Tag des Schornsteinfegers

Ein Beruf zwischen Tradition und Moderne

Bezirksschornsteinfeger Jan Badtke befreit einen Edelstahlschornstein von Ruß. Während der Reinigungsarbeiten verstopft jedoch der Abzug des Kamins.

Bezirksschornsteinfeger Jan Badtke befreit einen Edelstahlschornstein von Ruß. Während der Reinigungsarbeiten verstopft jedoch der Abzug des Kamins.

Foto: Carolin Meffert

Iserlohn.  Das Arbeitsfeld des Schornsteinfegers ist vielfältig. Dazu zählen auch Brand- und Umweltschutz.

Von einem goldenen Oktobertag kann am Mittwoch wohl keine Rede sein. Es ist grau und kalt – zumindest bleibt es trocken. Während sich viele über das kalte Herbstwetter beklagen, freut sich Jan Badtke. „Es ist das perfekte Wetter zum Schornsteinfegen“, sagt der 31-Jährige, der für seinen Beruf brennt. Der Bezirksschornsteinfeger trägt die traditionelle schwarze Kluft, der Zylinder verweist auf seinen Stand als Meister. Bei aller Tradition hat der Beruf mittlerweile aber sehr viel mehr zu bieten.

Jan Badtke ist sich auf dem Weg zur Iserlohner Heide, ein Stadtteil, der zu seinem Kehrbezirk gehört. Dort trifft er sich mit seinem Mitarbeiter Daniel Christophery und seinem Auszubildenden Cedric Wenderoth. Zur Zeit stehen die Säuberungen der Kaminöfen an, die jeweils im Herbst und Frühling vom Ruß befreit werden.

„Guten Morgen, der Schornsteinfeger ist da“, kündigt Daniel Christophery das Team bei der Dame des Hauses an. Mit dem Schornsteinfegerwerkzeug geht es direkt über die Leiter aufs Dach. Dort oben lässt der Schornsteinfeger den Besen, im Fachjargon Kugelschlagapparat genannt, vom höchsten Punkt des Schornsteins bis zur Sohle des Hauses hinab und zieht ihn anschließend mit kräftigen Armbewegungen wieder herauf.

Ein paar Dächer weiter führt der Auszubildende Cedric Wenderoth die gleiche Arbeit aus. Sorge um Nachwuchs müssen sich die Schornsteinfeger im Gegensatz zu anderen Handwerksberufen derzeit nicht machen. „Als ich meine Lehre 2005 gemacht habe, waren wir 14 Berufsschüler in einer Klasse“, erinnert er sich. Mittlerweile seien aber zwischen 25 und 30 Auszubildende, so dass einige Lehrgänge mitunter sogar aufgesplittet werden müssen. Und: Heute würden sich mehr Frauen als früher für den Beruf interessieren.

Die Tätigkeit macht mehr aus als die traditionellen Reinigungsarbeiten. „Wenn der Beruf des Schornsteinfegers sich nur um das Fegen der Schornsteine gedreht hätte, hätte ich den Beruf vermutlich nicht ergriffen“, sagt Jan Badtke. Vielmehr reizt ihn die technische Seite des Berufs. Eine Ader für Mathematik, Logik und technisches Verständnis sowie räumliches Denken sind Voraussetzungen für den Beruf.

Nach dem Schornsteinfegen trennen sich die Wege von Jan ­Badtke und seinen zwei Mitarbeitern. Zu seinem Kehrbezirk zählen rund 2200 Häuser, gut 20 Haushalte werden pro Tag kontrolliert. Zu den Aufgabenbereichen eines Schornsteinfegers zählen neben dem Brandschutz auch der Umweltschutz und Energieeinsparung. „Es ist nicht nur das stumpfe ‘Ich habe meinen Kehrbesen und kehre Schornsteine’. Der Beruf hat sich zu einem technischen Beruf entwickelt“, sagt Jan Badtke nach 15 Jahren Berufserfahrung.

Mängel mit Hilfe der Inspektionskamera entdeckt

Die Tätigkeit bringe viel Verantwortung mit sich, denn der Schornsteinfeger misst und analysiert Schadstoffe in den Abgasen von Feuerungsanlagen. „Wir kontrollieren vor allem auch den Kohlenmonoxidgehalt um sicher zu stellen, dass die Kunden in ihren Wohnungen nicht einschlafen und nie wieder aufwachen.“ Das macht er auch im Keller des nächsten Hauses in seinem Bezirk. Zusätzlich wird auch hier der schmale Schornstein, an dem die Heizanlage angeschlossen ist, kontrolliert. Dabei kommt die Inspektionskamera zum Einsatz. Tatsächlich stellt der Bezirksschornsteinfeger einen Mangel fest: Zwei Rohre sind auseinander gerutscht, ein kleiner Spalt gibt den Blick aufs Mauerwerk frei. Das muss später ausgebessert werden.

Im Anschluss wird noch der angebaute Edelstahlschornstein gesäubert. Beim Kehren steckt Jan ­Badtke den Besen jedoch nicht weit genug in den Schornstein hinein. Dadurch wird der Ruß nicht rausgekehrt und verstopft den Abzug des Kamins. Jan Badtke nimmt dafür einen Rußtauglichen Staubsauger zur Hand und befreit den Abzug von den Kehrresten. „Das ist eben das Spannende an dem Beruf. Man muss ein kreatives Köpfchen sein, Gefahren entdecken und die Probleme finden“, erklärt der 31-Jährige.

Auch an Schornsteinfegern geht die Corona-Pandemie nicht spurlos vorbei. Während es sonst üblich ist, die Herren in Schwarz für eine Portion Glück zu berühren, ist in diesen Tagen auch für Jan Badtke und seine Kollegen Distanz angesagt.

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