Musik

Duke Ellingtons freiheits- und friedensstiftende Absicht

Der Klangfarben-Konzertchor Dortmund und die Stone-Street-Bigband der Musikschule Dortmund meisterten in der Johanneskirche am Nußberg die „Sacred Concerts“ von Duke Ellington.

Der Klangfarben-Konzertchor Dortmund und die Stone-Street-Bigband der Musikschule Dortmund meisterten in der Johanneskirche am Nußberg die „Sacred Concerts“ von Duke Ellington.

Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.   Frenetischer und dankbarer Beifall für das gelungene Experiment, die anspruchsvollen „Sacred Concerts“ aufzuführen

Es ist dem Veranstaltungsformat „Gerlingser Sonntagskonzerte“ und damit insbesondere Hanno Kreft zu verdanken, dass auch etwas ausgefallene‚ besondere Musikprojekte berücksichtigt werden und ihren Weg nach Iserlohn finden. So war an diesem Sonntag das zweite der drei „Sacred Concerts“ von Duke Ellington für Chor und Bigband in der Johanneskirche auf dem Nußberg zu hören. Hin und wieder trifft man schon einmal auf Teile dieser großformatigen Werke, dann jedoch meist in instrumentaler Besetzung auf Jazzkonzerten oder als reiner Chorsatz mit Klavierbegleitung. Zu komplex, zu schwierig sind die musikalischen Vorlagen und Vorgaben Ellingtons. Man benötigt nicht nur einen sehr guten Chor und eine flexible, professionelle Bigband, sondern auch den Mut, den Ausführenden und den Zuhörern eine recht unkonventionelle Mischung aus Jazz, Gospel und klassischen Strukturen anzubieten. Dass ein solches Wagnis sich für alle Beteiligten jedoch auch außerordentlich lohnen kann, bewiesen in der Johanneskirche der Klangfarben-Konzertchor Dortmund, die Stone-Street-Bigband und Christine Groeneveld (Gesang).

Der Name Ellington steht im Allgemeinen für Salon-Swing, Eleganz, Show-, Tanz- und Filmmusik. Seine geistlichen Kompositionen, die drei „Sacred Concerts“, sind relativ unbekannt und werden nur selten aufgeführt. Ellington selbst nannte sie jedoch „ … das Wichtigste, was ich je getan habe.“ Im letzten Drittel seines Lebens beschäftigte er sich angesichts mehrerer Todesfälle im engeren Familienkreis und seiner eigenen Krebserkrankung immer intensiver mit Sinnfragen, mit Gedanken um Freiheit, Frieden und Liebe. Hier verdichtete sich seine Zuversicht auf Gott und dies findet in den „Sacred Concerts“ als einem ganz persönlichen Glaubensbekenntnis seinen Ausdruck.

Mikrofone und Technik in Windeseile aufgebaut

Wenn Chor und Bigband aufeinandertreffen, ist die akustische Ausgewogenheit der beiden Gruppen eine wesentliche Voraussetzung. Bewundernswert, wie nach dem Schluss des vorausgegangen Gottesdienstes in Windeseile eine Chormikrofonie und die gesamte Technik der Bigband installiert wurden – und einen ausgewogenen Sound lieferten, der dem Werk auf der gesamten Strecke gerecht wurde.

Sowohl Johannes Knecht als Leiter des Konzertchores als auch Ilona Haberkamp als Leiterin der Bigband der Musikschule Dortmund führten die beiden Ensembles, abwechselnd gemeinsam oder auch aufgeteilt, sehr professionell und abgestimmt über die Klippen dieser Komposition. Dabei meisterten sowohl die Chorsänger als auch die Instrumentalisten die technischen und musikalischen hohen Anforderungen mit beachtlicher Souveränität. Solistin Christine Groeneveld bewies mit tonal absolut sicherer und ausdrucksstarker Stimme, dass sie sich als Konzertsängerin nicht nur im klassischen Repertoire wohlfühlt, sondern auch das gewisse Etwas der Jazz-Phrasierung und der Jazz-Tongebung in allen Nuancen überzeugend beherrscht.

Eindringlich und emotional ergreifend, aber auch stimmungsvoll Freude verbreitend steht die „Freedom Suite“ im Mittelpunkt des zweiten „Sacred Concerts“ – spätestens hier sprang der Funke im Sinne Ellingtons freiheits- und friedensstiftender Absicht über. Nicht nur die Zuschauer, auch die Ausführenden wirkten, trotz oder gerade wegen ihrer hohen Professionalität, durch die bewegende und aufwühlende Atmosphäre dieses Parts emotional sehr ergriffen. Insgesamt erlebte man eine Aufführung, die erfüllt war vom spirituellen Geist dieser Komposition Duke Ellingtons. Frenetischer, dankbarer Beifall war der verdiente Lohn für die Ausführenden, aber auch für Hanno Krefts Wagnis eines außergewöhnlichen, tief beeindruckenden Konzerts. Fazit: Experiment gelungen!

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