt gute Akustik der Johanneskirche hat und dass er selber die heute noch vorhandenen recht bequemen Kirchenbänke entworfen hatte, die anhand eines Modells damals in der Praxis ausgiebig getestet wurden.

Bau der späten 50er Jahre fast im Originalzustand

Das Gutachten der Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes bescheinigt dem Bau, dass die Kirche – „eine Stahlbetonkonstruktion mit Ausfachung durch Hochlochziegelmauerwerk und hell verglasten Betonrastersteinen“ – in den fast 60 Jahren ihrer Nutzung nur sehr begrenzt verändert worden sei. „Mit dem Bau der Johanneskirche und ihrer Gemeinderäume entstand ein neuer religiöser Mittelpunkt der Nußbergsiedlung im Norden der Stadt Iserlohn, an dem sich rasch ein reges Gemeindeleben entwickelte“, heißt es rückblickend in dem Aufsatz. Und an anderer Stelle: „Die Johanneskirche ist ein charakteristisches Beispiel dieser Art evangelischer Gemeindezentren aus den späten fünfziger Jahren, bei dem ein großer Kirchenraum – als geistiger Mittelpunkt – einen bauprägenden sakralen Charakter besitzt und bei dem durch die Unterbringung der Gemeinderäume im Untergeschoss zugleich eine integrierende Gesamtform entsteht, in der alle Räumlichkeiten für ein aktives Gemeindeleben unter einem Dach vereint sind.“

Denkmalpfleger widmen sich modernen Kirchbauten

Für die Gemeinde am Nußberg ist die Eintragung als Denkmal eine Bestätigung, dass die Gemeinde über eine schöne und auch im Originalzustand erhaltene Kirche verfügt. „Es hat im Grunde genommen noch keine Auswirkungen gehabt“, sagt Pfarrer Tom Mindemann. Er vermutet, die Wege bei baulichen Veränderungen würden nun etwas länger, bewertet die bisherigen Kontakte zur Denkmalabteilung im Iserlohner Rathaus als angenehm.

Möglicherweise steht noch anderen Kirchenbauten in Iserlohn und anderen Städten die Erhebung in den Denkmalstatus bevor, denn das Land NRW und der Landschaftsverband widmen sich aktuell verstärkt den modernen Kirchbauten der Nachkriegszeit.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik