Bildung

Die Schwelle zwischen Mensch und Maschine

„From Station to Station“: Neun Stationen gibt es in dem Truck, an einer zum Thema Gedankensteuerung wird eine Kugel durch einen virtuellen Parcours gesteuert.

„From Station to Station“: Neun Stationen gibt es in dem Truck, an einer zum Thema Gedankensteuerung wird eine Kugel durch einen virtuellen Parcours gesteuert.

Foto: Michael May

Iserlohn.  An der Gesamtschule Iserlohn machte jetzt der Science-Truck „TouchTomorrow“ Station.

Sie sind jung und wissen nicht, welch einem Job Sie in Zukunft erlernen möchten? Arbeiten Sie doch als Gedankensteurer. Und nein, hier ist nicht der Begriff Influencer schlecht eingedeutscht worden. Und nein, hier geht es auch nicht um Verschwörungstheorien. Es geht um die Zukunft junger Menschen. Es geht um neue Berufsbilder, die sich aufgrund aktueller Forschung in den nächsten Jahren ergeben werden. Und es geht darum, Schülern trotz Corona und ausfallender Praktika etwas praktische Berufsorientierung zu bieten, wie Schulleiterin Barbara Brühl und der Koordinator Berufsorientierung, Christian Wulf, auf dem Schulhof der Gesamtschule Iserlohn erläutern, wo seit gut einer Woche der sogenannte Science-Truck „TouchTomorrow“ Station macht.

Gedankensteuerung als künftiges Berufsfeld

Das Thema Gedankensteuerung ist dabei eine von mehreren Stationen in dem Truck, der eine innovative Interaktions- und Informationswelt bietet, die Schüler an MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) heranführen und einige von ihnen vorstellen soll. In genanntem Beispiel können Schüler einen „Headban“, eine Art Haarreifen, der auf der Stirn angebracht wird, aufsetzen. Dieser misst Hirnströme, je entspannter man ist, desto schneller rollt eine Kugel auf einem Bildschirm durch einen virtuellen Hindernisparcours. Per Kopfnicken wird gesteuert.

Eine nette Spielerei? Lina Braun vom Team des Trucks, der von der Dr. Hans Riegel-Stiftung betrieben wird, erläutert, wozu das alles gut sein soll und wie weit die Technik schon ist: „Facebook forscht bereits an einer Technologie, mit der sich Hirnsignale in Textnachrichten umwandeln lassen könnten.“

Und wer nun Angst vor der großen Zuckerberg-Daten-Krake hat, dem sei gesagt, dass solche Technik auch Menschen mit Prothesen oder jenen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, künftig helfen könnte, ihre Lebensqualität zu steigern. „Es geht um die Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine“, erklärt Lina Braun weiter. Neurologen, Biologen, Ingenieure und andere könnten hier in Zukunft ein berufliches Spezialgebiet finden.

Neun Stationen zur künftigen Lebens- und Arbeitswelt gibt es in dem Truck, Mitarbeiter begleiten die Kleingruppen, die hier coronagerecht unter Schutzmaßnahmen hindurchgeführt werden. Ein Hyperloop ist zu sehen und erläutert wird jene Vakuumröhre, die künftig umweltgerechte und schnelle Personentransporte ermöglichen soll und zuletzt durch einen Probelauf des Virgin-Konzerns für Schlagzeilen sorgte. Oben kann ein Roboter programmiert oder mit einer VR-Brille an einer fiktiven Maschine gearbeitet werden.

20 Minuten sind für die Schüler je Station vorgesehen. Stets führen ein paar Info-Schnipsel und ein Video ins jeweilige Thema ein. Dann geht es in die Praxis. An der Gesamtschule dürfen nur die Jahrgänge zehn bis zwölf teilnehmen. „Leider“, betonen Barbara Brühl und Christian Wulf unisono, Corona fordert auch hier seinen Tribut.

Jeder Schüler bekommt zurVertiefung Speichermedium

Ein Clou des Trucks ist noch, dass jeder Schüler ein personalisiertes Speichermedium, einen sogenannten Ikosaeder erhält. Dass, was an den Station angeschaut und gespeichert wurde, kann so von zu Hause aus übers Netz vertieft werden. Die modulare Berufsorientierung soll leisten, was Infobroschüren und Ähnliches in Zeiten der Digitalisierung heute kaum mehr vermögen: Nämlich die Schüler gleichzeitig über einen Beruf zu informieren und auch dafür zu begeistern.

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