Kissing & Möllmann

Die Räumung steht kurz bevor

Vor der Fabrik Kissing & Möllmann wurde eine Brandwache eingerichtet.

Foto: Ralf Tiemann

Vor der Fabrik Kissing & Möllmann wurde eine Brandwache eingerichtet.

Iserlohn.   Am Donnerstag kommender Woche endet die Frist für den Auszug der Bewohner. Wegen der erhöhten Gefahrenlage wurde eine Brandwache eingerichtet

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In der Fabrik Kissing & Möllmann spitzt sich die Situation zu. Eine Räumung des Gebäudes steht kurz bevor. Wie berichtet, ist die Wohnnutzung in den Fabrikhallen aufgrund fehlender Bauanträge illegal. Überdies ist das Bauordnungsamt nach einer neuerlichen Begehung des Gebäudes zu dem Schluss gekommen, dass eine erhöhte Gefährdungslage gegeben ist. Sichtbares Zeichen dafür ist eine Brandwache der Feuerwehr, die mit einer Einsatzzentrale und drei Kräften rund um die Uhr auf den Grundstück der Christophery-Fabrik postiert ist und von dort aus alle halbe Stunde das Gebäude umfährt. Zeitnah soll diese Wache in die Fabrik verlegt werden. Die Kosten trägt die Stadt.

Sozialarbeiter der Stadt ist in der Fabrik im Einsatz

Wie in der vergangenen Woche bereits angekündigt, will der Eigentümer Jörg Rodegra bis zum 31. August einen Sofortmaßnahmenkatalog umsetzen, der den Brandschutz deutlich verbessern soll. Dieser Plan wird von der Stadt als zielführend und realistisch betrachtet. Allerdings werden die Gefahren so hoch eingeschätzt, dass die Mieter und Gewerbetreibenden ihre Wohnungen und Werkstätten bis zum Ende der Sofortmaßnahmen kurzfristig verlassen sollen.

Heute hat die Mieter ein entsprechendes Schreiben erreicht, in dem neben dem formalen Anhörungsbogen auch ein erklärendes Begleitschreiben beigefügt ist, in dem Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens die jüngste Entwicklung bedauert, den Mietern die Entscheidung der Stadt erklärt, Hilfen bei der Organisation der Übergangsunterbringung zusagt und ausdrücklich betont, dass die Mieter ihre Wohnungen umgehend wieder beziehen können, wenn der Eigentümer seinen Verpflichtungen nachgekommen sei. Als Wohnungen sind derzeit die Flüchtlingsunterkunft an der Oberen Mühle, acht Wohnungen der IGW am Südengraben sowie Obdachlosenunterkünfte vorgesehen. Wie Bürgermeisterreferent Thomas Pütter gestern auf Anfrage erklärte, sei die Stadt bereit, Umzugskosten zu übernehmen und Möglichkeiten zur Einlagerung von Möbeln zu vermitteln. Zu einer möglichen Bewachung der Fabrik während des Leerstandes gibt es noch keine konkreten Pläne. Um die Mieter persönlich zu begleiten, ist seit gestern ein Sozialarbeiter vor Ort.

Als letzten Termin für den Auszug gibt die Stadt den kommenden Donnerstag, 24. Mai, an. Bis dahin sollen alle Mieter und Nutzer ihre Räume verlassen. Das Ordnungsamt wird an diesem Tag alle Wohnungen überprüfen und möglicherweise noch verbliebene Mieter auffordern, die Wohnungen zu verlassen. Sollten sie dem nicht nachkommen, wird im Laufe des Tages geräumt.

Dennoch löste das gestrige Schreiben bei den Bewohnern Wut und Verzweiflung aus. „Die Nerven liegen blank“, beschrieb gestern eine Mieterin die Stimmungslage. Das deckt sich mit den Beobachtungen von Klaus Stinn vom Förderverein der „Werkstatt im Hinterhof“, der an einem ersten Mietertreffen am Dienstagabend teilgenommen hat, bei dem auch Vertreter der „Iserlohner“ und der „Linke“ anwesend waren.

Besonders schwer wiege demnach der Umstand, dass es bis heute kein Entscheidungsträger der Stadt für nötig gehalten habe, das Gespräch mit den Mietern zu suchen. Eigentlich hätte es ein solches Treffen im Vorfeld des gestern eingegangenen Schreibens geben sollen, die anberaumten Termine am Montag und Dienstag seien aber jeweils kurzfristig wieder abgesagt worden. Die Bewohner, so Stinn, fühlten sich als Bürger zweiter Klasse behandelt, über die lediglich gerichtet werde. Das Vertrauen in die Stadt hätten sie nun endgültig verloren. Die Befürchtung, ihr Zuhause für immer zu verlieren, sei sehr groß.

Bei dem Mietertreffen sei auch erneut deutlich gemacht worden, dass es bereits große Fortschritte bei der Umsetzung der Sofortmaßnahmen gebe, dass fehlende Fluchtwege bereits frei geräumt worden seien, und dass auch die Mieter selbst die Liste der Sofortmaßnahmen erhalten möchten, um in Eigenleistung mithelfen zu können. Noch gibt es in der Fabrik die Hoffnung, dass der zeitweise Umzug noch abgewendet werden könne. Eine neuerliche Begehung zur Begutachtung der bisherigen Fortschritte bei der Umsetzung der Sofortmaßnahmen am gestrigen Nachmittag, an der neben Vertretern der Feuerwehr und der Stadt auch Klaus Stinn teilgenommen hat, hat an den Plänen der Verwaltung aber nichts geändert.

Freigabe einzelner Wohnungen nicht möglich

Offensichtlich scheitert eine für die Mieter bessere Lösung nach wie vor auch daran, dass Jörg Rodegra bei Begutachtungen und der Umsetzung der Maßnahmen die Zusammenarbeit mit der Stadt ablehnt und Vereinbarungen nicht einhält. Die Mieter fordern weiter, dass jede Wohnung einzeln begutachtet werden solle, da es definitiv Wohnungen gebe, die brandschutztechnisch unbedenklich seien. Wie Thomas Pütter gestern auf Anfrage hierzu erklärte, sei ein solches Vorgehen aber nicht möglich, da sich das Brandschutzkonzept auf das gesamte Gebäude beziehe. Auch eine intakte Wohnung in einem gefährdeten Umfeld müsse daher geräumt werden.

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