Nach dem Großbrand

Tag der Entscheidungen für abgebranntes Haus in Iserlohn

Am Morgen danach wird deutlich, wo das Feuer gewütet hat und wo ein Übergreifen der Flammen verhindert werden konnte.

Am Morgen danach wird deutlich, wo das Feuer gewütet hat und wo ein Übergreifen der Flammen verhindert werden konnte.

Foto: Feuerwehr Iserlohn

Iserlohn.  Ab Mittag werden mehr als ein halbes Dutzend Gebäude-Experten die Substanz des Wohn- und Geschäftshauses am Kurt-Schumacher-Ring überprüfen.

Ab Mittwochmittag entscheidet sich, wie es mit dem Wohn- und Geschäftshaus am Kurt-Schumacher-Ring 20 nach dem Großbrand in der Nacht zu Montag weitergeht. Zuvor soll am Vormittag ein Gerüst errichtet werden, von dem aus dann insgesamt mehr als ein halbes Dutzend Experten die Gebäudesub­stanz untersuchen wird.

Allen voran wird ein Statiker prüfen, inwieweit das Gebäude, das wegen akuter Einsturzgefahr vorsorglich abgesperrt wurde (wie auch der gesamte Bereich des Kurt-Schumacher-Rings davor), betreten werden kann und vor allem auch welche Gefahr vom obersten der vier Geschosse ausgeht. Dass es tatsächlich abgetragen werden muss, so wie es nach der ersten Einschätzung der Baustatikerin des Märkischen Kreises kommuniziert wurde, können sich Hauseigentümerin Jutta Bengelsträter-Ewest und ihr Mann Werner Ewest gar nicht vorstellen angesichts der Fotos, die am Tag nach dem Brand von außen gemacht wurden.

Kunsthändler wollen möglichst wieder aufbauen lassen

Während der Dachstuhl mit dem Dachboden zu großen Teilen ein Raub der Flammen wurde, sei das Ständerwerk in ihrer Wohnung direkt darunter, in eben jenem vierten Geschoss, augenscheinlich „noch völlig intakt“. „Das Holz ist noch nicht einmal angekokelt“, sagt Werner Ewest. Und an der Wand zur Straße, also der Innenseite der Fassade, hat seine Frau die schwere Kunstinstallation aus Glas erkennen können, die dort noch so hängt wie vor dem Brand. „Und daneben auf der Fensterbank steht sogar noch eine Skulptur“, sagt die Kunsthändlerin, die mit ihrem Geschäft auch so schnell wie möglich wieder in der Stadt präsent sein möchte. Deswegen haben die beiden, die noch eine weitere Galerie in Düsseldorf führen, auch bereits erste Gespräche über ein Ausweich-Ladenlokal in Iserlohn geführt. Schließlich konnte die Feuerwehr, die mit einer „Riegelstellung“ ein Übergreifen der Flammen außer auf die beiden Nachbargebäude vor allem auch auf das Lager und auf das Galerie-Gebäude im Hinterhof verhindern konnte, die weiteren wesentlichen Teile des Kunst- und Möbel-Geschäfts retten. Und eines steht für Jutta Bengelsträter-Ewest und Werner Ewest fest: Wenn es die Substanz des Gebäudes zulässt, wollen sie das Haus Nr. 20 so schnell wie möglich wieder aufbauen lassen. Und zwar nicht nur weil es seit vielen Jahrzehnten der Familie Bengelsträter gehört und das Geschäft beherbergt, sondern auch aus Verantwortung gegenüber ihren Mietern. „Die wohnen ja teilweise auch schon seit vielen Jahren bei uns“, sagt Jutta Bengelsträter-Ewest.

Das werden Horst und Juliane Lukas gerne hören: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit 81 Jahren noch einmal von vorne anfangen muss“, erzählt am Dienstag der Mieter aus dem dritten Geschoss, der durch den Brand alles verloren hat. Seine 63-jährige Frau und er saßen vor dem Fernseher bzw. Computer, als ein lauter Knall den Boden erschütterte. Die Ermittlungen über die Ursache – dem Vernehmen nach soll es beim Anzünden einer Zigarette in der Wohnung eines 69-Jährigen im ersten Stock zu einer Verpuffung gekommen sein – dauern laut Polizei an. Das Ehepaar ließ jedenfalls alles stehen und liegen und eilte mit dem Allernötigsten nach draußen. „Durch das Fenster im Treppenhaus habe ich gesehen, dass schon alles gebrannt hat. Das muss Gas gewesen sein, so schnell wie sich das so ausgebreitet hat“, sagt Horst Lukas. Auf dem Weg nach draußen schlug er noch gegen die Wohnungstüren der Nachbarn, um sie zu alarmieren.

Notunterkunft der Stadt sei in schlimmem Zustand gewesen

Draußen kamen sie zunächst in den MVG-Bus. „Bis drei Uhr morgens waren wir dort“, erzählt Juliane Lukas. Viele ihrer Nachbarn hätten Familien in der Nähe, bei denen sie unterkommen konnten, das Ehepaar jedoch war ratlos, wie es weitergehen soll. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes sagte ihnen, dass eine Unterbringung in einer Pension oder einem Hotel nicht möglich sei und brachte sie in die städtische Notunterkunft an der Oestricher Straße. Dort war an Schlaf jedoch nicht zu denken. „Das war total verdreckt, es sah dort schlimmer aus als im Knast“, berichtet Horst Lukas.

Glücklicherweise konnte das Ehepaar schnell aus der Obdachlosenunterkunft wieder raus. Juliane Lukas arbeitet in der Küche des St.-Elisabeth-Hospitals. Über das Krankenhaus hat das Ehepaar jetzt ein Appartement bekommen, das für die kurzfristige Unterbringung von Mitarbeitern genutzt wird. Von Arbeitskollegen haben sie zudem Kleidung bekommen. Und auch durch eine Spendenaktion, die von der Familienschule Kinderleicht an der Stennerstraße auf Facebook ins Leben gerufen wurde, konnte das Ehepaar erste Hilfe bekommen.

Die Stadt hat derweil ihren Mitarbeiter Michael Thomas-Lienkämper mit der Koordination der Hilfen für die Betroffenen beauftragt. Er ist unter 02371/217-1627 oder 0176/14568043 erreichbar und stellt unter anderem den Kontakt zu den Kolleginnen aus dem Sozialen Dienst der Stadt her, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen beraten und begleiten.

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