Drohung

Schreiben an Metzgereien – echte Drohbriefe oder nur Fake?

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Schweinekotletts sind bei jedem Metzger in der Theke. Zwei Iserlohner Metzger haben deswegen jetzt Drohbriefe erhalten.

Schweinekotletts sind bei jedem Metzger in der Theke. Zwei Iserlohner Metzger haben deswegen jetzt Drohbriefe erhalten.

Foto: Max Winkler

Iserlohn.   Zwei Iserlohner Metzgereien haben Drohbriefe mit vermeintlich islamistischem Inhalt erhalten. Der Fall beschäftigt nun den Staatsschutz in Köln.

„Mein erster Gedanke war: Das hat irgendwelches rechtes Pack verzapft, um die Muslime noch mehr reinzureißen. Der zweite: Das ist nur ein Dummer-Jungen-Streich.“ Nur wirklich ernstnehmen konnte Thomas Idel den Drohbrief, der am Dienstagmorgen in seinem Briefkasten lag, nicht. Ganz ähnlich hatte auch Heinz Knipp reagiert. „Ich habe das sofort als Blödsinn angesehen“, sagt er. Zumal noch nicht einmal das „Allahu Akbar“ unten drunter richtig geschrieben sei.

Gestaunt haben aber beide Metzgermeister nicht schlecht, als sie am Dienstagmorgen einen ordnungsgemäß frankierten DIN-A-5-Umschlag im Briefkasten hatten, der einen Drohbrief enthielt, der mit „Dreckiger Schweinefresser“ beginnt und unter anderem die Drohung „wir werden dich töten wenn du nicht unreines Fleisch aus die Theke nimmst“ enthält. Weiter ist dem Brief zu entnehmen, dass sich der Absender „für Allah entschieden“ habe. Anstelle einer Unterschrift ist „Allah Akbar“ zu lesen, was wohl so viel heißen soll wie „Allah ist groß“, wäre da nicht besagter Schreibfehler.

Thomas Idel und Heinz Knipp sind nach unseren Informationen die einzigen Iserlohner Metzger, die einen solchen Brief erhalten haben. Daneben soll ein ähnlicher Brief an eine Freiburger Metzgerei gegangen sein. Die beiden Iserlohner Briefe weichen inhaltlich leicht voneinander ab. Der an Thomas Idel soll in noch deutlich gebrochenerem Deutsch geschrieben sein, als der an Heinz Knipp, aus dem wir hier zitiert haben. Aber wie ist ein solcher Brief nun einzuschätzen? Ist das eine ernsthafte islamistische Drohung? Tatsächlich der Versuch aus der rechten Szene, Moslems zu verunglimpfen? Oder doch nur ein Streich?

Beide Metzger haben ihren Brief zur Polizei gebracht, um Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. „Ich habe dem Ganzen zwar keine allzu große Bedeutung beigemessen“, sagt Heinz Knipp. Aber man wisse ja nie. Die Polizei habe die Briefe auch nicht einordnen können. Wie dort zu erfahren war, sind es die ersten Briefe dieser Art in Iserlohn. Da sie durchaus einen fremdenfeindlichen oder terroristischen Hintergrund haben könnten, wurde der Fall inzwischen an den Staatsschutz übergeben.

Großes Echo in den „sozialen“ Netzwerken

Allerdings bearbeitet ihn nicht die Hagener Abteilung, was eigentlich der Normalfall wäre, sondern der Staatsschutz in Köln. Warum das so ist, konnte uns die dortige Pressestelle nicht beantworten. Bestätigt wurde uns aber der Eingang der Briefe und die Eröffnung strafrechtlicher Ermittlungen. Diese seien aber noch viel zu frisch, um irgendwelche weiteren Angaben inhaltlicher Art machen zu können.

Nach einem Dummen-Junge-Streich klingt das nun nicht mehr. Heinz Knipp macht sich aber dennoch keine Sorgen wegen der Briefes selbst. Vielmehr findet er die hohen Wellen bedenklich, die die Sache inzwischen schlägt. Denn nicht nur das Interesse der Medien – auch von überregionalen Boulevard-Blättern – ist geweckt. Vor allem geht der Brief in den „sozialen“ Netzwerken herum wie ein Lauffeuer. Und die Kommentare, die dort zu Hunderten gepostet werden, sind – ganz gleich in welche Richtung sie gehen – teilweise wirklich bedenklich. „Mir wäre es sehr lieb, wenn die Angelegenheit wieder ein bisschen runtergefahren werden könnte“, sagt Heinz Knipp. Die Zeiten werden ja ohnehin immer unruhiger. Thomas Idel begrüßt es, dass der Staatsschutz ermittelt. „Selbst wenn es sich nur um einen Streich handelt, muss man den Leuten auf die Finger hauen“, macht er deutlich, dass hier der Spaß auf jeden Fall aufhört. Allzu große Hoffnungen, dass die Ermittlungen erfolgreich sein werden, hat er aber nicht.

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