Menschen

Die Mutter der Blockflötenfamilie

Uta Krause

Uta Krause

Foto: Frank Jungbluth

Iserlohn.   Uta Kruse, Fachbereichsleiterin Holzblasinstrumente an der Musikschule Iserlohn, genießt jetzt ihren Ruhestand.

Wie viele Schüler Uta Kruse in ihrem Leben unterrichtet hat, kann sie nicht sagen. Es lässt sich auch nicht nachrechnen, wie viele in ihren 31 Jahren an der Iserlohner Musikschule zusammengekommen sind. Es müssen aber viele Hundert bis in die Tausend gewesen sein. Denn Uta Kruse war nicht nur Fachbereichsleiterin für Holzblasinstrumente, sondern vor allem passionierte Blockflötenlehrerin. Und dazu muss man wissen, dass die Blockflöte früher als Grundlageninstrument und Einstieg für alle weiteren Holzblasinstrumente diente. Dementsprechend groß war der Stellenwert dieses Instruments, als die 64-jährige Pädagogin im Mai 1987 die Blockflötenklasse von Annemarie Bürde geerbt hat.

Blockflöte ist nicht mehr das Einstiegsinstrument

Das ist aber lange vorbei. Der moderne Instrumentenbau macht es möglich, dass schon kleine Kinder nach der musikalischen Früherziehung direkt mit Fagott, Klarinette oder Saxophon anfangen können, ohne den Umweg über die Blockflöte zu machen. Und damit hat sich das Instrument in gewisser Weise zum Spezialgebiet für Liebhaber entwickelt, die den Klang und das Zusammenspiel der Blockflötenfamilie im Ensemble lieben und sich vor allem an den Rändern de Musikgeschichte, in der Alten oder Neuen Musik wohlfühlen – eine Entwicklung, die Uta Kruse gerne mitgemacht hat, denn sie gehört ohne Frage zu den Fällen, die ihr Herz hoffnungslos an die Blockflöte verloren haben.

Ursprünglich kommt Uta Kruse vom Klavier und hat dieses Instrument auch schwerpunktmäßig studiert. Sie sei dann aber immer mehr in die Welt der Blockflöte gerutscht. „Das ist ein wunderbares Instrument für kleine Gruppen, es kommt der menschlichen Stimme am nächsten und ist sehr motivierend für Kinder, es bringt schnelle Erfolge und schnell Begeisterung für die Musik“, schwärmt die scheidende Musiklehrerin von ihrem Instrument.

Und diese Liebe war ganz offensichtlich ansteckend. Denn Uta Kruse hat einige konzertreife Ensembles geformt und bis zu höchsten „Jugend musiziert“-Erfolgen geführt. Dass sie nun ein Jahr vor dem eigentlichen Rentenbeginn in den Ruhestand geht, liegt auch nicht an einer Unterrichtsmüdigkeit, die sich nach so vielen Jahren ja einstellen könnte.Vielmehr ist Uta Kruse die langen Autofahrten von Remscheid, wo sie wohnt, nach Iserlohn leid.

So gerne sie all die Jahre über und bis zu ihrem letzten Tag in Iserlohn unterrichtet hat, so ungewohnt war für sie die mit viel Organisation und Verwaltung verbundene Aufgabe als Fachbereichsleiterin an der Spitze von bis zu neun Kollegen. Aber gerade hier hat Musikschullehrer Paul Breidenstein auch besondere Stärken von Uta Kruse gesehen. Sie habe immer neue Anregungen in der Musikpädagogik aufgegriffen und immer die Chancen gesehen und genutzt, um ihren Fachbereich und ihre Schüler nach vorne zu bringen und weiter zu entwickeln.

Auftritte sind motivierend und lehrreich fürs Leben

Dazu gehörte für die auch ein riesiges Pensum an Vorspielen und Konzerten, nicht nur in der Musikschule, sondern auch in Kirchen, Seniorenheimen oder auf Reisen und in besonderen Projekten. Das sei sehr wichtig, damit die Schüler immer wieder Ziele haben und nicht nur für sich, sondern für ein Publikum üben. Das sei ungemein motivierend, und mit der Bühnensituation lernten die Kinder, vor Menschen aufzutreten. „Man kann sehr viel in der Musik machen, und ich habe es in Iserlohn auch machen dürfen – das ist nicht selbstverständlich.“

Unterrichten möchte Uta Kruse nun vorerst im Ruhestand aber nicht mehr. „Ich möchte erst einmal keine festen Termine haben.“ Mit ihrem Mann, der ebenfalls Musiker ist, steht ein Umzug zurück ins Münsterland an, wo sie auch aufgewachsen sei. Vor allem möchte sie dann wieder mehr selbst spielen und auch wieder mehr als Klavierbegleiterin auftreten.

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