Tiere

„Die Mädels haben sich gut entwickelt“

Vor einigen Monaten hatten sie nach ihrer Zeit in der Massentierhaltung kaum eine Feder am Leib. Jetzt laufen Bonny, Luna und Christmas im vollem Federkleid durch den Garten und fressen ihrer Retterin Katja Henschke aus der Hand.

Vor einigen Monaten hatten sie nach ihrer Zeit in der Massentierhaltung kaum eine Feder am Leib. Jetzt laufen Bonny, Luna und Christmas im vollem Federkleid durch den Garten und fressen ihrer Retterin Katja Henschke aus der Hand.

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Iserlohn.  Die drei aus der Legebatterie geretteten Hühner von Katja Henschke sind kaum noch von anderen Hühnern zu unterschieden.

Bonny, Luna und Christmas laufen durch den Garten, als wäre nie etwas gewesen. Sie picken, scharren und lassen sich die Sonne aufs Gefieder brennen – kurz: Sie benehmen sich fast wie normale Hühner, die nicht das Pech hatten, die ersten 15 Monate ihres Lebens unter den lebensfeindlichen Bedingungen einer industriellen Massentierhaltung verbracht zu haben. Die überall herum wirbelnden weißen Blütenblätter sorgen bei ihnen zwar mächtig für Aufregung und sie können es nicht lassen, die merkwürdigen Dinger auf zu futtern. Aber die drei müssen die Welt da draußen in Freiheit erst mal kennen lernen.

„Die Mädels haben sich wirklich gut entwickelt“, sagt Katja Henschke, die die drei Hühner direkt aus der Legebatterie bei sich aufgenommen hat. Wie bereits berichtet hatte sie über die Initiative „Rettet das Huhn“ die bemitleidenswerten Tiere im Dezember vor der Verarbeitung zum Brühwürfel gerettet. Abgemagert, ohne Gefieder und dem Tode nah waren sie bei ihre angekommen.

Nun haben alle drei ein frisches, schneeweißes Federkleid. Am besten hat sich Luna entwickelt, das damalige „Mobber-Huhn“, das sich wegen seiner Angriffslust die ersten Wochen auch bei Katja Henschke isoliert gehalten werden musste – starke Ellenbogen sind offensichtlich gar nicht verkehrt. Bonny ist noch am weitesten zurück. Ihr fehlen immer noch die Flügelfedern und ihr Kamm ist noch viel zu blass.

Besonders erfreulich ist aber, dass auch Christmas sich vollkommen regeneriert hat. Sie war im Dezember am schlechtesten dran und musste über Wochen im warmen Wohnzimmer aufgepäppelt werden.

Nicht alle Hühner haben es geschafft

Eine Selbstverständlichkeit ist diese Entwicklung nicht. „Es hat reichlich Todesfälle gegeben“, sagt Katja Henschke, die sich in einer Whats-App-Gruppe mit den anderen Hühnerrettern austauscht, die gemeinsam im Dezember die komplette Belegschaft eines Legebetriebs im Sauerland übernommen hatten. Krankheiten und Auffälligkeiten sind da die Hauptthemen. Unter anderem hat Katja Henschke dort auch erfahren, dass Blütenblätter unbedenklich sind. Und dass sehr viele Hühner diesen Weg in ein zweites, besseres Leben nicht geschafft haben, sondern an den Folgen der industriellen Lebensmittelproduktion gestorben sind.

Der Weg ist auch für Bonny, Luna und Christmas noch lange nicht zu Ende. Auch wenn sie körperlich schon sehr robust sind, die Psyche ist noch lange nicht gesund. „Sie leiden unter Fressneid und reagieren oft überängstlich und panisch“, sieht Katja Henschke deutlich Unterschiede zu den anderen Hühnern, die sich in ihrem Garten tummeln – zwei Chabo-Hühner und Wyandotten, die sie als Jungtiere von anderen Hobby-Hühnerhaltern bekommen hatte. „Sie lernen zwar viel von anderen Hühnern, scharren nach Würmern und genießen auch schon ein Sandbad, sie sind aber bei weitem noch nicht so entspannt.“

Und was sie sich auch nicht abgewöhnen können: Jeden Tag unter Schmerzen riesige XXL-Eier legen, die für die Produktion in Großbäckereien so groß gezüchtet wurden. „Ich sage ihnen täglich, dass sie das nicht mehr müssen“, sagt Katja Henschke kopfschüttelnd und zeigt zum Vergleich die deutlich kleineren natürlichen Eier, die die etwa gleich großen Wyandotten legen. Aber gelernt ist wohl gelernt.

Sobald wieder Platz ist, sollen neue Hühner her

Ihr Entschluss steht im Übrigen fest: Sobald wieder ein bisschen mehr Platz im Garten ist, will Katja Henschke sich wieder an einer Hühnerrettung beteiligen. Sie hat jetzt schon viele Erfahrungen gesammelt und ist sich sicher, dass es beim zweiten Mal noch besser läuft. „Ich würde die Hühner nächstes mal auf jeden Fall sofort alle erst einmal separat halten und individuell aufpäppeln.“, sagt die Hühnerretterin. Bei Christmas, die ihr anfänglich so große Sorgen gemacht hat, hat das ja wunderbar geklappt.

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