Parktheater

Eigentlich wollten auch wir nur etwas spielen . . .

Martin Rütter filmt, Thomas Reunert singt, das Publikum gibt den Giganto-Chor. Auch so ein schwer erkläbares Iserlohn-Phänomen.

Foto: Emily Karacic

Martin Rütter filmt, Thomas Reunert singt, das Publikum gibt den Giganto-Chor. Auch so ein schwer erkläbares Iserlohn-Phänomen. Foto: Emily Karacic

Iserlohn.   Wenn Martin Rütter ins Parktheater kommt, passieren einige ziemlich unerklärliche Dinge

Das Ehepaar strahlte, was die Gesichtszüge hergaben. „Es war wieder toll“, sagte der Mann. „Wir kommen jedes Mal aus Remscheid. So etwas gibt es bei uns nicht. Und für das nächste Jahr haben wir auch schon Karten bestellt.“ Und ein paar Augenblicke später: „Von welcher Zeitung sind Sie denn?“ fragt im Rausgehen der Mann, der offenbar mit seinem Sohn, einem Labor-Beagle-Besitzer, ins Parktheater gekommen ist. Heimatzeitung? Kreisanzeiger? Damit kann er im ersten Moment nicht so richtig was anfangen. Ob man das auch online sehen könne, fragt er weiter. Und dann fügt er entschuldigend hinzu: „Wir kommen nämlich aus Wuppertal.“

Nur zwei kurze Blitzlichter auf ein nach wie vor – zumindest mir ziemlich unerklärlich – Phänomen. Das Phänomen heißt „Martin Rütter“ und hat für Iserlohn und von da aus eigentlich auch den Rest der Welt seinen Anfang in eben diesem Parktheater genommen.

Gut, dass der Theaterdirektor Jostmann Experimente mag

Die Geschichte ist ja auch schon x-fach erzählt worden. Rütter war vor rund 14 Jahren ein Hundetrainer, der die gefühlte Enge seines eigenen Trainingsplatzes überwinden wollte und dem Ziehen weiterer Kreise nicht abgeneigt war. Über einen auftritt bei Bettina Böttinger wurde auch die Heimatzeitung aufmerksam. Wir verabredeten ein Interview – und fanden einen Draht.

Und aus dem in Showkreisen üblichen „Wir-müssen-mal-unbedingt-was-zusammen-machen“ wurde mit Hilfe von Theaterdirektor Jostmann, der übrigens auch heute noch vor Freude und Staunen nur schwer in den Schlaf kommt, das Iserlohner Rütter-Format geboren. Informationen zu richtiger und/oder falscher Hundeerziehung, hintergründige Erklärungen zu Bellos Macken und Bellas Mucken. Und dazu gibt es – und das ist das eigentlich iserlohnerische – auch noch immer die Beratungsfenster für das Publikum. Natürlich kann immer nur eine Auswahl berücksichtigt werden, aber selbst da tun sich nicht selten wahre Abgründe auf. Zumindest gefühlte.

Um aber noch einmal bei den besonderen Phänomenen am Rande zu bleiben: Nicht nur die Anreisen haben es in sich, auch der Umstand, dass fast die Hälfte der Besucher gar keinen Hund hat, muss schon als außergewöhnlich bezeichnet werden.

Auch die nicht unerhebliche Anzahl von Katzenbesitzern macht Staunen. Da wundert man sich schon nicht mehr, dass selbst die sich kaputtlachen, wenn sie hören, dass sie mit einem völlig gefühl- und für die Gesellschaft bedeutungslosen Gesellen ohne eigentlichen Nutzwert die Herberge teilen.

Mein persönliches Highlight ist dann eigentlich auch die Pause, wenn es darum geht, Fragen zu Fehlverhalten, Macken, Sorgen, Nöten und Hoffnungen zu sammeln. Da kommt dann der Mann „mit meinen zwei Möpsen“, der nicht weiß, warum Mops eins alles und jedes ranschleppt, während Mops zwei selbst fassungslos bis gelangweilt die Szene beobachtet. Da ist die Geschichte von der Hündin aus Spanien, die ihren neuen Besitzer nach dessen einwöchiger Abwesenheit seit Monaten mit dem Hintern nicht mehr anguckt. Der Notruf der Frau, deren Hund immer ebenso grundlos wie beharrlich so etwas ähnliches wie „öff“ macht.

Das mit den Rütter-Chören glaubt einem ohnehin keiner

Dauerbrenner sind die Fragen zu den selbst ernannten lautstarken „Pförtnern“ und Security-Kräften im Mehrfamilienhaus („vor allem nachts!“) Und natürlich auch zu den jeweiligen Schlafgepflogenheiten. Selbst Nicht-Hunde-Besitzer können oder wollen sich gern mal vorstellen, wie es ist, wenn auch die 40-Kilo-Familien-Dogge unter die mollige Decke strebt. Was übrigens grundsätzlich auch nicht einmal schlecht ist. Martin Rütter sagt dazu: „Natürlich gehört der Hund ins Schlafzimmer.“ Da sind wir als seine Familie schließlich nachts auch.“ So einfach kann ein Hunde-Leben sein.

Und dann ist da inzwischen natürlich noch die Sache mit den Rütter-Chören. Begonnen hat eigentlich alles mit einem Auftritts-Liedchen zur „Flipper“-Melodei. Es folgte u.a. die Hundeversion von Batas „Michaela“ und schließlich am Dienstag eine leicht veränderte Vicky-Leandros-Hymne „Ich liebe das Leben/den Rütter!“ Zu sehen und inzwischen bereits über 150 000 Mal in Facebook (ikz-online) angeschaut und freudig erregt kommentiert. Dazwischen auch fast schon entrüstete Kommentare, dass die Veranstaltung am 23. Januar 2019 in weiten Teilen ausverkauft ist.

Dann werden wir – wenn alle gesund bleiben – also im 15. Jahr Martin Rütter zu der Frau mit der Dogge im Bett sagen hören: „Sei ehrlich! Du willst es doch auch!“

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