Menschen unterwegs

Die gewonnene Freiheit genießen

Der 20-jährige Jannis Riebschläger hat während seiner Reise per Anhalter zum Nordkap alles mit seiner Action-Kamera festgehalten und daraus eine Reise-Dokumentation geschnitten.

Der 20-jährige Jannis Riebschläger hat während seiner Reise per Anhalter zum Nordkap alles mit seiner Action-Kamera festgehalten und daraus eine Reise-Dokumentation geschnitten.

Foto: IKZ

Iserlohn.   Nach dem Abitur reiste der Blogger Jannis Riebschläger mit einem Freund per Anhalter zum Nordkap. Daraus entstand die Dokumentation „Hyperborea“.

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Nach dem Abitur in die große weite Welt. Ein Traum vieler junger Menschen. Sei es als Au-pair nach Amerika oder zum Work-and-Travel nach Australien. Die meisten zieht es nach Übersee, um dort die neu gewonnene Freiheit zu genießen. Für viele ist das schon Abenteuer genug, nicht so für Jannis Riebschläger. Und genau deswegen machte sich der 20-Jährige nach dem Abitur mit seinem Freund Joel Galla nicht auf den Weg in die Staaten oder nach Down­ Under, sondern von Leverkusen über Polen, Litauen, Lettland, Estland und Finnland bis zum Nordkap in Norwegen – per Anhalter.

Schon als kleines Kindvom Reisefieber gepackt

„Ich war schon mit vier Monaten das erste Mal auf einer Rucksackreise. Damals war ich noch der Rucksack meiner Eltern“, erzählt Jannis grinsend. Das Reisefieber hatte ihn also schon früh gepackt. Bereits zu Schulzeiten zog es ihn während der Sommerferien in die weite Welt. Doch die sechs Wochen waren meist zu kurz, bei weitem hatte er nicht alles gesehen, was er sehen wollte. Gott sei Dank nahte jedoch das Ende der Schulzeit, die Freiheit. „Endlich war es egal, wie lange die Reise dauert. Wir wollten uns treiben lassen und irgendwann unser Ziel erreichen“, sagt Jannis, der auf seinem Blog „Jannis Life“ von seinen Touren berichtet.

Die Reise zum Nordkap wollte er aber nicht nur textlich mit seinen Followern, Freunden und Bekannten teilen, sondern sie auch bildlich daran teilhaben lassen. Ausgestattet mit einer Action-Kamera filmte sich Jannis während der gesamten Reise und formte daraus nach seiner Rückkehr in Deutschland die Reisedokumentation „Hyperborea – per Anhalter zum Nordkap“, die in der vergangenen Woche auch im Filmpalast zu sehen war. Ein nicht immer ganz so leichtes Unterfangen. „Das hat unheimlich viel Kraft gekostet. Ich musste ja auch schon während der Reise das ganze Filmmaterial ordnen“, gibt er zu.

Und kräftezehrend war das Trampen ja ohnehin schon. Teilweise warteten Jannis und Joel bis zu zehn Stunden, bis endlich ein Autofahrer Erbarmen mit den beiden hatte und sie ein Stück mitnahm. „Da waren Strecken von drei bis 700 Kilometer dabei“, berichtet Jannis. Nachts schliefen die beiden in ihren Zelten, irgendwo in der Wildnis. Gebadet haben sie oft in Seen, manchmal tagelang auch gar nicht. Wenn ein Supermarkt in der Nähe war, kauften sie Proviant, ansonsten gab es nur das auf die Gabel, was die Natur zu bieten hat. Und das konnte durchaus gefährlich werden: „Wir haben uns eine Muschelvergiftung zugezogen, weil wir diese nicht lange genug gekocht hatten.“ Die Folge: Jannis war tagelang kraftlos, Joel musste sogar ins Krankenhaus. All diese Strapazen führten dazu, dass beide mit dem Gedanken spielten, die Reise abzubrechen – doch sie gaben nicht auf.

Einzigartige Momente entschädigen die Strapazen

Kraft dafür zogen sie aus den vielen schönen Momenten, die wohl vielen Pauschaltouristen verwehrt bleiben. Sei es der Sonnenaufgang auf einem Fluss in Litauen, auf dem die beiden sich über Nacht in ihren Booten einfach treiben ließen, oder das letzte und gleichzeitig größte Highlight ihrer Reise: das Erreichen des Nordkaps. „Es ist einfach ein magischer Moment, wenn einem am Nordkap eine Herde Rentiere über den Weg läuft“, ist der 20-Jährige noch immer beeindruckt von dieser Erfahrung.

Doch die Reise ist vorbei, das Ende der Freiheit naht. Ein Studium oder eine Ausbildung rücken immer näher – zumindest für die vielen anderen Abiturienten. Ihr Abenteuer ist erst einmal beendet, das von Jannis anscheinend noch lange nicht. Schon jetzt plant er die nächste Tour. Wohin es genau geht? „Das weiß ich noch nicht.“ Aber er wird mit Sicherheit wieder davon berichten.

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