Natur

Die Südstadtgärten blühen auf

Fachsimpeln, helfen und ins Gespräch kommen: Zwischen Salat und Rhabarber kommen sich die Hobby-Gärtner näher.

Fachsimpeln, helfen und ins Gespräch kommen: Zwischen Salat und Rhabarber kommen sich die Hobby-Gärtner näher.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Nach dem Umzug des Projektes vom Fritz-Kühn-Platz an die Läger fruchtet auch der integrative Ansatz.

Die Bürgergärten sind in der Iserlohner Südstadt angekommen – und zwar so, wie es sich die Initiatoren vom Südstadtverein immer vorgestellt haben. Oberhalb der Freizeitanlage Lägertal zwischen den ehemaligen Umkleidehäuschen und dem Spielplatz stehen 20 große Hochbeet-Kästen. Und es blüht und gedeiht – nicht nur die Kräuter, Tomaten und Salatpflanzen, sondern auch die Kontakte zwischen den Hobby-Gärtnern über Herkunfts- und Generationengrenzen hinweg.

Die Bilder aus Berlin haben bestimmt noch viele vor Augen. Seit Jahren laufen dort „Urban Gardening“-Projekte, die nicht nur für die Selbstversorgung mit frischem Gemüse mitten in der Stadt ins Leben gerufen wurde, sondern vor allem auch wegen des integrativen Effekts sehr erfolgreich sind. Über das Bewirtschaften eines eigenen Beetes ins Gespräch und in Kontakt zum Nachbarn kommen. Das klingt banal, ist aber sehr effektiv und macht vor allem vor den sonst so hohen kulturellen Hürden nicht halt. Wenn es um Tipps für den Garten geht oder um Hilfe etwa beim Gießen, wenn man selbst verhindert ist, spielen Sprachbarrieren keine Rolle mehr.

Viele Helfer für denKraftakt beim Umzug

Diese Idee hatte auch der Südstadt-Verein, als er vor einigen Jahren die Südstadtgärten ins Leben rief. Finanziert von der NRW-Stiftung, betreut von Sabine Plücker als fest angestellte Kraft und begleitet von Thomas Dreesen vom Amt für Jugendarbeit der Landeskirche versuchte der Verein zunächst das kleine Grundstück vor dem Bürgerbüro am Fritz-Kühn-Platz zum „Urban-Gardening“-Domizil zu machen. Den Fritz-Kühn-Platz-Bereich am Fuße der Freitreppe hat das ohne Zweifel sehr aufgewertet. Allein der soziale Aspekt fruchtete in dem Garten, den interessierte Hobby-Gärtner aus der Südstadt gemeinsam gestalten und bewirtschaften sollten, nicht so wie erhofft. „Mit einem Gemeinschaftsgarten hat es einfach nicht funktioniert“, sagt Sabine Plücker rückblickend, die die Südstadtgärten seitens des Vereins betreut.

Dennoch konnte sie schon damals einen Stamm an interessierten und aktiven Gärtnern um sich scharen und auch wertvolle Kontakte knüpfen, etwa zu Christopher Hemmele und seinem Projekt im Jugendcafé Checkpoint. So ausgestattet ging Sabine Plücker auf die Suche nach einem Areal, auf dem sich jeder – nach den Berliner Vorbildern – in einem eigenen Hochbeet verwirklichen kann. Fündig wurde sie an der Freizeitanlage Lägertal, wobei der Weg zu den blühenden Gärten noch weit war. Für die Materialen der 20 großen und stabilen Hochbeete musste der Südstadtverein wieder Fördermittel gewinnen, die Stadt als Grundstückseigentümerin musste von dem Projekt überzeugt werden, und als im April tonnenweise Erde für die Hochbeete geliefert wurde, mussten sehr viele Helfer sehr kräftig in die Hände spucken.

Nun, da alles fertig ist und blüht, ist die Suche nach interessierten Gärtnern ein Kinderspiel – nicht nur die 20 Hochbeete sind vergeben, es gibt auch schon eine Warteliste von mindestens ebenso vielen Interessenten, weswegen die Gärten nach Möglichkeit noch erweitert werden sollen.

Viele Nationen vereint im Zeichen des grünen Daumens

Allein diese Entwicklung sei schon ein großer Erfolg, freuen sich Vorstandsmitglieder vom Südstadtverein bei dem Grillfest, mit dem sie den geglückten Neustart jetzt gefeiert haben. Vor allem aber das, was nun an Zwischenmenschlichkeit und Integrationskraft entsteht, ist genau das, was sich der Verein erhofft hatte. „Es ist wunderbar“, sagt Sabine Plücker, die nach Auslaufen der Fördermittel die Gärten weiterhin ehrenamtlich begleiten möchte. „Die Menschen kommen richtig in Kontakt, es ist hier eine Gemeinschaft entstanden.“ Stolz präsentieren die Gärtner ihre Pflanzen – ganz gleich ob Deutsche, Marokkaner, Türken, Flüchtlinge aus Syrien oder sonst woher: Unter dem Zeichen des grünen Daumens sind alle vereint. Auch Thomas Dreesen von der Landeskirche, der schon viele derartige Projekte kennen gelernt hat, ist angetan von der Entwicklung in Iserlohn: „Was hier an Zusammenleben entsteht, ist fabelhaft.“

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