Obere Mühle

Eigene IGW-Firma für Obere Mühle

Mit der Entscheidung für den Ankauf hat die IGW entschieden, die Verantwortung für die Immobilie und ihre bisherigen Bewohner zu übernehmen.

Mit der Entscheidung für den Ankauf hat die IGW entschieden, die Verantwortung für die Immobilie und ihre bisherigen Bewohner zu übernehmen.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Aufsichtsrat und Gesellschafter haben sich für einen Ankauf der alten Fabrik Kissing und Möllmann entschieden.

Mit einem eindringlichen Appell an die Mitglieder des Iserlohner Stadtrates hatten sich die Bewohner der Fabrik Kissing & Möllmann noch am Dienstag ein letztes Mal an die politischen Entscheidungsträger gewandt: „Ihre Entscheidung wird in jedem Fall maßgeblichen Einfluss auf unseren weiteren Lebensweg haben“, schreiben die 21 gemeldeten Wohnmieter in einem Flugblatt, das sie am Dienstag vor der Ratssitzung verteilt hatten. Ob es nun an der abermaligen Bitte um Unterstützung, die mit dem schlichten Satz „Wir möchten doch einfach nur endlich wieder nach Hause“ endet, lag oder ob es vielmehr die detaillierte Drucksache zum Thema war, in der IGW-Geschäftsführer Olaf Pestl nach intensiven Untersuchungen und langen Verhandlungen mit dem Eigentümer Jörg Rodegra letzte Zweifel an der Machbarkeit der Fabrikübernahme in städtischer Regie ausräumte: Fest steht, dass sich die Ratsmitglieder am Dienstag in nicht-öffentlicher Sitzung mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen haben (wir berichteten kurz), die IGW damit zu beauftragen, eine Tochtergesellschaft „IGW-Spezialimmobilien GmbH“ zu gründen und über diese den bereits ausgehandelten Kauf der Gebäude samt Grundstück abzuwickeln und im Sinne der bisherigen Nutzung zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Knappe Mitteilungüber deutliche Mehrheit

Gestern Abend sind nun auch die Gremien der IGW – Aufsichtsrat und danach die Gesellschafterversammlung – der Empfehlung des Rates gefolgt und haben den Ankauf samt Gründung einer eigenen Gesellschaft zu diesem Zweck beschlossen. Im Juli hatte der Aufsichtsrat wegen unabsehbarer Risiken noch erhebliche Zweifel an dem Projekt gehabt. Nun lagen aber weitergehende Untersuchungen etwa zur Raumluftbelastung und zur Wirtschaftlichkeit vor, mit denen die Bedenken nach Informationen unserer Zeitung ausgeräumt werden konnte. Zum weiteren Vorgehen im Detail mochte IGW-Geschäftsführer Olaf Pestl am Abend nach der Sitzung noch nichts sagen. In einer ersten Stellungnahme beschränkte er sich auf die Fakten: „Mit deutlicher Mehrheit haben sich Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der IGW für den Erwerb der Immobilie Kissing und Möllmann ausgesprochen. Bevor es jedoch soweit ist, soll zunächst eine Tochtergesellschaft mit dem Namen IGW-Spezialimmobilien GmbH gegründet werden. Hierzu ist ein kommunalaufsichtsrechtliches Verfahren notwendig. Ein möglicher Besitzübergang könnte danach zum 1. Januar 2019 erfolgen.“ Aufsichtsratschef Michael Schmitt mochte ebenfalls keine Details nennen und verwies auf die Äußerungen Pestls.

Bürgermeister-Schreiben an die Aufsichtsratsmitglieder

Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens hatte sich trotz seiner derzeitigen krankheitsbedingten Verhinderung zuvor mit einem Schreiben an die Mitglieder des Aufsichtsrates der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (IGW) gewandt. Darin verweist er zwar auch auf die historische Bedeutung des Fabrikgebäudes Obere Mühle 28, betont aber besonders die sozialpolitische Perspektive des Objekts. „In dem Gebäude Obere Mühle 28 ist in den vergangenen Jahrzehnten eine Subkultur-Landschaft entstanden, die eine Mischung aus Wohnnutzungen, niedrigschwelligen Kultur- und Sozialeinrichtungen sowie kleingewerblichen Bereichen aufweist“, schreibt Ahrens. „Die Bewohner und Nutzer der Immobilie sind nunmehr unverschuldet und aufgrund der Untätigkeit des bisherigen Eigentümers in die Situation geraten, ihre Wohnungen und Betriebe räumen zu müssen. Der Rat der Stadt – und auch ich persönlich – verfolgen das klare Ziel, diesen Menschen eine Rückkehr in die Obere Mühle 28 zu ermöglichen. Ich halte es allein schon aus menschlichen Erwägungen heraus für unsere Aufgabe, diese Mitbürger nicht im Stich zu lassen.“

Ahrens schildert die Befürchtung, dass im Falle der Ablehnung eines Ankaufs zu befürchten gewesen wäre, dass sich die zuvor an dem Objekt konzentrierte Drogenszene wie früher auf das gesamte Stadtgebiet verteilen könnte. Durch den Kauf durch die IGW erhoffe sich Ahrens eine Weiterentwicklung des Gebäudes. Das wirtschaftliche Wagnis für die IGW halte er für kalkulierbar und überschaubar. „Das Gebäude Obere Mühle 28 ist prädestiniert, um den auch in unserer Stadt vorhandenen Bedarf zur Schaffung von alternativem und gleichzeitig bezahlbarem Wohnraum zumindest teilweise zu decken, und bietet darüber hinaus weitere vielfältige und interessante Nutzungsmöglichkeiten“, schreibt Ahrens weiter.

Mit dem Beschluss zum Kauf des Objektes dürfte die Rückkehr der Bewohner zwar möglich werden, jedoch nicht innerhalb kürzester Zeit. Die vorübergehenden Quartiere, so hatte es Pestl den Nutzern bereits zugesagt, können bis dahin weiter genutzt werden.

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