Bienen-Diebstahl

Drüpplingser Bienendieb hat offensichtlich Sachverstand

An dieser Stelle in Drüpplingsen sind Michael Blum die Bienenvölker gestohlen worden. Rechts und mittendrin fehlen je drei Beuten – genau die mit den stärksten Völkern.

An dieser Stelle in Drüpplingsen sind Michael Blum die Bienenvölker gestohlen worden. Rechts und mittendrin fehlen je drei Beuten – genau die mit den stärksten Völkern.

Foto: Michael May / IKZ

Drüpplingsen.  Im Iserlohner Stadtteil Drüpplingsen sind Imker Michael Blum sechs Völker gestohlen worden. Jetzt hat er eine Belohnung ausgesetzt.

Hohes Strauchwerk und das dichte Grün um einen zugewachsenen Teich versperren den Blick auf die dahinter liegende Wiese und das nahe Feld. Die schmale Zufahrt von der kaum befahrenen Straße im Drüpplingser Hinterland wird von einer Kette geschützt. Mehr Land-Idylle geht nicht, könnte man meinen – ein Ort der Harmonie mitten in der Natur. Und ein Tatort. Michael Blum, der Imker aus Halingen, der dort auf dem Land eines Bauern 14 Bienenstöcke aufgestellt hatte, staunte jedenfalls nicht schlecht, als er in der vergangenen Woche seinen Bienen routinemäßig einen Besuch abstattete: sechs Völker samt ihrer Behausung – der Imker spricht von Beuten – waren nicht mehr da.

Bisherige Ermittlungen verliefen ohne Ergebnisse

Eine Statistik über Diebstähle von Bienenvölkern führt die Polizei nicht. Deren Pressesprecher Marcel Dilling hat aber noch an die letzten Fälle aus diesem Jahr präsent – aus Hemer, aus Altena an der Stadtgrenze zu Hemer und aus Balve. Imker Michael Blum, Vorsitzender des Imker-Vereins Menden, kennt noch einen Fall aus seiner Heimatstadt und aus Schwerte. 20 bis 25 Völker seien mittlerweile verschwunden im heimischen Raum, schätzt er. Ergebnisse gebe es bislang keine, hat Dilling von seinen Kollegen erfahren, alle Ermittlungen seien im Sande verlaufen. Man könne gar nichts ausschließen, weder dass es sich um lokale Täter handle, noch dass eine organisierte Gruppe hinter den Bienendiebstählen stecke.

Michael Blum, der bis zum Diebstahl in Drüpplingsen 65 Völker an insgesamt vier Standorten besaß, glaubt nicht an Laien als Täter. „Das Schlimme ist, es sind halt Imker“, ärgert er sich nicht nur über den Verlust der Tiere. Denn ohne Imker-Wissen könne man die Beuten nicht abtransportieren. „Man sieht ja auch, die haben sich die stärksten Völker rausgesucht“, weiß er von seinem Fall. Dazu müssen die Beuten geöffnet und mit Kennerblick beurteilt worden sein. Sogar die Steine, die den Deckel des Bienenstocks beschweren, seien mitgenommen worden, außerdem eine Palette, auf der sie standen. Mit 150 Euro pro Bienenvolk und 120 bis 130 Euro pro Holzbeute lässt sich der Schaden konkret beziffern. Honig gehört allerdings allerdings jahreszeitlich bedingt nicht zur Beute – hier im Sinne von Diebesgut. Blum hatte die Tiere, die sich bei diesen Temperaturen zurückziehen, bereits mit Winterfutter versorgt und gegen die Varoamilbe behandelt.

Während er auf seinem Gelände an seinem Haus in Halingen auch außergewöhnliche und ziemlich bunte Beuten benutzt, die er von einer Schreiner in Bulgarien anfertigen lässt, standen in Drüpplingsen ziemlich gewöhnliche „Liebigbeuten“, ein weit verbreiteter Typ der Bienenbehausung aus Holz. Auch der grüne Farbanstrich tauge da nicht zur Unterscheidung, denn es gebe sie nur in Grün und Braun, weiß Imker Blum. Nur die speziellen „Futterzarge“, die oben aufgesetzt waren, hatte er er von dem bulgarischen Schreiner bauen lassen. Würde diese Zusammensetzung mit Bild im Internet angeboten, würde er seine Bienenbeuten sofort erkennen, sagt er.

Wie der oder die Diebe den versteckten Bienen-Standort in Drüpp­lingsen finden konnten, ist für Imker Blum ein Rätsel. Aber so ergehe es auch anderen. Einem Hobby-Kollegen aus Schwerte-Holzen seien Völker mitten aus einem abgelegenen Waldstück gestohlen worden, in dem Fall sogar noch voller Honig. Auch dort muss ein Fahrzeug mit großer Ladefläche, mindestens ein großer Kombi, im Einsatz gewesen sein. Nachdem auch in ganz Deutschland immer öfter Bienenvölker gestohlen werden, gehen die Imker dazu über, Bienenstöcke mit GPS-Sendern auszustatten und automatische Wildkameras rund um die Standorte anzubringen. Michael Blum hatte das bislang auch aus Kostengründen nicht in Erwägung gezogen. Stattdessen hat er jetzt 300 Euro als Belohnung ausgesetzt für Hinweise, die zu dem oder den Tätern führen und sichert Vertraulichkeit zu.

Verärgerung über Vielzahl der Diebstähle in der Region

Michael Blum, der die Imkerei als Kind vom Großvater erlernt hatte, dann als junger Erwachsener mit dem Hobby pausierte und schließlich seit 2013 wieder und verstärkt aktiv ist, beteiligt sich als Vorsitzender des Mendener Imker-Vereins auch an der Ausbildung junger Imker, zeigt zudem Kindern diese Seite der Natur. Entsprechend groß ist seine Erfahrung und intensiv der Austausch mit Kollegen. „Das hat es auch schon früher gegeben“, sagt Blum über den Diebstahl von Bienenvölkern, alle paar Jahre gebe es mal einen Fall. Aber dass es jetzt in der Region derart gehäuft passiere, das ärgert den Bienenzüchter noch mehr als sein persönlicher Verlust.

Hinweise nimmt Michael Blum per Mail an oder unter 0170/9678518 entgegen, ebenso die Polizei: 02371/9199-0.

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