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Ein ganz gemeiner Diebstahl

Nichts mehr da – Marc (v. li.), Patricia und Jan können nur noch den Standort der Freundschaftsbank auf dem Schulhof andeuten.

Foto: Alexander Barth

Nichts mehr da – Marc (v. li.), Patricia und Jan können nur noch den Standort der Freundschaftsbank auf dem Schulhof andeuten. Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  Die Schüler der Grundschule Bömberg trauern ihrer Freundschaftsbank nach – unbekannte Übeltäter haben die schöne Idee zunichte gemacht.

Jan und Patricia, acht Jahre alt, sind Schulsprecher der Grundschule am Bömberg. Meist sind es schönere Anlässe, aus denen sie aktiv werden – zuletzt jedoch hatten die beiden Viertklässler die Aufgabe, über einen im doppelten Wortsinn gemeinen Diebstahl zu berichten. Alles begann mit einer guten Idee aus Übersee: Kinder der Willowgrove School im kanadischen Saskatoon haben eine so genannte „buddy bench“, eine Freundschaftsbank, aufgestellt. Wer in der Pause keinen Spielpartner findet, kann dort Platz nehmen und damit auf sein Problem aufmerksam machen – ein unkompliziertes Verfahren mit Vorteilen: Die Bank erspart den Betroffenen eine Suche und sozial orientierte Mitschüler müssen nicht raten, wer sich vielleicht einsam fühlt.

„Die Kinder haben die Idee im Schülerparlament diskutiert und dafür gestimmt, eine Freundschaftsbank aufzustellen. Es fehlte jedoch an Geld“, berichtet die Lehrerin Kirsten Kramer. Schließlich meldete sich jedoch der handwerklich begabte Vater von Marc aus der 4b und wurde zum Stifter: Aus hellem Holz konstruierte er eine Bank, etwa einen Meter lang, mit Rückenlehne. Alles gratis, Transport auf den Schulhof inklusive. Ab Mitte Februar stand die innovative Sitzgelegenheit den Knirpsen am Bömberg zur Verfügung. Die Freude war groß, währte aber nicht lange – nach den Osterferien wunderten sich manche über die leere Stelle. „Ich dachte, unser Hausmeister muss die reingestellt haben“, erinnert sich Kirsten Kramer.

„Keiner hat damit gerechnet, dass jemand so etwas tut“

Bald ist klar: Die Bank ist weg. Mit zwei bis drei Helfern und einem großen Auto muss das schwere Sitzmöbel weggeschafft worden sein, an der Schule ist man über die Tat entgeistert. Der Neuzugang sollte noch aufwendig bemalt werden, nicht einmal ein Foto wurde vor Ostern noch gemacht: „Keiner hat damit gerechnet, dass jemand so etwas tun könnte, sonst hätten wir über Sicherungsmaßnahmen nachgedacht“, erklärt die Lehrerin. Die Kinder möchten ihre Bank jetzt zurück, der Hausmeister hat Anzeige erstattet. Sollte die Freundschaftsbank nicht durch ein kleines Wunder wieder auftauchen, ist die Schule auf eine neue Spende angewiesen. Zeugen werden gebeten, sich mit Hinweisen an die Polizei zu wenden, wer eine neue Bank zimmern oder Geld dafür bereitstellen kann, darf auf die Dankbarkeit der Schüler zählen. Einstweilen müssen die Kinder am Bömberg mit herkömmlichen Methoden Spielkameraden finden.

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