Politik

„Die Stadt Iserlohn ist führungslos“

Hans Immanuel Herbers ist Bürgermeisterkandidat der UWG-Piraten.

Hans Immanuel Herbers ist Bürgermeisterkandidat der UWG-Piraten.

Foto: Michael May

Iserlohn/Letmathe.  Die UWG-Piraten haben am Montagabend Hans Immanuel Herbers als ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl bekannt gegeben.

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„Ich bin ein radikaler Liberaler“, sagt Hans Immanuel Herbers über sich selbst. Und liberal, das bedeute für ihn „Freiheit für alle“, nicht nur für die Wirtschaft. Dieses klare Statement war nur eines von vielen, mit denen sich der 61-jährige „Iserlohner Junge“ am Montagabend im Letmather „R-Café“ als Kandidat der UWG-Piraten für das Amt des künftigen Bürgermeisters der Stadt Iserloh vorstellte. Einstimmig hatten sich die Mitglieder der Fraktion dafür ausgesprochen, dass Herbers bei der Wahl zum Ersten Bürger der Stadt ins Rennen geht. Und er selbst sieht nun seine Chance gekommen, für Veränderungen in der Stadt zu sorgen. Denn dies habe Iserlohn bitter nötig.

„Die Stadt Iserlohn ist führungslos“ stellt der Theologe in seiner kämpferischen, halbstündigen Rede vor seinen Parteifreunden als Erstes fest. Die sogenannte „Abfindungsaffäre“ habe dafür gesorgt, dass der Bürgermeister zurückgetreten sei und nun gegen hochrangige Verwaltungsmitarbeiter Ermittlungen wegen einer schweren Straftat liefen. Ganz abgesehen davon, dass noch immer nicht klar sei, warum eine Abfindung in dieser Höhe geflossen sei („Es muss doch etwas dahinter stecken“), müsse eine Verwaltungsspitze frei sein von jeglichem Verdacht. „Eine Stadt kann nicht geleitet werden, wenn das Schwert der Staatsanwaltschaft über der Verwaltung schwebt“, konstatiert der Bürgermeisterkandidat. Gleichzeitig kündigt Herbers an, dass die UWG-Piraten, die nun schon seit sechs Jahren erfolgreich im Rat der Stadt zusammenarbeiten würden, zu verhindern wüssten, dass die Sache „unter den Tisch gekehrt wird“.

Statt sechs in Zukunftnur noch vier Ressorts

In seiner programmatischen Rede kritisierte er dem „Klüngel“ und dem „Zuschieben von Posten“ zwischen SPD und CDU, äußerte er den festen Willen die städtischen Ressorts von sechs auf vier zu reduzieren („Was macht eigentlich das Kulturressort, was das Kulturbüro nicht machen kann?“) und setzt künftig auf eine umfassende Transparenz und Öffnung der Verwaltung zum Bürger. Der bisherigen Verwaltungsspitze wirft Herbers komplettes Scheitern unter anderem bei der Innenstadtplanung rund um Schillerplatz und „Rathaus-Ruine“ vor.

Die Bürgerinnen und Bürger, sagt Herbers, müssten wieder Vertrauen in die Politik finden. Und das beste Mittel dazu sei der Dialog. „Wir brauchen regelmäßige Bürgerforen mit dem Bürgermeister und Fachleuten,“, sagt Herbers, um Pläne transparent zu machen, um die Menschen zur Mitbestimmung zur ermuntern. „Ziel muss es sein, dass alle Bürger mitgestalten können.“ Zur Transparenz gehöre auch, dass die Bürgerschaft jederzeit über das Internet Zugriff auf Daten aus dem Rathaus („Open Data“) haben soll.

Auch das Thema Sicherheit sprach der Fraktionsvorsitzende der Iserlohner UWG-Piraten an. „Zur Vielfalt in einer Stadt gehören auch Konflikte“, sagte Herbers, der aber statt verstärkter Kamera-Überwachung auf mehr Mitarbeiter setzt.

Insgesamt sieht es Herbers als große Herausforderung an, das „hinterlassene Chaos“ zu ordnen. Doch dieser Aufgabe will er sich offensichtlich mit aller Kraft stellen.

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