Musik

Ein Gebet für alle Kriegsopfer

Hochkonzentriert boten die Sängerinnen und Sänger des Motettenkreises am Sonntag eine große Leistung in der Johanneskirche.

Hochkonzentriert boten die Sängerinnen und Sänger des Motettenkreises am Sonntag eine große Leistung in der Johanneskirche.

Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.   Der Märkische Motettenkreis gibt Mozarts Requiem eine besondere Bedeutung.

Echte Zuversicht und Hoffnung klingen – für heutige Ohren jedenfalls – anders. Bis zum letzten Ton im eigentlich Erlösung versprechenden „Lux aeterna“ (Ewiges Licht) bleibt Mozarts Requiem unheilvoll und erschütternd. Ganz zu schweigen von dem Beginn: Der klagende Introitus, auf dessen Geigenseufzern sich eine Chor gewordene Bedrohung auftürmt, die wütenden, alles hinweg fegenden Fugenläufe im Kyrie, das noch wilder und in zorniger Verzweiflung um sich schlagende „Dies Irae“ (Tag der Rache“) – es ist ein sehr unsanfter Übergang ins Jenseits, wie er hier erklingt. Und viel freundlicher wird es im weiteren Verlauf nicht. Die ungeheure Düsternis, die dieses letzte und unvollendete Werk Mozarts ausstrahlt, ist sicherlich mit ein Grund für die Faszination und all die Spekulationen zur Entstehungsgeschichte, die es bis heute auslöst.

Alle Plätze in der Kirchewaren restlos belegt

Am Sonntag passte aber gerade diese unheilvolle Atmosphäre zur Aufführung des Märkischen Motettenkreises – exakt 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Kantor Dr. Wolfgang Besler hatte dem wuchtigen Großwerk passend zum Tage die auf die Passionszeit gerichtete Bach-Kantate „Ich steh mit einem Fuß im Grabe“ vorangestellt. Es folgte vor dem Requiem eine Gedenkminute für alle Opfer früherer und heutiger Kriege. „Das Requiem kann dann zu einem Gebet für die Betreffenden werden“, hatte der ehemalige Vize-Präses der Evangelischen Landeskirche und Mitglied des Motettenkreises, Albert Hentz, als Geleit zu dem besonderen Anlass ins Programmheft geschrieben. Das Requiem wurde so bei aller Trauer auch zum Ausdruck der christlichen Botschaft „Suche Frieden und jage ihm nach“.

Und zu einem ausgesprochen vielstimmigen Gebet. Denn die Aufführung des Motettenkreises am Sonntag in der Nußberger Johanneskirche hat enormes Interesse geweckt. Die Sängerinnen und Sänger des Chores nahmen schon ihre Aufstellung im Altarraum ein, als Presbyter Karl Schreiber immer noch Stühle herbeiholen musste, weil wirklich alle Plätze restlos belegt waren.

Das Kommen der Scharen an Musikliebhabern hatte sich gelohnt. Schon der erste Programmpunkt war ein echter Höhepunkt: Der in Iserlohn schon gut bekannte Oboist René Eljabi ließ in der Sinfonietta der Bach-Kantate, begleitet von den zarte Streichern des „Neuen Bach-Collegiums NRW“, jenen Bach’schen Ohrwurm durch die Kirche strömen, den Bach gleich mehrmals in seinen Kompositionen verwendet hat, so auch im zweiten Satz seines berühmten f-moll-Klavierkonzertes – wunderbare und unsterbliche Musik.

Minutenlanger, stürmischer Applaus im Stehen

Nach den beiden Arien der Kantate und dem abschließenden fein gesungenen Choral „Herr, wie du willst, so schicks mit mir“ wurde das Neue Bach-Collegium durch die Bläser erweitert, um für die Erschütterungen des Mozart-Requiems gerüstet zu sein. Der Motettenkreis präsentierte sich unter dem energischen Dirigat von Dr. Besler aber gewaltig genug, um es in den Stürmen dieses Requiems mit dem Orchester aufzunehmen. Großen Anteil am Erfolg der Aufführung hatten auch die vier fabelhaften Solisten Julia Sophie Wagner (Sopran), Bettina Ranch (Alt), Marcel Reijans (Tenor) und Raimund Nolte (Bass), die solistisch brillierten und im Quartett wunderbar harmonisierten.

Das Publikum sprang am Ende förmlich von den Sitzen, um den Chor, die Solisten und das Orchester mit Dr. Wolfgang Besler mit langanhaltendem Applaus im Stehen ausgiebig zu feiern.

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