Oberste Stadtkirche

Die Musik als Verkündigerin der Frohen Botschaft

Offenes Weihnachtssingen mit Studenten - Oberste Stadtkirche

Foto: Emily Karacic

Offenes Weihnachtssingen mit Studenten - Oberste Stadtkirche Foto: Emily Karacic

Iserlohn.   Studenten von der Hochschule für Kirchenmusik in Herford haben eine „Weihnachtliches Offenes Singen“ gestaltet.

„Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Nähe von Bethlehem, mit vielen Bergen und Tälern . . . und wenn da etwas gerufen wird, dann gibt das auch ein Echo . . .“ Mit diesem schönen Bild lud eine Studentin am vergangenen Samstagnachmittag die Gemeinde zum Interpretieren einer Strophe des Liedes „Vom Himmel hoch“ ein: Die Strophe wurde versweise gesungen, dabei wurden aber jeweils die letzten Worte jedes Verses mehrmals wiederholt und dadurch eine Art Nachhall erzeugt. Mit dieser und vielen weiteren neuen, ungewohnten, aufregenden, manchmal auch etwas kniffligen Umsetzungsvarianten für altbekannte Gesangbuchlieder aktivierten die fünf „Prüflinge“ von der Hochschule für Kirchenmusik in Herford die Singgemeinde im vollbesetzten Mittelschiff der Obersten Stadtkirche.

Viele musikalischvorgebildete Besucher

Insgesamt waren acht Studenten mit ihrer Professorin Monika Hofmann zu Gast und gestalteten das „Weihnachtliche Offene Singen“, zu dem sich vor allem Chorsängerinnen und -sänger sowie andere musikalisch Aktive eingefunden hatten. Anwesend war auch der in Iserlohn so bekannte Musiker und Komponist Prof. Matthias Nagel, der die Bewertung vorzunehmen hatte.

Die Studenten hatten sich für einige arbeitsintensive Tage zurückgezogen, um ihre schon seit dem Sommer entwickelten Ideen mit dem letzten Schliff zu versehen, die selbst geschriebenen Arrangements mit den Instrumenten – Blech- und Holzbläsern, Orgel, Klavier, Pauken und anderem Schlagwerk – einzustudieren und das eigene Auftreten vor einer so großen Gruppe professionell vorzubereiten. Musik ist Verkündigerin der Frohen Botschaft – wenn auch die Texte durchdrungen werden, lebendig werden, die scheinbar „verstaubten“ Inhalte neu gehört, gesungen, gesprochen, geklatscht, ja vielleicht sogar auch getanzt werden. In diese Richtung ging die Aufgabenstellung.

So wurden – nach einer Einstimmung durch die Bläser – zwei Abendlieder kunstvoll musikalisch und sprachlich ineinander verschlungen, Begleitstimmen dazugesetzt, einzelne Worte durch eindringliches Wiederholen markant hervorgehoben, gesprochenes und gesungenes Wort in einen Dialog gestellt. „O komm, o komm, du Morgenstern“, „Vom Himmel hoch“, das gewichtige „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Bevor die Sonne sinkt“ als weiteres Abendlied wurden mit einer großen Vielzahl an Ideen ähnlich kreativ nahegebracht.

Es war nicht nur spannend, sich immer wieder auf neue Gestaltungsmethoden einzulassen, sondern auch die ganz unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten nacheinander zu erleben, die allesamt mit viel Herz die Gemeinde ansprachen und zum Mitmachen motivierten.

Sehr wohlwollende Stimmungkonnte nicht getrübt werden

Erstaunlich, wie oft es gelingt, ohne viele Worte, eher mit Gesten zu vermitteln, was als Nächstes zu tun ist. Die „ganz normale“ Gemeinde in der Obersten Stadtkirche singt meist schon gerne und lässt sich gut mitnehmen – mit dem größtenteils musikalisch vorgebildeten, hellwachen Publikum ließ sich umso mehr erreichen, was die Studenten sich vorgestellt hatten. Dass einige Besucher und Besucherinnen dabei doch eher zu Zuhörern wurden, tat der allgemein sehr wohlwollenden Stimmung keinen Abbruch. Am Ende wurde lange applaudiert.

„Singet, spielet, jubilieret“ steht im Kirchenmusik-Jahresprogramm über dieser Veranstaltung. Und wahrhaftig: Gesungen wurde sowieso, spielerisch ging es bei manchem musikalischen Experiment durchaus zu, und die abschließende letzte Strophe eines jeden Liedes wurde stets mit Tutti, auch mal mit Pauken und natürlich den Trompeten bis hin zum Klingeln des Zimbelsterns jubelnd gefeiert.

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