Stadtgeschichte

Ein Dach wie bei einer altrömischen Basilika

Dieses Archivfoto zeigt die Parkhalle nach ihrer Renovierung im Jahr 1958.

Foto: IKZ Archiv

Dieses Archivfoto zeigt die Parkhalle nach ihrer Renovierung im Jahr 1958. Foto: IKZ Archiv

Iserlohn.   Seit Ende des Jahres ist die Parkhalle Geschichte. Und in diese Geschichte soll an dieser Stelle geblickt werden.

Seit Ende des Jahres ist die Parkhalle Geschichte. Und in diese Geschichte soll an dieser Stelle geblickt werden, beginnend mit dem Jahr 1863, als der Iserlohner Bürgerschützenverein den Bau der ersten Halle auf der Alexanderhöhe in Auftrag gab, für die Architekt Max Nohl die Pläne erstellte. Nohl galt noch bis in die 1970er Jahre auch als Architekt der Bonner Villa Hammerschmidt in Bonn, was jedoch widerlegt worden ist. Im Jahr 1958 folgte ein kompletter Umbau der „Alten Halle“ sowie – nach dem alles vernichtenden Brand am 16. Februar 1970 – der Parkhallen-Neubau im Jahr 1972, der heute nur noch eine Bauruine darstellt, die nicht mehr betreten werden darf.

Als die „Alte Halle“ 1863 für 14 500 Taler auf der Alexanderhöhe errichtet wird, werden unten am Fuß der Alexanderhöhe die ersten Bauten für die Eisenbahn in Angriff genommen, die Iserlohn einen neuen Aufschwung ihrer alten blühenden Industrie und des Welthandels bringen soll. Großstädtisch sind die Maße der Halle – mit 86 Metern Länge und einer Breite von 26 Metern wird sie in Westdeutschland nur vom „Gürzenich“ in Köln übertroffen. Als besonders bemerkenswert registrieren die Chronisten, dass – wie bei einer altrömischen Basilika – das Dach der Halle einen einzigen großen Raum deckt.

Stresemann, Adenauer und Erhard hielten hier Reden

Seit wann die Halle offiziell „Alte Halle“ genannt wurde, ist nicht genau zu ermitteln. Höchstwahrscheinlich aber um die Jahrhundertwende nach dem Bau der „Neuen Halle“ (heute Parktheater) mit ihrem charakteristischen Turm. Fest steht aber, dass sie in zwei Kriegen (1870 und 1914-18) vom IBSV als Lazarett zur Verfügung gestellt wurde. Neben den Schützenfesten, sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen wurden auch politische Massenveranstaltungen abgehalten. Gustav Stresemann, Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Erich Mende waren nur einige Politiker, die hier vor ihren Anhängern sprachen. Ja sogar eine ganze Kirmes wurde einmal aufgebaut. „Die Alte Halle war ein Edelstein im Diadem dieser Stadt, mag er später auch viel von seinem Glanz verloren haben“, schreibt der Chronist wenige Tage, nachdem die Parkhalle bis auf die Grundmauern niederbegrannt war.

Schicksalstag 16. Februar 1970: Bis zum Abend findet die Südwestfalen-Meisterschaft im Boxen statt. Es ist die letzte von geschätzt insgesamt 10 000 Veranstaltungen in der „Alten Halle“. Hausmeister Mularzyk schließt die Halle nach seinem Kontrollgang ab, um 2 Uhr kommt die Polizei wegen einer Fahrerflucht zur Höhe, und eine halbe Stunde später verlässt Büfettier Gunter das Gebäude. Bis dahin gibt es keinen Hinweis auf einen Brand, kein Feuerschein, kein Brandgeruch. Um 3.23 Uhr dann geht der Notruf bei der Feuerwehr ein, und als Einsatzleiter Brandinspektor Spiegel vor Ort das enorme Ausmaß des Feuers erkennt, alarmiert er alle Iserlohner Löschzüge. Sie konnten nichts mehr ausrichten, außer ein Übergreifen der Flammen auf die König-Otto-Halle und damit auf das mit ihr verbundene Parktheater zu verhindern. Oberbürgermeister Günther Einert erklärt wenig später, der Stadtrat werde sofort Überlegungen anstellen, wie die Parkhalle möglichst schnell durch einen Neubau ersetzt werden kann.

Schon im Mai 1972 stand die neue Parkhalle samt Keglerheim, „Theaterstuben“ und der Diskothek „Alhambra“. Wie es dann mit der „Höhe“ weiterging, erzählen wir in einer der kommenden Ausgaben.

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