Figurentheater

Die Puppenspieler-Familie feiert Opas 80sten

Nach der Vorstellung des Stücks „Der kleine König feiert Geburtstag“ durften die Kinder das Pferd Grete, das Hasso Kaselowsky in der Hand hält, nochmal aus der Nähe betrachten und streicheln.

Nach der Vorstellung des Stücks „Der kleine König feiert Geburtstag“ durften die Kinder das Pferd Grete, das Hasso Kaselowsky in der Hand hält, nochmal aus der Nähe betrachten und streicheln.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Das Internet und Computerspiele bescheren den Figurentheater-Machern schwere Zeiten.

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„Die Feiertage und die Hitze haben uns sehr zu schaffen gemacht. Viele Familien mit Kindern scheinen weggefahren zu sein“, mutmaßt Hasso Kaselowsky vom Figurentheater „Flip Flap“. Der Puppenspieler im Ruhestand feiert am Pfingstwochenende seinen 80. Geburtstag am Seilersee, wohin seine gesamte Familie mit Wohnwagen angereist ist, darunter seine Kinder mit zwölf Enkeln und drei Urenkeln. „Fast alle sind im Puppenspielermilieu geblieben“, erklärt der Senior mit stolzer Miene.

„Der kleine König feiert Geburtstag“

Sein Sohn Oskar führt auf dem Festplatz am Seilersee an vier Tagen das Stück „Der kleine König feiert Geburtstag“ von Hedwig Munck mit den beliebten Kinderbuchfiguren neben seiner Majestät auf. Es sind das Pferd Grete, der Hund Wuff, das Vögelchen Pieps, die Katze Tiger und das Eichhörnchen Buschel. „Das ist das schönste Puppenspiel“, meint Hasso Kaselowsky, der schon unzählige Stücke aufgeführt hat, anfangen mit „Kasperle und das Krokodil“ bis zu Goethes „Faust“, und das mit 1,20 Meter großen selbstgeschnitzten Figuren.

Sohn Oskar Kaselowsky spielt seit dem 17. Lebensjahr Figurentheater. Der Marionetten-Künstler aus dem bayerischen Eichstätt : „Ich hatte immer Spaß dran, jeder Figur einen andere Stimme zu geben. Besonders bei Ritter Trenk. Auch wenn ich jeden Tag den kleinen König spiele, kommt keine Langeweile auf.“ Auch seine Schwester Rosemarie Spindler hat die Passion fürs Figurentheater geerbt und spielt beispielsweise „Der kleine Wickie“ und „Die Schlümpfe“. Sie gastiert mit ihrem Figurentheater wieder im Herbst in Iserlohn, kündigt Hasso Kaselowsky an.

Vater und Sohn bedauern, dass am Pfingstwochenende nur wenige Zuschauer kommen. In den Vorstellungen waren im Schnitt jeweils 20 Personen, davon die Hälfte Erwachsene, die mit ihren Kleinen in das blau-gelbe Zelt kommen, in dem für 80 Personen große und kleine Plastikstühle aufgestellt sind.

Der Senior erinnert sich noch an täglich ausverkaufte Vorstellungen mit 150 zahlenden Gästen in Iserlohn, wo er mit dem Kasperle und dem Krokodil aufgetreten war – selbst im Januar bei zehn Zentimeter hohem Schnee auf dem Platz. „Wenn ich damals dem Krokodil einen Klaps gegeben habe, riefen die Zuschauer oftmals Zugabe. Später war das dann Tierquälerei“, erkennt er einen Wertewandel beim Publikum in den letzten zehn bis 15 Jahren.

Der Senior zeigt sich traurig, dass die vielen Werbetafeln, die sie im Iserlohner Stadtgebiet für ihr aktuelles Programm aufgestellt hatten, bereits nach einem Tag verschwunden waren, die Werbung für den Zirkus aber 14 Tage zu sehen war. Ob sie entwendet wurden? Er zuckt mit den Schultern.

Figurentheater „Flip Flap“in der fünften Generation

Sein Sohn spricht von einer großen Konkurrenz durch das Internet und Computerspiele, die sich in seinem Gewerbe in den letzten Jahren immer deutlicher zeigt. Ungeschminkt beschreibt er im Gespräch mit unserer Zeitung, womit sein traditionsreiches Figurentheater in der fünften Generation zu kämpfen hat: „In diesem Jahr war es nicht der Hit. Es wird härter, durch die Kosten für Platzmiete, Strom und Werbung. Bei einer Zuschauerzahl von 20 Personen, da bleibt kaum was übrig.“ Generell sei es aber immer noch so, dass die Leute gerne mit Kindern in die Vorstellungen kommen und das Live-Erlebnis zu schätzen wissen.

Nach der Vorstellung „Der kleine König feiert Geburtstag“ dürfen die Zuschauer das Pferd Grete vor dem Theaterzelt nochmal streicheln. Die vierjährige Carla Gebelhoff, die mit ihrem Vater Christian Gebelhoff da war, sagt: „Es war sehr schön, aber zu kurz.“ Das erklärt Hasso Kaselowsky, der mit der Puppe hin- und herjongliert, mit den Wetterkapriolen wahrend der Aufführung. Angesichts des heftigen Gewitters, das am Sonntagnachmittag auf das Zelt niederprasselte und die Zeltplanen immer wieder hoch- und runterwehte, habe sein Sohn das Stück gerafft, weil durch den Starkregen und die Sturmböen Unruhe unter den kleinen Zuschauern um sich griff.

Vor Jahren gehörte ein Iserlohner Polizist regelmäßig zu ihren treuen Besuchern. Er habe viele Tipps von ihnen bekommen, weil er selber Verkehrserziehungstheater mit Puppen machen wollte. „Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, wir haben uns leider aus den Augen verloren. Ich würde gerne mal wieder Kontakt haben.“ Im kommenden Frühjahr wird Oskar Kaselowsky sein nächstes Gastspiel vor Ort geben, dann aber wahrscheinlich im Letmather Saalbau. Davor stehen noch etliche Gastspiele in NRW, Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf dem Plan des Figurentheaters „Flip Flap“.

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