Kultur

Der Schüler-Schreck einmal ganz anders

Peter Bochynek stand zum 31. Mal auf der Bühne des Alten Ratssaals.

Peter Bochynek stand zum 31. Mal auf der Bühne des Alten Ratssaals.

Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.  Beim Fontane-Abend in der Stadtbücherei widmet sich Peter Bochynek dem Werk des Dichters.

Theodor Fontane – so mancher Schülergeneration hat der Dichter, der vor 200 Jahren geboren wurde, vor der Deutsch-Prüfung schlaflose Nächte bereitet – zu groß war und ist bis heute das Unverständnis für jene Mischung aus altertümlicher Sprache („genant“), dem engen Korsett aus Ehre, Moral und Standesgrenzen. Dazu Menschen, die an den Verhältnissen leiden, sich unfähig fühlen zu handeln – und schließlich zerbrechen.

Was hat das noch mit dem heutigen Wunsch nach einem freien, selbstbestimmten Leben zu tun? Wer mag den jungen Menschen ihr Kopfschütteln, ihre Ungeduld verdenken. Fontanes mäandernde Sätze passen scheinbar so gar nicht in die Zeit von Social Media, wo alles schnell, kurz und leicht zu konsumieren sein soll. Unter Schülern geht deshalb der makabere Spruch um: „Wie sieht das perfekte Verbrechen aus? Jemand umbringen und am Tatort ,Effi Briest‘ zurücklassen. Alle werden denken, er ist aus Langeweile gestorben!‘“

Dass es auch anders geht, machte das Trio aus Peter Bochynek, Karen Heese-Brenner und Ulrich Stracke mit dem Fontane-Abend zum Auftakt der Reihe „Literarische Kleinkunst im Alten Ratssaal“ der Stadtbü­cherei klar. Sie zeigten den Großdichter, der erst im Alter große Erfolge feiern konnte, als genauen Beobachter seiner Zeit. Natürlich ist Fontane kein Reden schwingender Revolutionär, der zum Umsturz aufruft, aber indem der gebürtige Neuruppiner die Verhältnisse schilderte, kritisierte er sie gleichzeitig. Als Peter Bochynek mit halb geschlossenen Augen der melodisch-tiefen Stimme und dem satten Timbre von Rezitatorin Karen Heese-Brenner lauschte, stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht und man spürte, was ihm der Dichter bedeutet.

Ulrich Strackes Musik sorgtefür den Nachklang der Worte

Zum 31. Mal stand der 83-Jährige bereits im Alten Ratssaal vor Publikum – und wirkte doch nicht müde. Mit zarten Gitarren-Weisen aus der Zeit Fontanes sorgte Ulrich Stracke dafür, dass die Worte noch lange nachhallten. Bochynek, der langjährige Vorsitzende der Kinderlobby Iserlohn, bemühte sich um eine Einordnung des Vielschreibers in seine Zeit. Fontane sei ein „Apotheker-Journalist“ gewesen, der stets unter Geldnot litt und Probleme hatte, seine Familie durchzubringen Mit 56 Jahren fand er eine sichere Stelle in der Verwaltung, die er aber bald kündigte. „Er fühlte sich befreit, und er nutzte diese Freiheit“, so Bochynek. So entstanden Romane und Gedichte, die heute zum Kanon der deutschen Literatur gehören. Eine Freiheit, die sich Fontanes Hauptpersonen gewünscht hätten . . .

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben