Kultur

Der Panikraum im Iserlohner Parktheater

Wiebke Eymess und Friedolin Müller setzen auf die Klischees des Männer- Frauen-Konflikts.

Wiebke Eymess und Friedolin Müller setzen auf die Klischees des Männer- Frauen-Konflikts.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Lustig und unterhaltsam, aber auch ein wenig zu bemüht und langatmig war die Vorstellung von „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“.

Manche Künstler nennen sich nach ihrem Herkunftsort, andere nach fiktiven Personen, es soll auch solche geben, die tatsächlich ihre Namen verwenden – und es gibt Wiebke Eymess und Friedolin Müller. Die beiden Kabarettisten haben sich an ein altes Sprichwort erinnert. Sie heißen nicht „Morgenstund hat Gold im Mund“ und auch nicht „Sich regen bringt Segen“.

Typische Paarprobleme à la „Er hört nicht zu“

Die beiden Hannoveraner, die am Freitag im Parktheater zu Gast waren, sind „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“. Die Redewendung soll so etwas wie ein Stoßseufzer sein, ein „Na dann, gute Nacht!“ Man sieht das Unheil kommen, kann aber nichts tun und überhaupt ist eigentlich noch immer alles gut gegangen.

Es braucht wohl eine gehörige Portion Selbstironie, um mit einem solchen Namen die Bühne zu entern – Wiebke Eymess und Friedolin Müller haben sie. Die beiden arbeiten zusammen und gehen zusammen durchs Leben. Auf skurrile Art und Weise sezieren sie den ganz alltäglichen Paar-Wahnsinn bis ins Detail. Das ist über weite Strecken lustig und unterhaltsam, aber es gibt auch durchaus Längen und manche Themen werden einfach zu lange ausgewalzt. Schon das Warmlaufen, die Annäherung an das Publikum, zieht sich zu lange hin. Doch immerhin weiß man nun, was Sache ist. Es geht um typische Paarprobleme, viele davon sind Stereotype à la „Er hört nicht zu“ und „Sie redet zu viel!“

Wiebke Eymess und Friedolin Müller spielen ein Paar, das zum Wohl der Kinder aus der Großstadt aufs Land gezogen ist und sich den stinknormalen Alltag am Gartenzaun zwischen chinesischen Aufbackbrötchen von der Tankstelle und Kirschlorbeerhecke schön zu reden versucht.

Man erörtert die Vor- und Nachteile des Landlebens, dann gibt es ein Lied übers Bienensterben, und wieder zurück zu den altbewährten Verständigungsschwierigkeiten. Kennt man ja: Männer und Frauen können nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander – soll das wohl heißen. Viele Ideen sind witzig, aber mit der Zeit wirkt das ständige „kabbeln“ etwas bemüht.

Leider wird auch die witzige Idee vom „Klo, dem Panikraum der Väter!“ viel zu sehr ausgewalzt. Mit der Kritik an den „alten weißen Männern“, die die Geschicke in Politik und Wirtschaft bestimmen sollen, steht das Kabarett-Duo im Parktheater auf eher verlorenem Posten, nur zaghaft stimmen wenige Besucher in den Refrain ein.

Klimawandel, „#MeToo“ und der WDR-Kinderchor

Vieles ist aktuell: Der Klimawandel, die „#MeToo“-Debatte, ein Netflix-Abo als beste alternative Verhütungsmethode und auch das „Skandal-Lied“ des WDR-Kinderchores kommen – versteckt – vor. Schade ist deshalb, dass der Name des früheren SPD-Ministers und Kanzleramtschefs Bodo Hombach wie ein Running-Gag immer wieder im Programm auftaucht – mehr als zwei Jahrzehnte nach dessen Zeit in der Politik. Es gibt auch stille und sehr berührende Momente wie im Lied über die Still-Demenz oder eine musikalische Liebeserklärung an Deutschland. Und dann wird doch schnell wieder ein typischer Mann-Frau-Schenkelklopfer hinterhergeschoben – das nennt man dann wohl Angst vor der eigenen Courage! Schade, das haben „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ gar nicht nötig.

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