Ärger mit Vonovia

„Ein Aufzug, der uns Sorgen macht“

Brigitte Wendte und ihre Tochter Gesche Tummescheit vor dem Haus Zur Sonnenhöhe 112

Brigitte Wendte und ihre Tochter Gesche Tummescheit vor dem Haus Zur Sonnenhöhe 112

Foto: Frank Jungbluth

Iserlohn.   Der Aufzug im Haus Zur Sonnenhöhe 112 ist zwar erst ein Jahr in Betrieb, aber ständig defekt. Für die älteren Mieter im Haus eine Belastung.

Morgens, wenn Brigitte Wendte erwacht, führt sie ihr erster Weg zum Aufzug gegenüber ihrer Wohnung im sechsten Stock des Hauses Zur Sonnenhöhe 112 am Löbbeckenkopf. Nur mit dem Nachthemd bekleidet, prüft sie die Verfügbarkeit der Maschine. Danach plant sie ihren Tag. „Wenn er wieder ausgefallen ist, dann richte ich mich auf einen Tag im Haus ein“, sagt die 75-Jährige.

Seit 42 Jahren wohnt Brigitte Wendte im Haus. Es wurde 1967 erbaut und eröffnet aus den oberen Stockwerken einen Blick auf die Wiesen und Wälder drumherum. Es könnte ein schönes Wohnen sein im Haus Sonnenhöhe 112, wenn da nicht die Sache mit dem Aufzug wäre, dessen Einbau der Groß-Vermieter „Vonovia“ als Fortschritt gepriesen hat. „Der alte Lift war deutlich zuverlässiger, geräumiger und komfortabler“, sagt hingegen Brigitte Wendte. Die sechs Stockwerke bis zu ihrer Wohnung sind für sie unüberwindbar, wenn der Aufzug wieder mal streikt. „Man hat mir gesagt, dass der neue Lift wohl sehr empfindlich ist“, sagt Wendte.

32 Parteien wohnen im Haus aus den 60er Jahren. Die meisten sind betagt, für die meisten sind die endlosen Treppen bis in die vertraute Wohnung kaum zu schaffen, vielen, die auf einen Rollstuhl, einen Stock oder einen Rollator angewiesen sind, ist es sogar unmöglich. So, wie während der Bauzeit vor einem Jahr, als der neue Aufzug eingebaut wurde. Sechs Wochen lang war kein Hochkommen oder der Weg nur mit Mühsal zu schaffen. „Wir dachten, dass es danach besser wird“, sagt Brigitte Wendte. Es wurde aber nicht besser, der neue Lift ist ein Problemaufzug. „Beinahe jede Woche funktioniert er tageweise nicht. Ein Techniker hat mir gesagt, dass sei eine günstige Anschaffung für die Vonovia gewesen, ein Produkt aus China, bei dem auch noch eine Reparaturanleitung fehlt. Manchmal fährt er stundenweise, dann wieder tageweise nicht. Das ist kein Zustand.“

So haben die Mieter des Hauses Zur Sonnenhöhe 112 sich auch immer wieder beim Vermieter in der Bochumer Zentrale gemeldet, oft endeten die Versuche, das Problem dort vorzutragen, in der Warteschleife der Servicezentrale. „Irgendwann habe ich mir Rat bei einer Anwältin gesucht“, erzählt Brigitte Wendte. Auf das Schreiben aus der Kanzlei hat die „Vonovia“ mit einer Gutschrift von 24 Euro reagiert. „Lächerlich für die Einschränkungen, die den Leuten hier entstehen“, sagt auch Gesche Tummescheit. Sie ist die Tochter von Brigitte Wendte und aufgewachsen in diesem Haus.

Früher, als die Gagfah noch Vermieter des Hauses Zur Sonnenhöhe 112 war, gab es einen Hausmeister. „Wenn es dringend war, konnte man den auch nachts erreichen“, erinnert sich Brigitte Wendte an die Zeiten, als der Service noch stimmte. Inzwischen bleibt die Gartenarbeit liegen. Ein Nachbar hat den Efeu, der von den Garagen rankt, selbst geschnitten, damit sich die Tore noch öffnen lassen. „Es macht ja sonst keiner.“ Auch kleinere Handwerksarbeiten werden nicht mehr erledigt. „Bis sie da jemanden erreichen, vergeht viel zu viel Zeit.“

In der Not wird manzur Handwerkerin

Brigitte Wendte ist in der Not selbst eine versierte Handwerkerin geworden. Selbst ist die Frau. „Mein WC habe ich selber wieder in Ordnung gebracht.“ Das einzige, worauf sich Brigitte Wendte und ihre Nachbarn bei ihrem Vertragspartner Vonovia, Deutschlands Groß-Vermieter mit 400 000Wohnungen und im Dax besser notiert als die Deutsche Bank, verlassen können, das sind die regelmäßigen Mieterhöhungen. 719 Euro für 76 Quadratmeter. Das frisst einen guten Teil der kleinen Rente auf, die der 75-jährigen Witwe zur Verfügung steht. „In unserem Alter zieht man nicht mehr so gerne um, nach den vielen Jahrzehnten hier“, sagt sie. Sie hofft mit den anderen Bewohnern einfach nur auf einen guten Service für die hohe Miete.

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