Landgericht

Die nächste Klappe im Cinestar-Prozess

Der Angeklagte mit Rechtsanwalt Dr. Lutz Klose (rechts)

Der Angeklagte mit Rechtsanwalt Dr. Lutz Klose (rechts)

Foto: IKZ

Iserlohn/Hagen.   Seit Mittwoch steht der vermeintliche Drahtzieher des Kino-Überfalls vor dem Hagener Landgericht.

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Im Prozess gegen die Beteiligten des Überfalls auf das frühere Iserlohner Cinestar-Kino im September 2012 begann am Mittwoch vor dem Hagener Landgericht das Hauptverfahren gegen den vermeintlichen Drahtzieher. Der heute 29-Jährige Iserlohner soll als Chef eines Quartetts in die Sache verwickelt gewesen sein. Die Mittäter und weitere Eingeweihte sollen in der Folge zudem durch ihn und seine Verwandten unter Druck gesetzt worden sein, so dass sie zum Teil nicht gegen ihn aussagten (wir berichteten mehrfach).

Eine Beteiligung stritt der Iserlohner, der zur Zeit in der JVA Hagen sitzt, auch gar nicht ab. Dass die Überfall-Idee von ihm stamme, hingegen schon. Die sei im Sommer 2012 in einer Viererrunde geboren worden. Unter ihnen: Ein Mitarbeiter des Kinos, der ganz genau wusste, wann und wo dort eine größere Summe Geld zu holen sei. Bis zu 30 000 Euro hatten sich die vier Täter erhofft. Heraus sprang knapp die Hälfte dieser Summe, nachdem zwei von ihnen am Abend des 16. Septembers 2012 gegen 20.30 Uhr durch ein geöffnetes Fenster in die Büroräume des Filmtheaters einstiegen, den stellvertretenden Leiter des Kinos mit einer Pistolenattrappe bedrohten und das Geld aus dem geöffneten Tresor nahmen.

Dieses Vorgehen trug die Handschrift des Angeklagten. Der frühere Angestellte des Kinos hatte wohl bevorzugt, den Haupteingang für den Überfall zu nutzen. „Aber ich bin doch nicht dumm, ich weiß doch, dass das nicht funktioniert“, sagte der Angeklagte. Mit der Beute flüchtete er nach Düsseldorf, das verbleibende Trio folgte ihm kurz darauf per Taxi. Knapp die Hälfte des Geldes, etwa 6500 Euro, steckte sich der 29-Jährige in die eigene Tasche, der Rest wurde aufgeteilt. Richter Till Deipenwisch fragte daraufhin, was er denn mit dem Geld gemacht habe. „Das habe ich für Marihuana und Kokain ausgegeben, für den Spielautomaten, für Essen und Kleidung.“ Vor allem das Kokain habe die Summe schnell schrumpfen lassen. „Koks ist nämlich nicht ganz billig“, erklärte er. „Das wissen wir alle hier – aus dienstlichen Gründen“, erwiderte der Richter. Wovon der Angeklagte wiederum nichts wissen wollte, waren die im Raum stehenden Drohungen. „Ich habe einen Bruder, der sitzt dort drüben“, sagte er und zeigte auf einen drahtigen jungen Mann. „Und meine beiden Onkel bringen zusammen keine 80 Kilo auf die Waage. Ich habe nie jemanden dazu angestiftet, anderen Angst zu machen.“

Die meisten geladenen Zeugen, darunter auch die Komplizen, wurden ohne Anhörung wieder ausgeladen. Aussagen musste jedoch der Angestellte des Kinos, den die Verbrecher mit der Pistole bedrohten. Bei ihm ist noch nicht klar, ob er seine Arbeit fortsetzen kann – zu sehr leidet er unter den Folgen des Überfalls. Das dürfte sich auch im Urteil widerspiegeln, das frühestens am Freitag, 28. Februar, erwartet wird. Dann wird der Prozess fortgeführt, unter anderem mit dem Bericht eines psychologischen Sachverständigen, der das Drogenproblem des Angeklagten untersucht.

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